Kühlgrenztemperatur: Wenn schwitzen nicht mehr hilft

Wenn schwitzen nicht mehr hilft: Es gibt Temperaturen, die für den Menschen nicht handhabbar sind.
Wenn schwitzen nicht mehr hilft: Es gibt Temperaturen, die für den Menschen nicht handhabbar sind. ©APA
Ob der Mensch seinen Körper ausreichend kühlen kann, hängt nicht nur von der Umgebungstemperatur, sondern auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Trockene Hitze ist deshalb leichter auszuhalten als schwüle Hitze. Experten sprechen von der Kühlgrenztemperatur, die sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit berücksichtigt.
Erstes Hitzewochenende des Jahres

Wien. Für Menschen ist eine Kühlgrenztemperatur von 35 Grad binnen Stunden tödlich. Bei dieser Temperatur gelingt es dem menschlichen Körper nicht mehr, sich durch das Schwitzen zu kühlen. In Indien und Pakistan drohen bis zum Ende des Jahrhunderts solche tödlichen Hitzewellen, wenn die Erhitzung des Planeten nicht gestoppt wird.

Kühlgrenztemperatur von über 31 Grad führt zu Hyperthermie

Die Kühlgrenztemperatur wird auch als Feuchtkugeltemperatur bezeichnet, es ist die niedrigste Temperatur, die durch Verdunstungskühlung erreicht werden kann. Bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent beträgt die Kühlgrenztemperatur 22,3 Grad Celsius. Bei 50 Grad und 10 Prozent Luftfeuchtigkeit sind es 24,3 Grad Celsius. Bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit sind Umgebungstemperatur und Kühlgrenztemperatur gleich.

Wie eine Studie der Pennsylvania State University 2022 zeigte, führt bereits eine Kühlgrenztemperatur von über 31 Grad bei gesunden, jungen Menschen im Schatten zu Hyperthermie. Bei den 18- bis 34-jährigen Probanden wurden die Werte bereits bei 31 Grad, teils auch schon darunter, kritisch. Sie konnten ihre Körperkerntemperatur also nicht mehr bei knapp unter 37 Grad Celsius halten.

Wissenschafter sagen höhere Werte in den nächsten Jahren voraus

Bisher überschritten die Feuchtkugeltemperaturen nur selten die 30-Grad-Marke, wie etwa im Juli 2021 in Delhi. Für die nächsten Jahrzehnte prognostizieren Wissenschafter jedoch höhere Werte. Insbesondere entlang der Flüsse Indus und Ganges in Pakistan und Indien, wo rund eine Milliarde Menschen lebt, könnten laut IPCC bis zum Ende des Jahrhunderts Hitzewellen auftreten, deren Feuchtkugeltemperaturen für den menschlichen Körper tödlich sind.

Die bisher höchsten Feuchtkugeltemperaturen wurden in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemessen. Rekordhalter ist Ras Al Khaimah mit 36,3 Grad, gefolgt von Jacobabad in Pakistan mit 36,2 Grad. Jacobabad in der Provinz Sindh gehört zu den heißesten Orten der Welt. Am 14. Mai 2022 wurden in Jacobabad Höchsttemperaturen von 51 Grad gemessen, die mit einer Feuchtkugeltemperatur von 33 Grad einhergingen. In Sibi in der angrenzenden Provinz Belutschistan war es an dem Tag zwar um rund drei Grad weniger heiß, aber feuchter, weshalb die Feuchtkugeltemperatur in der Spitze auf über 34 Grad stieg.

Zum Vergleich: In Österreich gab es bisher kaum Feuchtkugel-Temperaturwerte von mehr als 25 Grad. Am heißesten Tag des Jahres 2021 etwa stieg die Feuchtkugeltemperatur in Neusiedl am See im Burgenland auf maximal 24,5 Grad, bei einer Lufttemperatur von 35 Grad Celsius. Für kleine Kinder, ältere Menschen und vulnerable Gruppen sind jedoch bereits diese Temperaturen gefährlich. So führte die Hitzewelle 2003 in Europa mit Feuchtkugeltemperaturen von unter 28 Grad zu geschätzt 72.000 Hitzetoten.

(APA)

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