Klassische Medien überleben Internet-Ära

Keines der Medien wird im Sog des World Wide Web verschwinden und das Fernsehen bleibt wohl auch in Zukunft ein bedeutendes, vielleicht sogar das führende Medium.

Zu diesem Schluss kamen Experten bei einer Veranstaltung im Rahmen der Konferenz „Internet Summit“, die am Mittwochnachmittag in Wien zu Ende gegangen ist. Die einzelnen Marken müssten alle Plattformen betreten und ihre Inhalte mit „medienspezifischer Intensität“ den Konsumenten zu vermitteln versuchen, meinte etwa der frühere RTL-Chefredakteur und heutige Medienmanager Hans Mahr. Die Kompetenz der Fernsehsender würde auch im Internet-Zeitalter erhalten bleiben, so Mahr. Am Beispiel des Online-Buchhändlers Amazon habe sich gezeigt, dass auch Unternehmen aus einem sogenannten „Altgeschäft“, sofern sie rechtzeitig investieren, im Internetgeschäft erfolgreich sein könnten.

Auch Max Schmiegelow, Geschäftsführer des Online-Videoportals sevenload, vertrat beim „Internet Summit“ die Ansicht, dass jedes Medium seine spezifische Berechtigung habe. Allerdings müsse man lernen, komplementär zu denken, um neue Medientypen und -formate zu schaffen. Um weiterhin im Internet reüssieren zu können, sei es notwendig, die Nutzerorientierung in den Vordergrund zu stellen. Zentral sind für ihn im Zeitalter des Web 2.0 fünf Punkte: „Relevanz statt Preiskampf“, „Content statt Tools“, „Vielfalt von Themen statt Massenware“, „Interaktivität und Dialog statt Broadcast“ und „interessengesteuerte Werbung statt aufdrängender Werbeformate“.

Im Internet gehe es nicht nur um Unterhaltung, sondern zunehmend um soziale Produktivität, zeigte sich Marc Miletich von Sonovista, das sich auf Systeme zur Verknüpfung von „user-generated-content“ mit Internet- und Kommunikationstechnologien (IKT) spezialisiert hat, überzeugt. Neben der Selbstdarstellung nehme auch die Selbstbestimmung der Rezipienten zu. Er sieht „Content als soziale Währung“, die zu jedem Zeitpunkt für soziale Aktivitäten abrufbar sein müsse.

Herbert Mittermayer, Vizepräsident Marketing bei Alcatel-Lucent, sieht momentan einen Trend in der Vermischung einzelner Businessmodelle – der Bereiche „Broadcast“ (Verteilung von Bildern), Telefonie (Verbindung von Menschen) und dem Internet – durch das Internetprotokoll (IP). In Zukunft werde die Differenzierung durch die Wahl technischer Geräte, der Vermischung der Netzwerke („IP-isierung“), die spezifische Ansprache der Zielgruppen in allen Segmenten und „user-generated-content“ weiter zunehmen. Das klassische Fernsehen bleibe weiterhin ein wichtiges Geschäft, die Medien müssten aber in der Lage sein, „im Kontext der Benützung der primären Services“ noch mehr zusätzliche Dienste anzubieten, so Mittermayr.

Jedes Medium habe seine eigene Qualität und funktioniere nur gemeinsam mit anderen, erklärte Medienmanager Mahr. Daher lautete auch sein Schluss-Appell an die Branche: „Fürchtet Euch nicht, man muss sich nur rechtzeitig an den neuen Medien orientieren.“

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