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Kritik an Neo-Papst: Sporschill bittet um Verständnis

Sporschill nimmt neuen Papst in Schutz.
Sporschill nimmt neuen Papst in Schutz. ©Privat
Das Internet ist unbarmherzig. Kaum war Kardinal Jorge Mario Bergoglio am Mittwochabend zu Papst Franziskus geworden, kursierten in den Social-Media-Foren Bilder, die den neuen Pontifex aus Argentinien mit dem ehemaligen Militärdikator Jorge Videla zeigen. Unter anderem, wie er ihm die Kommunion spendet.
Sporschill warnt vor Niedergang der Kirche

Tatsächlich ist die Rolle der katholischen Kirche zur Militärjunta (1976 bis 1983), die tausende Tote zu verantworten hat, und damit jene des bisherigen Kardinals von Buenos Aires ein umstrittenes Thema. Es wurde offenbar auch im Konklave angesprochen.

Vorwürfe waren bekannt

Die Vorwürfe, Bergoglio habe sich von der Militärdiktatur nicht nur nicht klar genug distanziert, sondern möglicherweise sogar kollaboriert, waren auch den Kardinälen bekannt, hieß es am Donnerstag in Medienberichten. Dem Jesuiten wird unter anderem von damals inhaftierten Ordensbrüdern vorgehalten, er habe sich nicht ausreichend für sie eingesetzt. Auch soll er der Junta bei der Entführung von zwei Jesuiten geholfen haben.

Vor allem das Schicksal linksgerichteter Priester habe ihn und die Kirche nicht interessiert, schrieben lateinamerikanische Medien. Er soll auch davon gewusst haben, dass Regimegegnerinnen ihre neugeborenen Babys weggenommen und zur Adoption an der Junta genehme Personen freigegeben wurden. Auch dazu habe er als damaliger Jesuitenoberer geschwiegen. Bergoglios Anhänger betonen im Gegenteil, er habe viele sozial engagierte Priester vor der Verfolgung durch die Todesschwadronen der Militärs gerettet.

Bergoglio hat den Vorwurf der Komplizenschaft und des bewussten Wegschauens immer zurückgewiesen. Das Thema wurde aber laut Vatikan-Insidern zumindest in den Gesprächen am Rande des Konklaves aufs Tapet gebracht. Die lateinamerikanischen Kardinäle spielten dabei angeblich eine wichtige Rolle als Auskunftspersonen. Sie hätten erklärt, Bergoglio habe zwar stets Einfluss auf die Politik in seinem Heimatland gehabt, ein Abhängigkeitsverhältnis habe es aber nicht gegeben.

Sporschill bittet um Verständnis

Um Verständnis für seinen Mitbruder im Jesuitenorden bat am Donnerstag der aus Vorarlberg stammende und in den vergangenen Jahren in Rumänien und Moldawien tätige Gründer des Hilfswerks “Concordia”, Georg Sporschill. “Ich hab‘s in Rumänien erlebt. Dort hat man nach der Wende den orthodoxen und den katholischen Bischöfen auch die Kooperation und Nähe zum Ceausescu-Regime vorgeworfen. Vor allem von Außen. Wobei wir alle nicht miterlebt haben, was es heißt, in einer verantwortlichen Position in einer Diktatur die eigenen Leute zu führen und zu schützen. Da muss man sicher eine gewisse Nähe suchen und Zugeständnisse machen.”

Wie weit der heutige Papst Franziskus dabei gegangen sei, wisse er aber nicht, unterstrich Sporschill im APA-Gespräch. “Da gibt’s Vorwürfe, aber es gibt auch die Tatsache, dass er einmal um Entschuldigung gebeten hat für diese Nähe zur Junta. Und wenn man im Leben Fehler gemacht hat, und dann um Entschuldigung bittet, ist das etwas Großes und auch ein Papst kann nicht unter den ganz unschuldigen Menschen gesucht werden, sondern unter denen, die zu ihren Stärken aber auch zu ihren Schwächen stehen. Und wenn er Schwächen hatte und dafür um Entschuldigung gebeten hat, ist das mehr als menschlich und in Ordnung. Ich stell mir unter einem Papst keinen gläsernen, chemisch reinen Menschen vor, sondern eben einen Menschen, der auch Fehler macht und die auch korrigiert.”

Ob diese Vergangenheit dem Papst während seines Pontifikats zum Problem werden könnte, wollte Sporschill nicht beurteilen. “Ich bin der Letzte, der da was versteht. Nur kann ich mir das nicht vorstellen. Er war immerhin schon lange Erzbischof und Kardinal von Buenos Aires, und da wäre lang genug Zeit gewesen Skandale aufzudecken.”

Muss Kirche um Verzeihung bitten?

Die Kirche in Argentinien hat sich in den vergangenen Jahren auch selbstkritisch zu ihrer Rolle während der blutigen Herrschaft der Militärs geäußert. So wurde das Verhalten der Priester und Kardinäle während des Regimes im Jahr 2000 öffentlich bedauert. Die Kirche habe nicht getötet, aber auch nicht gerettet, sagte ein Vertreter der Kirche im Jahr 2007, der als Zeuge in einem Prozess gegen den ehemaligen Militärseelsorger Christian Federico von Wernich aussagte.

Andere Vertreter des Diözesan- und Ordensklerus erklärten damals, man habe lediglich mit “Schweigen” auf die Menschenrechtsverletzungen reagiert. Die Kirche müsse um Verzeihung bitten, da sie in den Augen des Volkes Komplizin der Militärs gewesen sei.

Der Prozess gegen den deutschstämmigen Militärpriester Von Wernich hatte diesbezüglich geradezu Symbolcharakter. Er wurde am 9. Oktober 2007 von einem Gericht in La Plata wegen seiner Beteiligung an sieben Morden, 42 Entführungen und 31 Folterungen zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem soll der Priester das Handeln der Militärs während der Diktatur religiös gerechtfertigt und versucht haben, von Gefangenen Informationen zu erpressen.

Insgesamt starben während der Diktatur laut Menschenrechtsorganisationen 30.000 Menschen, viele verschwanden auch spurlos. Zahlreiche Opfer sollen von Militärflugzeugen ins Meer geworfen worden sein.

(APA)

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