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Kunsthaus Bregenz zeigt die Malerin und den Menschen Joan Mitchell

"Retrospective. Her Life and Paintings" ab 18. Juli
"Retrospective. Her Life and Paintings" ab 18. Juli ©VOL.AT/Paulitsch
Emotion, Spontaneität, Natur und Poesie waren Joan Mitchells Themen. In ihren teils sehr großflächigen, farbwuchernden Bildern schimmern Assoziationen zu Motiven auf, verankert bleiben sie aber in der abstrakten Malerei.
Joan Mitchell im Kunsthaus Bregenz

Das Kunsthaus Bregenz gibt in seiner Schau “Joan Mitchell – Retrospective. Her Life and Paintings” ab 18. Juli einen Überblick über Werk und Leben der legendären US-Künstlerin.

Wäre Joan Mitchell 1925 in Chicago als Bub geboren worden, dann wäre ihre Kunst heute vermutlich in allen großen Sammlungen international bedeutender Museen vertreten. So aber teilt sie als eine der wichtigsten Künstlerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihr Schicksal mit vielen anderen Malerinnen ihrer Generation. Dabei war sie in New York die Künstlerin neben Weltstars wie Franz Kline, Jackson Pollock oder William de Kooning. Kunsthistorisch wird ihr Schaffen demnach auch in der Nachfolge des abstrakten Expressionismus beziehungsweise im Umfeld der New York School verortet, zu denen diese zählen.

Saufend und fluchend

Ihren Mitstreitern stand Mitchell mit ihrer spontanen und dynamischen Malerei im Spannungsfeld zwischen Konzeption und Emotion in nichts nach. Und auch sonst behauptete sich die schöngeistige Tochter der Herausgeberin einer Lyrikzeitschrift in der Szene: saufend und fluchend wie ein Seemann, heißt es. Diese grobe Sprache und ihre mitunter brutale Offenheit habe sich Mitchell, “ein armes reiches Kind”, als Selbstschutz zugelegt, um in der künstlerischen Macho-Welt der 1950er- und 1960er-Jahre bestehen zu können, erzählte KUB-Kurator Rudolf Sagmeister bei der Presseführung am Donnerstag.

Und bestanden habe sie, ergänzte der frühere KUB-Direktor Yilmaz Dziewior, der die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Joan Mitchell Foundation New York und dem Kölner Museum Ludwig kuratiert hat, dessen Direktor er seit Februar ist. Mitchell habe mit einer Selbstverständlichkeit und Durchsetzungskraft genau dieselbe Aufmerksamkeit für sich beansprucht wie ihre männlichen Kollegen. Schon allein ihre Formate spiegelten diese “Selbstermächtigung” wider. “Die großen Formate sind von vornherein für Museen gedacht und nicht für das Wohnzimmer”, machte Dziewior deutlich.

Emotionale und präzise Malerei

Mitchell war denn auch in sehr jungen Jahren bereits laufend in Ausstellungen präsent. “Alles, was sie machte, machte sie zu 150 Prozent”, sagte Dziewior. Dennoch ruhte sie sich nie auf bereits Erreichtem aus. Immer wieder verließ sie gewohntes Terrain und fing etwas Neues an, für den Ausstellungskurator ein Charakteristikum ihres Werkes. Während ihre Bilder in frühen Jahren noch sehr an den abstrakten Expressionismus – laut Sagmeister bei Mitchell “durchaus auch an den abstrakten Impressionismus” – und das Action Painting erinnern, entwickelte sie in ihrem Spätwerk eine gleichermaßen emotionale wie präzise Malerei, die die Authentizität der malerischen Geste mit einem seismografischen Erfassen der Natur zusammenführt. Der Lebenskampf, den man in ihren frühen Arbeiten erkennen könne, habe sich in den späteren Jahren zu einer inneren Freiheit hin entwickelt, “in der Malerei hat Joan Mitchell die Erlösung gefunden”, betonte Sagmeister.

Gezeigt werden im KUB bis 25. Oktober 30 zum Teil großformatige, mehrteilige Bilder vom Beginn der 40 Jahre dauernden Schaffensperiode Joan Mitchells bis kurz vor ihrem Tod 1992. Erstmals erhalten Interessierte anhand von Briefen, Fotografien, Einladungskarten oder Skizzenbüchern und einem Interview aber auch eine Idee von der schillernden Person der Malerin und ihren vielfältigen Beziehungen zu Literaten wie Frank O’Hara, Samuel Beckett oder Paul Auster, zu Künstlern oder Persönlichkeiten der kulturellen Welt ihrer Zeit.

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