Klimawandel im Bewusstsein der Österreicher noch nicht verankert

"Tut mir leid für den Eisbären, aber was hat das mit mir zu tun...?"

Solche und ähnlich bedenkliche Antworten erhielten Meinungsforscher, die im Auftrag des Klima- und Energiefonds 30 Personen im Rahmen von mindestens einstündigen Tiefeninterviews zum Thema “Umweltgerechtes Verhalten” befragten. Fazit von Studienleiterin Sophie Karmasin: Der Klimawandel ist im Bewusstsein der Österreicher noch nicht verankert. Es sei noch viel an Überzeugungsarbeit zu leisten – sowohl von Politikern als auch von PR-Strategen.

Die “rationale Reaktion” ist offenbar hierzulande immer noch viel stärker ausgeprägt als die “emotionale Betroffenheit”. Soll heißen: Die meisten wissen über die Auswirkungen des Klimawandels – Gletscherschmelze, Anstieg des Meeresspiegels – ganz gut Bescheid, weit entfernte Länder gelten als “Klimasündenböcke”. Umso verblüffender ist die Tatsache, dass viele Österreicher diese Fakten in ihrem persönlichen Lebensbereich ausblenden, die Bedrohung einfach nicht wahrnehmen. Steigende Durchschnittstemperaturen werden sogar als angenehm empfunden, “toskanische Verhältnisse” in Österreich regelrecht begrüßt.

Hauptursache ist laut Karmasin das Gefühl, als Einzelner kein Verursacher zu sein bzw. als solcher auch nichts aktiv gegen den Klimawandel tun zu können. Alltägliche Verhaltensweisen wie Heizung zurück-, Licht in unbenützten Räumen abzudrehen oder die Restwärme der Herdplatte zu nützen seien mehr auf den bürgerlichen Spargedanken zurückzuführen, so die Meinungsforscherin am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs in Wien.

Die kontroversielle Diskussion in den Medien trage überdies dazu bei, dass die Menschen den Klimawandel als übertriebene Panikmache abtäten. Gerade in Zeiten von Minusgraden, Schneechaos und zugefrorenen Flüssen scheint es besonders schwierig, jemanden für “Energieeffizienz” zu motivieren. Ein zusätzlicher Hemmschuh sei der Verzicht – zum Beispiel auf Mobilität. 20.000 Euro für ein Auto werden immer noch wesentlich lieber ausgegeben als etwa für eine Photovoltaik-Anlage.

Karmasin präsentierte Lösungsansätze, die vor allem an jene adressiert sind, die für Kommunikation zuständig sind: Anreize schaffen über Förderungen wäre zum Beispiel ein Vorschlag. Der Appell an Solidarität und Verantwortung sei nur bedingt brauchbar, Kostenvorteile würden viel größere Motivationsschübe auslösen. Dazu müsse aber der Zugang zu ebendiesen Förderungen wesentlich erleichtert werden, diesbezüglich herrsche noch “großer Nachholbedarf”, kritisierte die Meinungsforscherin.

Vereinfachte Kommunikation: Jeder Mensch müsse sich bewusst sein, dass er als Einzelperson etwas bewirken könne. Dazu bedürfe es einfacherer Botschaften. Karmasin: “Die Leute wollen nicht wissen, wie viel CO2 sie eingespart haben, sondern was das für Konsequenzen hat.” Und nicht zuletzt ginge es um die Vermittlung von Glaubwürdigkeit: “Der Klimawandel ist eine ernstzunehmende Krisensituation – er ist nicht zu diskutieren.”

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