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Kiesabbau im Sauwinkel schlägt weiter hohe Wellen

Patrik Nickel will plant ein ambitioniertes Kiesabbau-Projekt im Altacher Sauwinkel. Die Gemeinde Götzis und Bürgermeister Christian Loacker prüfen nun die Situation.
Patrik Nickel will plant ein ambitioniertes Kiesabbau-Projekt im Altacher Sauwinkel. Die Gemeinde Götzis und Bürgermeister Christian Loacker prüfen nun die Situation.
Mit einem ambitionierten Projekt bestehend aus unterirdischem Förderband, begrünter Halle und Solarlösung sorgt der Götzner Patrik Nickel für Schlagzeilen. Gemeinde reagiert und will genau prüfen.
WKV kritisiert Kies-Aus in Altach

Der Sauwinkel in Altach ist ein begehrtes Stück Land und befindet sich im Besitz der Marktgemeinde Götzis. Spätestens seit dem Grundsatzbeschluss, dass an besagter Stelle bald Kies abgebaut werden könne, wurde der Sauwinkel für heimische Unternehmer umso interessanter. Konkret handelt es sich um die Firma Kopf Kies aus Altach und die Nickel Holding aus Götzis.

Patrik Nickel befürchtet, dass man seine, seiner Meinung nach wesentlich umweltschonendere und ökologischere Variante, von vornherein ungleich behandle. Was wiederum für Kritik bei der Gemeinde Götzis sorgt. So würde bereits der Bau der von Nickel als begrünte "Öko-Halle" bezeichneten Halle zur Kiesaufbereitung einen rund zwei Hektar großen Einschnitt in die Landesgrünzone bedeuten. Was aufgrund des Mineral-Rohstoffgesetzes keiner Umwidmung bedürfe und dadurch auch keinerlei weiteren Kompensationsmaßnahmen. Rechtlich wäre dies aber einwandfrei.

Patrik Nickel: "Ablehnende Haltung für uns nicht nachvollziehbar"

Im umfangreichen VOL.AT-Interview gewährt Projektsteller Patrik Nickel Einblick in sein ambitioniertes Projekt.

VOL.AT: Welche entscheidenden Vorteile würde ihr Projekt offerieren?

Patrik Nickel: Das beliebte Naherholungsgebiet bleibt über viele Jahre erhalten. Im Naherholungsgebiet entfallen bis zu 480.000 Einzelfahrten von LKW.

  • Die Ökologie würde wesentlich geschont – auf der Wasseroberfläche sollte eine schwimmende PV-Anlage den Grundwasserkörper vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und die Erwärmung und somit die Gefahr des „Kippens“ reduzieren. Durch die Verdunstung des kühleren Grundwassers werden die PV-Elemente „gekühlt“ und die Effizienz zudem gesteigert. Der produzierte Strom wird für das Förderband und die Kiesaufbereitung in der Öko-Halle verwendet und der Rest eingespeist.
  • Die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen werden nicht durch Staubaustrag belastet – somit entsteht keine Futtermittelverunreinigung auf den verbleibenden Flächen und ein weiterhin gleichbleibender Futtermittelertrag.
  • Durch die massive Reduktion des CO2-Ausstoßes findet ein aktiver, gemeindeübergreifender Beitrag zum Klimaschutz statt.
  • Während zwischen der Gemeinde Altach und der Gemeinde Götzis die Roherträge aus der Gewinnung von Kies und der Auffüllung geteilt werden (zuletzt in den Medien kolportiert 50/50 von ca. 30 Mio. Euro), so verbleiben bei unserer Variante die Erlöse ausschließlich bei der Marktgemeinde Götzis – ein Mehrertrag von ca. 15 Mio. Euro.
  • Zur Verkehrsanbindung sind nur 250 Meter Straße zu errichten, um an das öffentliche Straßennetz im bestehenden Industriegebiet anzuknüpfen. Die Variante der Gemeinde Altach erfordert eine rund drei Kilometer lange Anbindung durch die Landesgrünzone. Die kürzestmögliche Anbindung von Rohstoffgewinnungsstätten an das höherrangige Straßennetz ist zudem im raumplanerischen Interesse des Landes verankert.

Das Projekt bietet daher einen großen Mehrwert für die gesamte Region in vielerlei Belangen.

VOL.AT: Wieso vermuten Sie eine ablehnende Haltung vonseiten des Götzner Bürgermeisters?

Patrik Nickel: Bürgermeister Loacker weiß seit vielen Jahren von unserem Interesse an gegenständlichem Kiesabbau. Die ablehnende Haltung seitens des Bürgermeisters und der Umstand, dass die Gemeindevertretung erst im Herbst 2020 vom Bürgermeister über unser Projekt informiert wurde, ist für uns leider nicht nachvollziehbar und auch nicht verständlich. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Gemeindevertretung in einer nicht öffentlichen Sitzung (11/2019) längst den Grundsatzbeschluss gefällt, den Kiesabbau mit der Gemeinde Altach umzusetzen. Dieser Grundsatzbeschluss wurde nun in der letzten öffentlichen Gemeindevertretungssitzung wieder aufgehoben, nachdem sich die Gemeindevertretung mehrheitlich dafür eingesetzt hat. Dies ermöglicht nun ein faires Verfahren und einen sachlichen Vergleich der vorliegenden Projekte.

Ebenso wollte ich auch Bürgermeister Giesinger aus Altach über eine weitreichendere Variante informieren, welche die Naherholung am alten Rhein wesentlich verbessert, die Verkehrsproblematik im Naherholungsgebiet vollständig löst und zudem auch das Unternehmen Kopf mit berücksichtigen würde. Leider war Bürgermeister Giesinger und auch Franz Kopf trotz mehrfacher Kontaktaufnahme unsererseits bislang zu keinem persönlichen Gespräch bereit. Dies finde ich sehr schade, denn Naherholungsgebiete werden zunehmend von größter Bedeutung und könnten mit unseren Überlegungen über Jahrzehnte erhalten

VOL.AT: Haben Sie versucht, der Gemeinde Ihr Projekt vorzustellen?

