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Kaum Hilfe für Kinder aus Suchtfamilien

Kinder von Süchtigen leiden nicht nur, sie sind auch anfälliger für Süchte.
Kinder von Süchtigen leiden nicht nur, sie sind auch anfälliger für Süchte. ©VOL.at/ Hartinger
Frastanz (VN-mm) - Die Zahlen sind alarmierend: Jedes zehnte Kind in Vorarlberg hat zumindest einen suchtkranken Elternteil.

Das heißt, etwa 8200 Mädchen und Burschen im Alter zwischen 0 und 18 Jahren sind betroffen. Demgegenüber steht ein Hilfsangebot, das „in Relation dazu bedauerlich gering ist“, wie Andreas Prenn, Leiter der Werkstatt für Suchtprophylaxe (SUPRO) am Freitag beim Symposium der Stiftung Maria Ebene bemängelte. Zudem seien die Angebote teilweise zeitlich befristet, nicht für alle Kinder zugänglich und vorwiegend rein therapeutisch ausgerichtet. „Betreuungen, in denen die Kinder ein Stück weit Normalität erleben können, fehlen“, sagte Prenn. Als wünschenswerte Beispiele nannte er Feriencamps oder adäquate Sportangebote in Vereinen.

Hohes Risiko für Süchte

Denn das Manko einer flächendeckenden Betreuung beschert auch der Prävention ein Dilemma. „Wenn wir unseren Aufgaben nicht nur mit angezogener Handbremse nachkommen, die Öffentlichkeit für die Situation solcher Kinder sensibilisieren und Schulen sowie Kinderbetreuungseinrichtungen als zentrale Lebensräume von Betroffenen für die Früherkennung befähigen wollen, muss das entsprechende Hilfsangebot dringend ausgebaut werden und verlässlich zur Verfügung stehen“, betonte Andreas Prenn. Die Wichtigkeit der vorgenannten Maßnahmen wird durch Studien belegt. Sie zeigen, dass Kinder aus Suchtfamilien ein deutlich erhöhtes Risiko haben, später ebenfalls eine Suchtkrankheit zu entwickeln. „Außerdem leiden diese Kinder besonders häufig unter sozialen, psychischen und körperlichen Belastungen, da sie innerhalb des Familienverbandes Aufgaben übernehmen, die in keiner Weise ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechen“, ergänzt der Suchtexperte.

In der Ausbildung verankern

Neben einer generellen Verbesserung der Situation der Kinder und ihrer Familien forderte Prenn eine Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den Hilfesystemen. Und: „Das Wissen über die Entstehung und Auswirkungen von Sucht­erkrankungen muss in die Ausbildung pädagogischer, psychologischer und medizinischer Berufsgruppen verankert sein.“ Zum Zwecke eines breiteren Erfahrungsaustausches in dieser Sache hat sich die SUPRO dem Netzwerk „ENCARE“ angeschlossen. Derzeit sind dort Institutionen aus 23 europäischen Ländern vertreten. Die Vereinigung will den Austausch und die Weitergabe von Fachwissen zwischen Experten ermöglichen.

Schwierige Unterstützung

Eines der wenigen Hilfsangebote für Kinder aus Suchtfamilien ist das Projekt „Kasulino“ des Vorarlberger Kinderdorfes. Obwohl es bereits seit sechs Jahren besteht, ist es laut Projektleiter Harald Anderle nach wie vor schwierig, die Kinder zu erreichen. Grund: Zuerst müssen sich die Eltern ihrer Sucht bewusst werden, erst dann sind sie bereit, ihren Kindern Unterstützung zuzugestehen.

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