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Koch mit Fernweh und Abenteuerlust

Eugen Rieser ist schon weit herumgekommen
Eugen Rieser ist schon weit herumgekommen ©NEUE/Oliver Lerch
Hard - Dass man als Koch und Soldat ein abenteuerliches Leben haben kann, beweist Eugen Rieser (43). Der Harder ist schon weit herumgekommen. Er lebte am Golan, auf Zypern, im ­Kosovo, in Bosnien, in Schottland und in Ägypten.
Eugen Rieser ist weit herumgekommen

Eugen ist noch recht klein, da weiß er schon: Ich möchte Koch werden! Sein Berufswunsch hält sich über die Jahre. Mit 14 schnuppert er in den Beruf und ist so begeistert, dass er danach eine dreijährige Kochlehre macht. Der Beruf macht ihm Freude, „weil jeder Tag anders ist und man sehr kreativ sein kann.“ Nach der Lehre absolviert er den Militärdienst. Die Kameradschaft, die er dort erlebt, gefällt ihm. Als ein Gefreiter in geselliger Runde von seinem Einsatz am Golan erzählt, weckt das in Eugen die Abenteuerlust. „Das wär‘ was für mich“, denkt er sich und hört dem Mann aufmerksam zu.

Kompost gegessen

Monate später findet sich Eugen als UNO-Soldat auf den Golanhöhen wieder, der Waffenstillstandszone zwischen Israel und Syrien. Er kocht unter sehr einfachen Bedingungen für die zwölfköpfige Mannschaft vom Stützpunkt 30 und geht regelmäßig auf Patrouille. Aus dem einjährigen Aufenthalt in dem Krisengebiet kommt er ruhiger als zuvor zurück und mit neuen Freundschaften und unvergesslichen Eindrücken. „An den freien Tagen bin ich viel gereist. Ich war in Israel und Syrien.“ Vor allem Damaskus faszinierte ihn. „Das war wie 1001 Nacht.“ Auch die Sonnenuntergänge, die er am Golan beobachtete, bleiben ihm unvergessen. Ebenso jener Schafbauer, den er mit Essen unterstützte. „Der Mann holte sich das Essen, das wir auf den Kompost geschmissen hatten und ernährte davon zum Teil seine Familie.“ Eugen tat der Mann so leid, dass er ihm regelmäßig Essen schenkte. „Was ich entbehren konnte, gab ich ihm.“

Essen: Balsam für Seele

Es bleibt nicht bei diesem einen Auslandseinsatz. Eugen arbeitet eine Saison lang als Koch in Vorarlberg. Dann lockt ihn wieder das Ausland und das Leben als Soldat. „Das zweite Land, das ich mir anschauen wollte, war Zypern.“ Auch dort müssen UN-Soldaten eine Grenze überwachen. In Zypern muss er im Camp mit zwei weiteren Köchen für 150 Menschen kochen. Der Job gefällt ihm. „Auch wenn ich es nicht immer allen recht machen konnte.“ Schmunzelnd erinnert sich Eugen an einen Soldaten, der jedes Essen kritisierte und behauptete, dass seine Großmutter es besser machen würde. Eugen weiß, welch wichtige Rolle das Essen für Soldaten spielt, die im Ausland stationiert sind. „Als Koch vermittelst du ein Stück Heimat. Ich koche ja so wie daheim in Österreich – angefangen von Tiroler Knödel über Gulasch bis hin zu Rostbraten und Wiener Schnitzel.“ Essen im Soldatencamp ist mehr als Nahrungsaufnahme. „Essen unterbricht die Tagesroutine und bringt Abwechslung in das manchmal eintönige Leben eines Soldaten im Ausland. Insofern ist es auch ein wichtiges Element der Motivation“, erläutert Eugen den Stellenwert des Essens. Auch der soziale Aspekt dürfe nicht unterschätzt werden. „Man trifft sich zum gemeinsamen Essen und kommuniziert miteinander.“ Eugen weiß um seine Verantwortung. Ihm ist klar, dass gutes Essen wie Balsam für die Seele des heimatfernen Soldaten ist.

