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Kriegsende vor 75 Jahren, Teil 2

In Brand geschossenes Haus in der Holzstraße
In Brand geschossenes Haus in der Holzstraße ©Marktgemeinde Lustenau
Wenige Tage vor dem offiziellen Ende des Zeiten Weltkrieges wurde Lustenau am 2. Mai 1945 mit dem Einmarsch französischer Truppen, vom Großteil der Bevölkerung jubelnd begrüßt, von der Herrschaft der Nationalsozialisten befreit. 
Ende des Zweiten Weltkrieges in Lustenau Teil 2

Die in dieser dreiteiligen Serie präsentierten Auszüge entstammen einem Bericht des damaligen stellvertretenden Bürgermeister Oskar Alge, gut vier Monate nach Kriegsende verfasst. Sie erinnern an die dramatischen Ereignisse vor genau 75 Jahren.

„Die Lustenauer Standschützenkompanie, die nach Sulzberg aufgeboten war, kam nach einigen Tagen, ohne einen Befehl abzuwarten, zurück. Ein Teil der Standschützen, die ursprünglich im RAD-Lager (RAD Reichsarbeitsdienst, Anm. der Redaktion) Lustenau als Stabskompanie verblieben war, wurde alarmiert und es wurde ihnen der Befehl erteilt, sich nach Dornbirn zu begeben. Die betreffenden Standschützen widersetzten sich diesem Befehle mit dem Bemerken, dass sie wohl bereit seien, für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Lustenau einzustehen, dass sie aber niemals dazu zu bewegen seien, sich außerhalb der Gemarkung Lustenaus zu begeben.

Am 1. Mai stand der Feind am Unterhochsteg. Die Bregenzerklause war noch das einzige Hindernis, das ihn von Vorarlberg trennte. An diesem Tage überflogen dutzende feindlicher Flugzeuge unsere Gemeinde im Tiefflug und beschossen Straßenpassanten, Fuhrwerke und Autos mit Maschinengewehrsalven und steckten im Verlaufe des Vormittags das Bauernhaus des Anton Bösch, Holzstr. 49, in Brand. Infolge des Alarmzustandes war die Feuerwehr am Ausrücken gehindert und hatte für eventuell ausbrechende größere Brände Alarmbereitschaft. Das Haus brannte infolge dessen bis auf die Grundmauern nieder. Die Lage war derart, dass die Straßenpassanten gezwungen waren, sich unter Bäumen, Vordächern und Hecken zu verstecken.

Nachdem mir bekannt war, dass Lustenau zur offenen Gemeinde erklärt war, infolgedessen nicht verteidigt werden sollte, entschloss ich mich, um ungefähr halb 10 Uhr vormittags, den Befehl zu erteilen, auf den beiden Kirchtürmen sowie auf den beiden Volksschulhäusern die weiße Fahne zu hissen. Diese Maßnahme verfolgte den Zweck, den feindlichen Fliegern Kenntnis zu geben, dass es nicht beabsichtigt sei, unsere Ortschaft zu verteidigen. Die Hissung [sic] der weißen Flaggen war nahezu für die gesamte Bevölkerung der Anlass, ebenfalls weiße Fahnen und weiße Tücher an den Wohnhäusern herauszuhängen.

Ungefähr um halb 3 Uhr nachmittags erhielt ich einen fernmündlichen Anruf des Kreisleiterstellvertreters Dr. Reiter der mich befragte, wer die Weisung zur Hissung [sic] der weißen Fahnen erteilt habe. Auf meine Erwiderung, dass ich die Verantwortung für die Maßnahme übernehme, erhielt ich die Antwort, dass ich als Bürgermeisterstellvertreter der Gemeinde Lustenau abgesetzt sei und dass ich als letzte Maßnahme die sofortige Einziehung der Beflaggung durchzuführen habe. Gleichzeitig werde der in Dornbirn stationierten SS der Auftrag erteilt, unverzüglich nach Lustenau zu fahren und sämtliche Häuser, die noch eine weiße Flagge führen sollten, mit Panzerfäusten dem Boden eben zu machen. Dies war für mich der Anlass, meinen Posten zu verlassen und mich für einige Zeit zu verbergen.

Der Gemeindeinspektor Josef Grabher wurde um 4 Uhr des gleichen Tages (1. Mai 1945) beauftragt, durch Ausrufen das Einziehen der weißen Fahnen anzuordnen. Am 2. Mai, nachmittags ca. 2 Uhr erreichte mich in meiner Unterkunft die Meldung, dass der Feind inzwischen in Lustenau eingetroffen sei, und dass meine Anwesenheit im Gemeindeamt erwünscht sei. Bei meinem Eintreffen dortselbst war der 3. Beigeordnete Josef König anwesend, der mir eröffnete, dass der Landratsstellvertreter Dr. Kropf telefonisch die Meldung von meiner Absetzung als Bürgermeisterstellvertreter bestätigt habe und ihn mit der Führung der Geschäfte betraut habe. Unmittelbar darauf traf der neue französische Kommandant ein, der die 1. Weisungen über die vorzunehmenden Maßnahmen erteilte. Über Wunsch des eingesetzten Bürgermeisterstellvertreter, Josef König erklärte ich mich bereit, für die kommenden Tage das Amt des Bürgermeisters beizubehalten und wurde vom französischen Platzkommandanten als solcher in mündlicher Form bestätigt.“

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