Patrik Nickel: Selbstverständlich. Die Vorarbeiten für ein solches Projekt sind sehr umfangreich, zeitintensiv und begleiten uns schon mehrere Jahre. Nachdem seit Ende 2018 auch Nassbaggerungen vonseiten des Landes wieder „offiziell“ geprüft werden, haben wir seit Ende 2018 neuerlich den Kontakt mit dem Bürgermeister gesucht. Ein persönlicher Termin, um unser Projekt vorstellen zu können, wurde seit Ende 2018 mehrmals urgiert. Erst im März 2020 folgte dann eine Einladung. Aufgrund der damals verschobenen Gemeindewahlen auf den Herbst 2020 hat der Bürgermeister jedoch gebeten, das Thema auf politischer Ebene nicht dem Wahlkampf zu opfern. Er würde mir aber einen umgehenden Präsentationstermin nach den Wahlen in der Arbeitsgruppe Kies zusichern. Der Präsentationstermin fand daher erst im Dezember 2020 statt.

VOL.AT: Inwiefern würde der geplante Bau Ihrer Halle einen Einschnitt in die Landesgrünzone bedeuten?

Patrik Nickel: Es handelt sich bei der Öko-Aufbereitungshalle um eine Aufbereitung von grundeigenen mineralischen Rohstoffen, welche dem MinRoG (Mineral Rohstoffgesetz) unterliegen. Das Bauwerk erfüllt den Zweck, das abgebaute Kies aufzubereiten und eine Rückverfüllung des Baggersees mittels Förderband zu gewährleisten. Es wird dazu auch keine nicht betriebsnotwendige Infrastruktur erstellt und es benötigt keine Umwidmung und Entnahme aus der Landesgrünzone.

Wichtig: Durch die Öko-Halle beansprucht der Abbau und die Wiederverfüllung mit Förderbändern wesentlich weniger Manipulationsflächen (Zu- und Abfahrten, Ablade- und Verladestellen), womit sogar ein geringerer Flächenverbrauch trotz Halle entsteht. Zudem wird die Halle begrünt, um Lebensraum für Kleinstlebewesen zur Verfügung zu stellen. Somit ist nicht nur der Flächenverbrauch geringer, sondern es können zusätzlich neue Grünflächen geschaffen werden.

Wir sind daher der vollen Überzeugung, dass alle ökologischen Optimierungen dazu führen, dass unser Projekt klimafreundlich und in Sachen Naherholung einen Mehrwert für die gesamte Region bietet.

Das gesamte Projekt der Gemeinde Altach, die Betriebsanlage der Firma Kopf und auch mögliche Straßen oder Autobahnanschlüsse liegen ebenso in der Landesgrünzone. Zudem ist die Betriebsanlage der Firma Kopf im Biotopinventar des Landes als Biotop geführt. Der neue Abbau der Gemeinde Altach würde somit am Naherholungsbereich Alten Rhein eine zweieinhalbfache Belastung an Verkehr, Lärm und Staub wie bislang gewohnt bedeuten. Ebenso verhält es sich mit den Zu- und Abfahrten in Altach. Weiter müsste auch die Firma Kopf für den Fall eines Zuschlages ein neues Kieswerk bauen, da das bisherige Kieswerk stark veraltet ist. Einziger Unterschied – unser Kieswerk in einer Halle führt zu keinen Emissionen nach außen.

VOL.AT: Wie viel Investitionskapital müsste in die Hand genommen werden?

Patrik Nickel: Die Investitionen für dieses ökologische und nachhaltige Projekt liegen im zweistelligen Millionenbereich.

Christian Loacker, Bürgermeister Götzis ©Jens Ellensohn

Reaktion aus Götzis: "Beide Projekte werden detailliert geprüft"

Auf VOL.AT-Anfrage äußert sich der Götzner Bürgermeister Christian Loacker wie folgt:

"In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde ein Zurück zur Sachlichkeit vereinbart. Bei beiden Projekten sind noch diverse Fragen offen. Diese Fragen werden nun ausgearbeitet und den beiden Projektinteressenten, der Gemeinde Altach und der RERO-PRO Holding übermittelt. Ziel ist es anhand von Fakten eine Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten. Die Marktgemeinde Götzis wird dann sowohl auf die Gemeinde Altach als auch auf das Unternehmen RERO-PRO Holding zugehen.

Der Marktgemeinde ist es wichtig eigene Kriterien für die Entscheidung zu erarbeiten. Die Regierungspartner werden sich hierüber eng abstimmen.

Festgehalten wird, dass das Projekt der Firmengruppe Nickel der Gemeinde erst seit einer Präsentation Ende 2020 bekannt ist. Im Februar 2020 wurde in einer Gemeindevertretungssitzung erstmals – ohne Erwähnung eines Unternehmens – über ein Alternativprojekt gesprochen. Dem damaligen Protokoll ist zu entnehmen, dass das Angebot damals noch nicht präsentierbar war. Im Anschluss wurde das Interesse der Firmengruppe Nickel bekannt und ein Präsentationstermin nach der Konstituierung der neuen Gemeindevertretung vereinbart, der pandemiebedingt erst Ende des Jahres 2020 im Rahmen der Arbeitsgruppe Kies – der alle Fraktionen angehören – stattfand.

Die Marktgemeinde Götzis legt Wert darauf mit den potenziellen Partnern direkt und nicht über die Medien zu kommunizieren."

(VOL.AT)

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