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„Man muss davon ausgehen, dass in Zukunft ein Fall in Vorarlberg positiv ist.“
„Man muss davon ausgehen, dass in Zukunft ein Fall in Vorarlberg positiv ist.“ ©Mirjam Mayer - VOL.AT

Das sind die Coronavirus-Gegenmaßnahmen des Landes Vorarlberg

Das Land bereitet sich auf mögliche Notfallmaßnahmen für den Tag X vor.
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Um 12:00 Uhr Mittag trat das Land Vorarlberg gemeinsam mit diversen medizinischen und Blaulicht-Organisationen zum Vorarlberger Krisenstab zusammen. Ziel des Krisenstabes war, die Gefahr Coronavirus zu besprechen und Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Die anschließende für 14:00 Uhr geplante Pressekonferenz konnte erst mit 25-minütiger Verspätung starten, so intensiv waren die Diskussionen zwischen den Verantwortlichen zur aktuellen Lage in Vorarlberg.

Im Rahmen der Pressekonferenz mit Landeshauptmann Markus Wallner, Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher und Gesundheitslandesrätin Marina Rüscher wurden einige neue brisante Informationen bekannt:

Rüscher, Wallner, Grabher - Foto: Mirjam Mayer / VOL.AT

„Die Lage in Vorarlberg hat sich in den letzten Tagen zugespitzt“, sagte Markus Wallner gleich zu Beginn der Pressekonferenz. Das Coronavirus rücke näher, es sei nun auch im Nachbarland Tirol und Italien angekommen. „Wir müssen davon ausgehen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir den ersten bestätigten Fall in Vorarlberg haben“, sagte der Landeshauptmann:

9 neue Verdachtsfälle in Vorarlberg

Heute (Mittwoch) sind neun neue Verdachtsfälle in Vorarlberg dazugekommen, zwei davon sind negativ getestet worden, geht aus einer Presseaussendung am Nachmittag hervor. Bei der Pressekonferenz war noch von fünf ausständigen Verdachtsfällen in Summe die Rede. Insgesamt sind bisher 16 Verdachtsfälle aufgetreten. Momentan gebe es noch keinen Infizierten in Vorarlberg und keinen Grund für Panik. „Wir registrieren aber eine gewisse steigende Sorge der Bevölkerung“, so Wallner. Der offen und ehrlich gegenüber den Journalisten meinte: „Wir gehen davon aus, dass wir auch in Vorarlberg sehr rasch betroffen sein könnten.“ Daher werden Stichprobenkontrollen in Vorarlberg der nächste Schritt im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus sein.

Zumal die Verdächtsfälle in Vorarlberg ansteigen werden, wie die der Landeshauptmann unumwunden bemerkt. Wallner führte umgehend aus, wieso die Zahl bei uns ansteigen wird. „Eine Veränderung der Lage ist dazugekommen. Das Risikogebiet wurde ausgedehnt.“ Bisher galt der Kontakt nach China bei Verdachtsfällen, erklärt er. Mittlerweile wurde der Bereich aber ausgeweitet auf Italien. „Eine weitere Ausweitung der Verdachtsfälle in Vorarlberg ist daher zu erwarten.“ Aktuell sind mit den Regionen Emilia Romagna, Piemont, Lombardei und Venetien vier Risikogebiete in unmittelbarer Nähe zu Vorarlberg dazugekommen, zusätzlich Japan, Südkorea, Hongkong, Iran und Singapur. Dadurch ist ein sprunghafter Anstieg der Verdachtsfälle auch in Vorarlberg zu verzeichnen.

"Die Aufgabe für uns ist daher: Die Leute beruhigen", so Wallner. Zum Beispiel mit vielen Informationen zur Lage in Vorarlberg und welche Vorsichtsmaßnahmen das Land ergreift.

Wann spricht man von einem Verdachtsfall?

Als Nächstes erklärte Landessanitätsdirektor Dr. Wolfgang Grabher die Lage in Vorarlberg und den Unterschied zwischen Infizierten, Verdachtsfällen und Kontaktpersonen aus medizinischer Sicht.

Drei Voraussetzungen müssen per definitionem gegeben sein, damit tatsächlich ein berechtigter Verdachtsfall vorhanden ist:

  1. Die Person muss in Risikogebieten gewesen sein oder Kontakt mit einem Erkrankten gehabt haben
  2. Die Person muss die typischen Krankheitssymptome aufweisen
  3. Der Kontakt mit einer infizierten Person oder die Rückkehr aus einem Risikoland darf nicht länger als 14 Tage her sein (das ist die Inkubationszeit des Coronavirus)

Der Landessanitätsdirektor bittet in diesem Zusammenhang die Vorarlberger Bevölkerung eindringlich: Nur wer ein berechtigter Verdachtsfall ist, soll sich testen lassen. Alle anderen erfüllen die Kriterien nicht und sollen nicht zum Arzt gehen. Denn: Die Kapazitäten im Land seien sehr begrenzt. Zumal auch die Influenza-Patienten gegenwärtig in großer Zahl versorgt werden müssten.

