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Kein Interesse für Arztstellen

Dr. Michael Jonas
Dr. Michael Jonas ©roland paulitsch
Dornbirn (VN) Ab Herbst werden die Gemeinde Lingenau und ihre rund 1400 Einwohner ohne Allgemeinmediziner dastehen. Trotz zweimaliger Ausschreibung hat sich kein Interessent für die freiwerdende Stelle gefunden. Ebenso erfolglos verlief bislang die Suche nach einem Lungenfacharzt für den Bezirk Bludenz.

Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Michael Jonas, macht für diese aus seiner Sicht bedrohliche Entwicklung das geänderte Apothekengesetz und die unerledigte Gesundheitsreform verantwortlich.

Weitere Patientenwege

Zu Lingenau: Mit der Pensionierung von Dr. Hannes Stecher wird auch die von ihm betriebene Hausapotheke geschlossen. Ein Nachfolger müsste ohne dieses zweite Standbein auskommen. Denn vor Jahren wurde der im Apothekengesetz festgelegte Mindestabstand zur nächsten Apotheke von sechs auf vier Kilometer reduziert.

Das heißt, ein Arzt in Lingen­au darf keine Hausapotheke mehr führen, weil es in Egg bereits eine Apotheke gibt. „Die hätte dann zwar etwas mehr Umsatz, aber Lingenau keinen Arzt mehr“, formuliert Jonas die Ausgangslage sarkastisch. Ohne Hausapotheke sei eine ländliche Praxis aber nie und nimmer wirtschaftlich zu führen. Eine Schließung der Lingenauer Praxis bedeute für die umliegenden Ärzte zudem eine Mehrbelastung und für die Patienten weitere Wege.

Zudem benötigt ein Mediziner in solchen Gebieten laut Jonas mehr Geräte. Doch die zwar noch nicht beschlossene Gesundheitsreform hat den Investitionswillen offenbar gebremst. „Es ist immer noch möglich, dass diese befristeten Verträge kommen. Wir wissen ja nicht, was uns die nächste Regierung bringt“, so Jonas.

Im Fall des für den Bezirk Bludenz benötigten Lungenfacharztes konnte die Ausschreibung erst verzögert erfolgen, weil die Zustimmung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger auf sich warten ließ. Mittlerweile ist aber auch diese Bewerbungsfrist ohne Ergebnis abgelaufen. Den Kurienobmann wundert das nicht. Zum einen gebe es nicht sehr viele Lungenfachärzte. Zum anderen handle es sich um ein sehr investitionsträchtiges Fach.

Und in Zeiten wie diesen riskiere kein Arzt viel Geld. „Ohne Klarheit wird sich niemand mehr um eine freie Arztstelle bewerben“, sieht Michael Jonas schon Zustände wie in Deutschland heraufdämmern, wo allein im niedergelassenen Bereich 2000 Mediziner fehlen.

Appell an die Politik

Auch in Vorarlberg ist die Bereitschaft von Turnusärzten, in eine Praxis zu gehen, unter 10 Prozent gesunken. „Berücksichtigt man noch, dass in den nächsten Jahren ein Drittel der Allgemeinmediziner in Pension geht, müssen wir mit einem Versorgungsproblem rechnen“, verdeutlicht Jonas.

Noch will man aber nicht aufgeben. Die beiden Stellen sollen noch einmal österreichweit ausgeschrieben werden. Gleichzeitig geht ein „Appell an die Politik, das Apothekengesetz noch einmal zu überdenken“.

Marlies Mohr

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