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Klimawandel Chance für Tourismus

Der Klimawandel birgt nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen für den heimischen Tourismus. Mit angewandter Klimafolgenforschung könnten geänderte Angebote erstellt werden.

Das schlugen Tourismus- und Klimaexperten am Montag im Rahmen der Tourismus- und Gastronomiefachmesse GAST in Klagenfurt vor.

Das Joanneum Research Graz, das Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz sowie der Klagenfurter Tourismusberater Klaus Schenn haben sich des Themas gemeinsam angenommen und mögliche Szenarien für die Zeiten der globalen Erwärmung erstellt. Die Wissenschaftler können jetzt schon sagen, dass der klassische Wintertourismus in der derzeitigen Form im Alpenraum stark reduziert sein wird, aber auch der Sommer soll – global gesehen – nicht ohne Veränderungen auskommen.

„Alle gängigen Klimamodelle gehen von einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2050 aus, für den Alpenraum werden sogar vier Grad mehr prognostiziert“, sagte Karl Steininger vom Klimaforschungsinstitut Wegener. Für Österreich würde das bedeuten, dass zu diesem Zeitpunkt lediglich 22 Prozent der aktuellen Skigebiete betriebswirtschaftlich geführt werden könnten.

Nicht gegen die Natur

Das hieße aber noch lange nicht das Aus für den Tourismus in den österreichischen Alpen. Die Zukunft liegt jedoch nicht in noch mehr Schneekanonen oder gar Indoor-Skihängen. „Nicht gegen die Natur, sondern mit den geänderten Gegebenheiten des Naturraums“, sagte Tourismusberater Schenn. So könne der Tourismus im Frühjahr und Herbst stärker ausgebaut werden, Aufstiegshilfen würden in Zukunft Wanderer befördern und damit die notwendige Auslastung erzielen.

„Das Comeback der Sommerfrische ist ebenso zu beobachten wie die Winterfrische in Istrien oder Portoroz in Slowenien“, präzisierte Schenn. Die globale Erwärmung würde auch die Mittelmeergebiete betreffen, heute beliebte Destinationen auf eine für viele unerträgliche Temperatur erwärmen und die Algenplage ansteigen lassen. Daher würden Urlauber in Zukunft im Sommer vermehrt in den kühleren Alpenregionen Zuflucht suchen, glaubt er.

Auch die knapper werdenden Ressourcen bei fossilen Brennstoffen könnten die Entwicklung des Tourismus im Alpenraum begünstigen. 2010 werde die Nachfrage nach Erdöl erstmals höher sein als das Angebot. Ein Preisanstieg bei Treibstoffen werde die Folge sein und die Attraktivität naher Feriengebiete erhöhen, meinte Steininger.

Um das Verhalten der Gäste von morgen genauer voraussagen zu können, sollten die vorhandenen Daten der „Kärnten Card“ ausgewertet werden, schlägt Schenn vor. So könne genau festgestellt werden, wie viele Besucher an welchem Tag bei welcher Temperatur, Bewölkungsdichte oder Niederschlagsmenge welche Ausflugsziele aufgesucht hätten. „So könnte man exakte Prognosen stellen“, meint Schenn. Auf Basis solcher Daten könnten die einzelnen Tourismusregionen konkrete Maßnahmen für einen Umstieg auf ein dem Klimawandel angepasstes Angebot entwickeln. Denn eines scheint sicher: „Tourismus ist ein noch immer ein wachsender Markt“, versichert Schenn.

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