Das Problem bisher war: Bei einem Coronavirus-Verdacht sind viele Vorarlberger gleich ins Spital gerannt. Ratsam sei vielmehr: Wer Symptome verspürt, möge den Hausarzt kontaktieren oder 1450 anrufen oder die  Coronavirus-Hotline anrufen, aber nicht die Krankenhäuser stürmen. "Uns hilft am meisten, wenn die Wege eingehalten werden", so Wallner.

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann ohnehin nur dann gegeben sein, wenn man mit Erkrankten direkt Kontakt hatte. Doktor Grabher versucht zu veranschaulichen: „Ein Test ist dann positiv, wenn ich den Erreger in meinem Hals drinnen habe.“ Er versichert allen besorgten Bürgern: „Sobald Sie symptomatisch werden, werden Sie getestet. Weil dann rutschen sie in die Gruppe der Verdachtspersonen.“

Zwangsquarantäne und hohe Strafen bei Missachtung

Was macht das Land, wenn eine Person nicht mehr nur ein Verdachtsfall ist, sondern infiziert? Die Antworten von Wallner, Grabher und Rüscher werden nicht allen gefallen: Dann wird es eine „strikte Vorgangsweise bei einer Infektion geben.“ Sollte der Test positiv ausfallen, erhält die Person einen behördlichen Bescheid, dass sie zwei Wochen zu Hause bleiben muss. Dasselbe gilt für die Kontaktpersonen.

Genauer: Sollte der Test positiv sein, muss die erkrankte Person entweder 14 Tage zuhause isoliert bleiben (bei leichten Symptomen) oder kommt in die Isolierstation in einem Krankenhaus (bei schweren Symptomen). Dabei vorrangig in die Krankenhäuser Bludenz und Feldkirch (Plexiglaswände in Ambulanzen wurden laut Rüscher bereits eingezogen. Das Personal soll dadurch vor dem Coronavirus geschützt werden).

Bei einem Verdachtsfall muss die Person strikt 24 Stunden zu Hause bleiben bis das Ergebnis der Testung da ist. Wer war mit dieser Person in Kontakt, ist dann die wichtigste Frage? Alle direkten Kontaktpersonen werden 14 Tage isoliert. Aber nicht getestet. „Sonst hätten wir viel zu viele Testungen durchzuführen“, begründet die Gesundheitslandesrätin.

Journalistenfrage: „Sie zwingen die Leute also zuhause zu bleiben?“ Rüscher: "Genau!“

„Jetzt können wir noch verhindern, dass das Ganze größere Maßstäbe annimmt“, lautet die weitere Erklärung.

Sollte es in Betrieben zu Verdachtsfällen kommen, will Landeshauptmann Wallner erst das nur Notwendige machen, in letzter Konsequenz aber hart durchgreifen: „Kurzfristige Sperrungen halten wir uns offen. Natürlich können wir nicht ausschließen, dass die eine oder andere Sperrung kommen wird.“

Dann brachte Rüscher noch ein Verdachtsfall-Beispiel zum besseren Verständnis: Wenn ein Bewohner einer Wohnanlage ein Verdachtsfall ist, werden nicht alle Bewohner der Wohnanlage unter Quarantäne gestellt, sondern nur die Kontaktpersonen werden isoliert. Als Kontaktperson werden Personen betrachtet, die direkten Kontakt mit einem Verdachtsfall hatten und womöglich über Tröpfcheninfektion selber infiziert wurde.

Apropos Tröpfcheninfektion: Die Schutzartikel in Vorarlberg gehen langsam aus. Das Land habe bereits den Bund gebeten, die Beschaffungslogistik zu organisieren. Erste Schritte seien bereits angelaufen. Rüscher: „Vom Totalausfall gehen wir nicht aus. Aber die nächste Eskalationsstufe ist angelaufen.“

Weltweit sind über 81.000 Krankheitsfälle zu verzeichnen, davon rund ca. 600 in Europa. „Bislang sind 2.762 Personen am Coronavirus verstorben, das ist eine Sterblichkeitsrate von 2,3 Prozent“, sagte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher: „80 Prozent der Krankheitsverläufe sind leicht.“

Und wenn sich die Person weigert, isoliert zu bleiben?

Grabher hebt in so einem Fall ganz klar den mahnenden Zeigefinger: „Der Strafrahmen ist sehr hoch, wenn der Absonderungsbescheid nicht eingehalten wird. Das ist wie Fahren ohne Führerschein.“ Eine genaue Summe bei Verstoß gegen die Vorschriften konnten die Verantwortlichen nicht nennen. Gesetzliche Grundlage für den Strafrahmen ist das Epidemiegesetz, in das der Passus Coronavirus vor Kurzem dazugenommen wurde.

Dass die Personen isoliert bleiben, ist extrem wichtig, damit Verdächtige oder Kontaktpersonen nicht andere Menschen zu Verdächtigen und Kontaktpersonen machen. Damit soll die Gruppe der sekundären Kontaktpersonen möglichst klein gehalten werden und die Ausbreitung des Coronavirus in Vorarlberg tunlichst verhindert werden.

Denn gerade zu Beginn kann man die Verdachtsfälle in Maßen halten.

Aktuelle Informationen zu den Handlungsanweisungen sind auf

www.vorarlberg.at/corona und

www.vorarlberg.at/warnung abrufbar.

Alle Informationen zum Coronavirus im Special

(Red.)

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