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Kohl als Dritter eine fixe Tour-Größe

Ein Österreicher in Paris auf dem Siegespodest - Bernhard Kohl war als Gesamt-Dritter und Gewinner der Bergwertung eine der großen Überraschungen der 95. Tour de France.

Österreichs neuer Sport-Star hat im wichtigsten Radrennen der Welt dank seiner Kletter-Qualitäten und einer Steigerung im Zeitfahren den Aufstieg vom braven Kämpfer in den erlesenen Kreis der Topfahrer geschafft, die fähig sind, in einer der drei dreiwöchigen Landesrundfahrten zu reüssieren. Damit warf der 26-Jährige seine eigene Karriereplanung über den Haufen. “Was ich erreicht habe, ist gewaltig. Das hatte ich mir erst für die nächsten fünf Jahre vorgenommen”, erklärte Kohl. Mit gesteigertem Selbstvertrauen will er nun sogar noch höher hinaus. “Die besten Jahre liegen noch vor mir. Mein Ziel muss sein, in zwei, drei Jahren um den Sieg mitzufahren”, sagte der in Klagenfurt lebende Niederösterreicher. “Aber das wird sehr schwierig.” Historisches hat er schon bei seiner erst zweiten Tour-Teilnahme geschafft: Kohl eroberte als erster Österreicher das rot-gepunktete Trikot des besten Bergfahrers und egalisierte die beste Gesamtplatzierung eines ÖRV-Fahrers von Adolf Christian aus dem Jahr 1957. Der zurückhaltende Wolkersdorfer findet im deutschen Gerolsteiner-Rennstall für ihn ideale Bedingungen vor. Team-Manager Hans Michael Holczer gab ihm die Chance, als Kapitän auf eigene Rechnung zu fahren. Und Kohl bestätigte ihn in dieser Entscheidung. “Die Tour war immer mein Traum. Momentan lebe ich ihn”, sagte der gelernte Rauchfangkehrer. Sein Profi-Vertrag läuft heuer aus, Kohl pokert mit einer Verdoppelung des bisherigen Verdienstes für 2009 und die Folgejahre wohl nicht zu hoch. Kohl war nie einer, der viele Rennen gewinnt. In der Eliteklasse fehlt ihm noch ein Sieg, doch seine Spitzenresultate hatten Gewicht. Der Sieg in der Pyrenäen-Tour 2004 (U23) verhalf ihm zu einem Profivertrag bei T-Mobile, 2006 brachte ihm Gesamt-Rang drei im Criterium du Dauphine Libere, der traditionellen Tour-Generalprobe, den Kontrakt mit Gerolsteiner. Letztere Leistung war für das Leichtgewicht (60 kg bei 1,72 m) ein Schlüsselerlebnis: Sie gab Kohl das Selbstvertrauen für weitere Großtaten. “Damals habe ich gemerkt, dass ich mit den Besten mithalten kann.”

Seine erste dreiwöchige Rundfahrt musste er in Spanien 2006 nach Etappenrang zehn wegen eines schweren Sturzes aufgeben, bei der Tour-de-France-Premiere 2007 wurde er als 31. klassiert und erreichte einen siebenten Etappenrang. Heuer stieg er in ungeahnte Höhen auf. Doch abgehoben hat Kohl keineswegs. Der Hobby-Koch ist sehr beliebt bei seinen Teamkollegen, bedankt sich jeden Abend herzlich für deren Unterstützung und sorgt auch für gute Stimmung.

Eine rasche Erholungsfähigkeit nennt Kohl als seine Stärke, sie prädestiniert ihn für die großen Rundfahrten. Als “kleines Erfolgsgeheimnis” bezeichnet der Perfektionist die Skitouren im Winter (jeweils rund 40), die eine Grundlage seines Ausdauertrainings bilden. “Ich liebe die Berge, aus der Ruhe schöpfe ich meine Kraft”, betonte Kohl, der erst jeweils ab Mitte Jänner eine spezielle Vorbereitung auf den Rad betreibt.

Kohl gilt als besessener Trainierer, heuer setzte er von Beginn an voll auf die Tour, nahm viele Entbehrungen auf sich. “Er hat die letzten Monate wie ein Mönch gelebt, das zahlt sich jetzt aus. Dass er so schnell radfahren kann, habe ich nicht gewusst, ich bin baff”, sagte der Steirer Bernhard Eisel und Teamkollege Peter Wrolich, ebenfalls ein Trainingspartner, beschreibt eine andere Stärke des Aufsteigers. “Ich kenne niemanden, der sich so akribisch vorbereitet wie er”, sagte der Etappen-Zweite der Tour 2005. So fuhr Kohl heuer im Juni auf eigene Kosten alle Pyrenäen- und Alpenpässe ab und sammelte wertvolle Erkenntnisse.

Der am 4. Jänner 1982 in Wien geborene Wolkersdorfer hatte sich als Jugendlicher in vielen Sportarten versucht. Für Fußball oder Tennis erwies sich aber seine damals geringe Körpergröße als Manko. Doch Kohl musste nicht lange nach Passenderem suchen. Sein Vater Christian hatte als Fahrer der Seniorenklasse spät seine Liebe zum Radsport entdeckt, so schrieb sich Bernhard mit 12 Jahren beim lokalen Club URC Schwöllberger ein.

Sein Potenzial hat sein damaliger Trainer Andreas Blümel schon früh erkannt. “Aus dem kann was werden, wenn er dabeibleibt”, sagte der Ex-Rennfahrer. Kohl gewann als Jugendlicher in einer Klasse mit Siegfahrer Eisel zwar nicht viele Rennen, seine Stärke am Berg verhalf ihm aber in der Folge zu einer märchenhaften Karriere. “Mir war von Beginn an klar, dass ich Profi werden will. Bei einer großen Rundfahrt vorne dabeizusein, war mein Traum”, blickt Kohl zurück.

Nach einem Engagement im heimischen Elk-Haus-Rennstall wechselte er 2003 ins Ausland in die U23-Abteilung des niederländischen Rabobank-Teams, danach folgten zwei Jahre bei T-Mobile und seit 2007 trägt er das blau-weiße Trikot der deutschen Mineralwasser-Firma. “Bei Gerolsteiner habe ich die Chance bekommen, zu schauen, wie weit es bei der Tour de France nach vorne geht”, sagte Kohl. Derzeit scheinen ihm keine Grenzen gesetzt.

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