Bodyguard in Kairo

Die Stationierung auf Zypern erfüllt seine Erwartungen. Er lernt die Insel in seiner Freizeit kennen und schätzen. „Nach Dienstschluss sind wir ans Meer baden gegangen.“ An das einjährige Zypern-Engagement hängt er einen Tauchurlaub an. „Da lernte ich ein Mädel kennen.“ Ein halbes Jahr später zieht er mit der Schottin in ihre Heimat. In Schottland arbeitet er als Koch und Türsteher. Nach vier Jahren zerbricht die Beziehung. Weil er in Schottland nicht gut verdient hat und Eugen seine Kassa wieder auffüllen möchte, meldet er sich wieder für einen einjährigen Auslandseinsatz an: Es geht erneut auf die Golanhöhen. Als Soldat verdient er pro Monat 4000 Euro netto. Dieses Mal kommt er ins Hauptquartier. Dort kocht er für mehrere Nationen und sieht, wie verschieden die einzelnen Nationalitäten sind. „Die Polen waren immer die ersten, die zum Essen kamen“, plaudert Eugen aus dem Nähkästchen, „die Kanadier waren glücklich, wenn es Kartoffeln und Brat­sauce gab. Die Japaner waren experimentierfreudig und mit allem zufrieden. Und die Österreicher waren meistens am Motzen.“ Vom Golan geht es weiter nach Kairo. Dort arbeitet er ein halbes Jahr als Bodyguard für den Bruder des Königs von Arabien. Der gut dotierte Job gefällt ihm nicht. „Die Familie wohnte in einem Hotel. Ich kam mir vor wie ein Gefängniswärter in einem Gefängnis.“ Der Dienst ödet ihn an, der Dienstgeber behandelt ihn herablassend, und die Stadt und deren Einwohner findet er grässlich. Deshalb kehrt er 1997 wieder ins Ländle zurück und heuert in einem Gasthaus an. Neben dem Job macht er die Ausbildung zum Unteroffizier, „weil das die Voraussetzung ist, um Küchenchef sein zu können“. 2003 zieht es ihn wieder fort. Gemeinsam mit einem Soldatenkollegen aus Hard geht er in den Kosovo, um einen Beitrag zur Stabilisierung des Landes zu leisten. Das Land reizt ihn, weil er es nicht kennt. Außerdem wartet dort wieder eine neue berufliche Herausforderung auf ihn. Mit sieben weiteren Köchen kocht er im Camp Casablanca für mehr als 800 Menschen. Die Arbeit gefällt ihm: „Das Arbeitsklima war hervorragend, die Kameradschaft toll.“ Vom Land sieht er allerdings nicht viel. Er bleibt im Camp, weil die politische Lage im Kosovo noch sehr instabil ist und politische Morde an der Tagesordnung sind. Den gefürchteten Lagerkoller bekommt Eugen nicht. Denn er weiß sich in seiner Freizeit zu beschäftigen, macht Sport und liest viel.

Der Koch des Generals

Der Balkan bleibt für ihn interessant. In der Zeit zwischen 2004 und 2009 geht er insgesamt vier Mal in den Kosovo – für jeweils ein halbes Jahr. Eugen kann sich dort als Koch entfalten und lernt andere Küchen kennen. Er steigt zum Koch des Generals auf. Auch in Bosnien, wo er von 2009 bis 2010 ist, darf er für den General kochen. Der abenteuerlustige Koch schätzt die Heimat, gerade weil er so oft weg ist. „Daheim ist daheim.“ Mehr als zwei Jahre hält er es aber in der Regel nicht aus in Vorarlberg. Dann packen ihn wieder das Fernweh und die Abenteuerlust. Seine Einsätze im Ausland erlebt er als Abenteuer. Denn: „Du weißt nie, was dort passiert.“ Es sind Krisengebiete, in die er geht. Ende Mai kehrt er der Heimat wieder für ein Jahr den Rücken. Der Golan ruft wieder. Als er als junger Mann dort war, war die Lage ruhig und stabil. Heute aber gibt es in der Region Kriegsgeplänkel. Eugen ist sich bewusst, dass er als UN-Soldat zwischen die Fronten geraten könnte, wenn ein Krieg ausbricht. Aber was wäre das Leben ohne einen Nervenkitzel? Der Koch und Unteroffizier freut sich schon auf den neuen Einsatz und auf seine Arbeitskollegen, die er noch von früher kennt. „Vielleicht sehe ich auch den Schafbauer wieder!“

(Quelle: Neue am Sonntag/Martina Kuster)

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