Kohl übernahm Führung in Bergwertung

Der Niederösterreicher Bernhard Kohl hat sich auf der ersten Alpen-Etappe der Tour de France auf Gesamtrang zwei verbessert und ist ins Trikot des besten Bergfahrers geschlüpft.

Der Niederösterreicher belegte am Sonntag auf dem 15. Abschnitt über 183 km von Embrun zur Bergankunft in Prato Nevoso (Italien) Platz fünf und verpasste das Gelbe Trikot nur um sieben Sekunden. Den Sieg auf dem Teilstück am Sonntag, das mit dem Col Agnel (2.744 m) auch eine Bergwertung der höchsten Kategorie enthielt, holte sich als schnellster einer Ausreißergruppe der Australier Simon Gerrans.

In der Gesamtwertung führt nun der Luxemburger Fränk Schleck mit sieben Sekunden vor Kohl. Der bisherige Leader Cadel Evans (AUS) ist eine weitere Sekunde zurück Dritter. Kohl übernahm zudem das rot-gepunktete Bergtrikot von seinem Gerolsteiner-Teamkollegen Sebastian Lang. Die erste Alpen-Etappe forderte mit Oscar Pereiro (ESP/schwerer Sturz), Toursieger 2006, und Stijn Devolder (BEL/Aufgabe), Sieger der Österreich-Rundfahrt 2007, zwei prominente Opfer.

Fanclub feuerte Kohl im Anstieg nach Prato Nevoso an

Transparente, Fahnen, Anfeuerung durch ein Megaphon – eine Kurve im Schlussanstieg nach Prato Nevoso war fest in der Hand des Fanclubs von Bernhard Kohl. Der österreichische Sensationsmann bei der 95. Tour de France wurde auf der 15. Etappe von seinen Eltern sowie sieben anderen Fans lautstark angefeuert. “Wir hoffen, dass er wieder ganz weit vorne heraufkommt”, sagte Vater Christian Kohl.

Eine Gruppe war dem Tour-Tross bereits durch die Pyrenäen gefolgt, der zu den Alpenetappen angereiste Vater platzierte das Wohnmobil am Samstag rund zwei Kilometer vor dem Ziel und hatte beste Sicht auf die Fahrer. Nach der Etappe beschränkte sich der Kontakt zum 26-jährigen Sohn aber auf Telefonieren. Anstatt am Ruhetag einen Besuch im Gerolsteiner-Teamhotel anzustatten, fuhren die Kohl-Fans gleich weiter nach L’Alpe d’Huez, dem Ziel der Königsetappe am Mittwoch. “Wir müssen rechtzeitig dort sein, damit wir wieder einen guten Platz bekommen”, meinte Vater Kohl.

Bernhard Kohl hatte sich als Jugendlicher in vielen Sportarten versucht, für Fußball oder Tennis erwies sich aber seine damals geringe Größe als Manko. Im Radsport spielte das keine Rolle, der Schüler schrieb sich beim URC Wolkersdorf ein. Der Vater hatte nach einer Fußball-Karriere spät die Liebe zum Radsport entdeckt und bestritt Seniorenrennen. “Mit dem Rad wäre ich wahrscheinlich erfolgreicher gewesen”, meinte Kohl senior.

Das Potenzial Bernhards hat sein damaliger Trainer Andreas Blümel schon früh erkannt. “Aus dem kann was werden, wenn er dabeibleibt.” Kohl gewann als Jugendlicher zwar nicht viele Rennen, seine Stärke am Berg verhalf ihm aber in der Folge zu einer märchenhaften Karriere. “Im Hinterkopf habe ich schon gehofft, dass Bernhard einmal Weltspitze wird”, sagte Christian Kohl.

Der Ansturm der meist italienischen Fans beim Ausflug der 95. Tour de France am Sonntag ins Nachbarland war gewaltig. Ab dem frühen Vormittag fuhren tausende Hobby-Radler in die knapp 1.500 m hoch gelegene Skistation, auf den letzten fünf Kilometern stand Wohnmobil an Wohnmobil gereiht. Zehntausende Fans pilgerten auf diesem am Sonntag für Autos bereits gesperrten Abschnitt Richtung Ziel. Die Tour war für die Azzurri auch ohne die italienischen “Stars” Riccardo Ricco (positiv auf EPO getestet) und Leonardo Piepoli, die von ihrem Team Saunier Duval entlassen wurden, eine Reise wert.

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