Kinderbeistand fehlt in Vorarlberg

Feldkirch –  In einer von zwei alljährlichen Tagungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft wurde am 23. Und 24. März 2011 neben den Themen Obhutspflicht und Gewalt gegen Kinder auch das Thema Kinderbeistand besprochen. VOL Live sprach mit Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch.
Vorarlberg braucht Kinderbeistände
Schmid für Beibehaltung des Vorarlberger Weges

Bereits seit einem dreiviertel Jahr können Kinder in Österreich bei Scheidungs- oder Besuchsrechtfragen einen sogenannten Kinderbeistand für sich in Anspruch nehmen. Jedoch hinkt hier Vorarlberg hier hinterher, wie Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch im VOL Live Interview berichtet: „Man hat leider die guten Erfahrungen der Pilotphase nicht genutzt.“ Derzeit gibt es in Vorarlberg keinen Kinderbeistand, obwohl ein Projekt im Jahr 2006 bis 2008 ins Leben gerufen wurde.

Die “Mangelware” Kinderbeistand

Trotz der guten Erfahrungen müssen Vorarlberger Kinder aufgrund fehlender Kinderbeistände derzeit auf einen Beistand in Tirol zurückgreifen, was laut dem Kinder- und Jugendanwalt an einer fehlenden organisatorischen Anbindung liegt: „Die Rahmenbedingungen, finanziell und sozialversicherungstechnisch, sind unattraktiv und auch dass das Ganze über die Justizbetreuungsagentur in Wien abläuft, erschwert die Situation immens.“ Kinderbeistände sind per Werksvertrag als Freiberufler angestellt und sind daher in keiner Sozialeinrichtung erfasst.

Kritisch sieht Rauch auch, dass die Schulungen und Weiterbildungen derzeit immer noch von den Kinderbeiständen selbst getragen werden müssen. Laut dem Kinder- und Jugendanwalt würden in Vorarlberg 8 bis 10 Kinderbeistände dringend benötigt.

Obhutspflicht – eine Debatte für sich

Ein weiteres Thema der Frühlingstagung der Kinder- und Jugendanwaltschaft war die momentane Gesetzeslage bei der Obsorge: „Derzeit wird zwischen Männern und Frauen stark über die Automatik der gemeinsamen Obsorge polarisiert – dabei ist es Kindern egal wie die Gesetzeslage steht, wenn die Eltern kooperieren, sich halbwegs vertragen und ihren Pflichten nachkommen. Wir fordern, dass sich Eltern an Beratungsstellen wenden und nicht an Gerichte und dass diese Beratungsstellen auch etabliert werden.“

Immer noch Gewalt gegen Kinder im Alltag

Nicht zuletzt seit dem Fall Cain ist klar, dass zwar die gesetzliche Lage von Gewaltverboten gegen Kinder im Europavergleich gut ist, jedoch mangelt es noch immer an der Umsetzung im Alltag: „Wir versuchen die Vorstellung der ‚gesunden Watsche‘ endlich als Erziehungsmaßnahme aus den Köpfen der Menschen zu bekommen.“ Bezüglich potenzieller Unterbesetzungen in Bereichen, wo es um den direkten Schutz von Kindern körperlicher Gewalt geht, gilt es laut Rauch diese Einrichtungen durch Standarts und Personal zu stärken. (VOL Live/Nina Bühler)

Interview mit Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch

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