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Knorriger Kämpfer vom See

Fußach - Der Bodensee, die Fische, die Natur. Viel mehr braucht der Fischer Franz Blum nicht zum Leben.

Der zahme Rabe Jakob stolziert munter am Vorplatz herum und japst nach Luft. „Hast Hunger, gell? Ich hol dir was.“ Franz Blum steht auf, holt dem Vogel ein paar Fischreste. Der fängt gierig an zu picken. „ Den haben wir nach einem Sturm gefunden. Er war mit anderen Vögeln aus dem Nest gefallen. Er hat uns erbarmt.“ Der 70-jährige Fußacher Fischer mag Tiere und lebt von ihnen. Seit drei Generationen bestreitet die Familie mit der Fischerei ihren Unterhalt. Jetzt ist es Franz junior, der täglich die so wohlschmeckenden Felchen aus dem See zieht. Der Papa hilft ihm natürlich immer noch – wann immer man ihn braucht. Die Geschichten Franz Blum ist ein knorriger, geradliniger Mann: Klare Grundsätze, trockener Humor, gastfreundlich. Einer, mit dem man gerne zusammensitzt und sich Geschichten von früher erzählen lässt. VomSee, vom Fischen, von der Natur. Mit dem Bodensee verbinden ihn früheste Erinnerungen. „Mein Vater hat mich als kleinen Bub schlafend in der Früh mit ins Boot genommen und mich schlafend am Abend wieder zurückgebracht.“ Er habe das Glück gehabt, in einer wunderschönen Gegend aufzuwachsen. „Früher kannte man ja nur die Heimat. In der Welt herumreisen – das spielte sich nicht.“ Die Welt in Fußach am Ufer des Bodensees war eine wunderbare Welt für den Fischersmann.

Bleibende Eindrücke

„In der Zeit vor dem Bau des Schutzdammes ging das Wasser bis hinter unser Haus. Da hast du im Sommer Millionen Frösche quaken gehört. Ein einzigartiges Konzert.“ Das Leuchten in den Augen verrät, wie sehr Franz Blum diese Eindrücke verinnerlicht hat. „Der See“, erzählt Blum weiter, „war damals noch nicht so stark von Menschen frequentiert. Es musste nicht alles so streng geregelt werden wie heute.“ Jetzt, so ist Blum überzeugt, geht es nicht mehr ohne das Eingreifen des Menschen in die Natur. „Weil die Lebensräume viel stärker eingeschränkt sind. Ein Ungleichgewicht korrigiert sich nicht mehr natürlich.“

Der Kämpfer

Franz Blum hat sich in moderner Zeit vor allem als Kämpfer gegen die Überpopulation des Kormorans einen Namen gemacht. So als ob er kein Herz für Tiere habe. Das Gegenteil ist der Fall. Dem vermeintlich „einzigen natürlichen Feind“ des Kormorans lief selber einmal einer zu. Den päppelte er auf, stopfte für ihn extra einen toten Artgenossen aus, damit das gefiederte Haustier nicht einsam war. Als Jugendlicher nahm sich Franz Blum einmal eines ausgestoßen Fuchses an. Das Tier fühlte sich zum Fischer so hingezogen, dass es gelegentlich sogar in seinem Schlafzimmer übernachtete.

Junior am Werk

Die Berufsfischerei sieht der Veteran derzeit auf einem guten Kurs. „Natürlich sind die Erträge nicht mehr so wie sie zu Zeiten eines weniger reinen Sees waren. Aber es geht.“ Für die Zukunft muss dem 70-Jährigen auch nicht bange sein. Sohn Franz junior ist schon längst in die großen Fußstapfen des Vaters getreten. Das Haus an der Seestraße 8 in Fußach bleibt weiter ein Fischer-Domizil. Und die dort lebenden Bewohner bleiben dem Rhythmus des Sees und der Natur natürlich verpflichtet.

ZUR PERSON

Franz Blum

Geboren: 13. Jänner 1941

Wohnhaft: Fußach

Beruf: Fischer

Familie: verheiratet, vier Kinder

Hobbys: Boxen, Fußball

Lieblingsspeise: Wiener Schnitzel

(VN)

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