Klimawandel in Nord- und Ostsee zu erkennen

Die Folgen des Klimawandels sind nach Angaben des deutschen BSH inzwischen deutlich in Nord- und Ostsee zu erkennen.

So setze sich die seit 1987 dauernde Warmphase in beiden Meeren weiter fort, sagte die neue Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie Monika Breuch-Moritz am Donnerstag in Hamburg. Der seit Jahrhunderten vorherrschende, acht bis zwölf Jahre dauernde Zyklus von Kalt- und Warmphasen sei inzwischen weit überschritten.

Die Oberflächentemperatur in der Nordsee habe ganzjährig um 0,5 Grad über dem langjährigen Mittelwert gelegen, ebenso in der westlichen Ostsee. In tieferen Wasserschichten waren es sogar zwei Grad mehr. “Die veränderten Temperaturbedingungen wirken sich zunehmend auf das Artenspektrum bei Tieren und Pflanzen aus”, heißt es in der Jahresbilanz des BSH. Auch die Eislage des Winters 2007/2008 in der Ostsee passe in das Bild: Es sei der eisärmste Winter seit 1720 gewesen. “Nicht nur die Ausdehnung war ungewöhnlich gering, auch die Eisdicke lag unter den üblichen Werten. Er übertraf damit alle bisherigen milden Winter im Ostseeraum.”

Das BSH koordiniert den deutschen Beitrag des internationalen Forschungsprogramms ARGO, mit dem neue Erkenntnisse über den Klimawandel im Meer gewonnen werden sollen. Das Amt betreut 78 von weltweit mehr als 3.000 sogenannten Tiefendriftern, die Messdaten liefern. Auch im Nordatlantik bestätigten sich die Beobachtungen aus Nord- und Ostsee: In den oberen 500 Metern habe sich die Temperatur seit 1998 um 0,5 Prozent erhöht.

Bei elf Überwachungsfahrten konnten die Mitarbeiter des BSH 2008 die Wasserqualität von Nord- und Ostsee überwachen und dabei eine Verbesserung der ökologischen Situation im Vergleich zum Stand von vor 20 Jahren feststellen. Einige Schadstoffe in der Nordsee, darunter pharmazeutische Wirkstoffe und phosphorhaltige Flammschutzmittel seien jedoch neu hinzugekommen. Für die Ostsee ist es nach BSH-Angaben ein Problem, dass es seit 2003 keinen großen Salzwassereinbruch aus der Nordsee mehr gegeben hat. So fehle frisches, sauerstoffreiches Wasser besonders in den tieferen Zonen der Ostsee.

Bei ihren Auswertungen stellten die Wissenschafter noch immer hohe Werte des radioaktiven Caesium-137 fest, das aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl stammt. Einer Studie zufolge soll die ursprüngliche Konzentration erst zwischen 2020 und 2030 wieder erreicht sein.

Breuch-Moritz wies auf die Bedeutung des Umweltschutzes auf See auch für die maritime Wirtschaft hin. Deutsche Unternehmen hätten die Chance, sich international zu positionieren. “Meeresumweltschutz ist eine konjunkturpolitische Chance für die maritime Wirtschaft”, sagte die Präsidentin, die das BSH seit Oktober 2008 leitet. Als positives Beispiel nannte sie eine in Deutschland entwickelte Anlage zur Behandlung von Ballastwasser. Diese habe als weltweit erste Anlage die Typengenehmigung erhalten. Künftig muss das Ballastwasser von Schiffen so behandelt werden, dass keine fremden Arten eingeschleppt werden können.

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