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"Katastrophe war für uns nicht abschätzbar!"

Vier Tage nach der großen Flut stellt sich die Frage, ob Teile der gravierenden Hochwasserschäden zu verhindern gewesen wären. Die NEUE sprach mit den zuständigen Behörden.

„Unsere erste Warnung wurde bereits am Samstag Früh nach Bregenz geschickt“, versichert Manfred Bauer von der Zentralanstalt für Meteorologe und Geodynamik Innsbruck (ZAMG).

Die „Wetterfrösche“ in Tirol wären zu diesem Zeitpunkt mit drei möglichen Modellen konfrontiert gewesen – „einem, das 60 bis 70 Liter, einem, das 100 und einem, das 120 bis 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter prognostizierte.“ Diese möglichen Varianten habe man allen zuständigen Stellen in Tirol und Vorarlberg schon am 22. August gefaxt, so Manfred Bauer. Am Sonntag hätte man von Innsbruck aus die Vorwarnungen verstärkt, Montagmorgens sogar die rote und somit höchste Warnstufe öffentlich gemacht.

„Am selben Tag bekam ich mehrere Anrufe von Tiroler Stellen, die um eine genauere Interpretation der drei Modelle baten“, erzählt der Meteorologe – nicht ohne auf die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit seinen Landsleuten hinzuweisen. „In einem persönlichen Gespräch ist es vielleicht einfacher, die Gefährlichkeit der Situation herauszuarbeiten“, schätzt Bauer. Tatsache sei jedoch, dass im fraglichen Zeitraum keinerlei Anrufe aus Bregenz in der ZAMG eingingen.

Dieses Missverständnis möchte Hubert Vetter, der Leiter von Vorarlbergs Landeswarnzentrale, schnellstmöglich aus der Welt geräumt wissen:

„Als sich die Lage zuspitzte und wir dringend eine mittelfristige Prognose benötigten, habe ich sehr wohl versucht, Innsbruck zu erreichen.“ Zu dieser Stunde – Dienstagfrüh um 2 Uhr – sei die Leitung nach Tirol aber bereits unterbrochen gewesen. „Also habe ich mir die nötigen Informationen aus Wien besorgt“, stellt Vetter gegenüber der NEUE klar.

Der Chef-Warner betont weiters, über ein neues „Wetter-Warn-Tool“ zu verfügen, das ihm die wichtigsten Prognosen aktuell zur Verfügung stelle. „Wir wurden sehr gut mit Daten versorgt.“ Verbesserungspotenzial bestünde höchstens in punkto Deutscher und Schweizer Vorhersagen. „Diese hätte ich das nächste Mal auch gerne am Bildschirm“, erklärt Vetter.

Die Warnungen aus Innsbruck hätten nach eigenen Aussagen auch Thomas Blank erreicht. Der Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft in der Landesregierung zur NEUE: „Das Problem war, dass die Variante mit 60 bis 70 Liter Niederschlag pro Quadratmeter als plausibelstes Modell angeführt wurde. Also haben wir uns lange auf diese Einschätzung verlassen.“

Die Warnstufe „rot“ am Montag hätte man keinesfalls ignoriert. „Wir haben alle Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet, die Mannschaft in Alarmbereitschaft versetzt und permanent die Pegelstände beobachtet.“ Eben jene hätten die Abteilung jedoch in die Irre geführt.

„Bis Montagmittag wies die Ill einen ganz normalen Wasserstand auf“, ist Blank noch immer verblüfft. Binnen weniger Stunden wären die Ereignisse jedoch eskaliert und alle verfügbaren Einsatzkräfte mobilisiert worden. Den Vorwurf, auf die bereits am Samstag erhaltene Warnung der ZAMG erst am Montagnachmittag reagiert zu haben, will der Experte nicht auf sich sitzen lassen. „Wenn das Modell von 60 bis 70 Liter als das wahrscheinlichste gilt – getrauen Sie sich dann am Sonntag oder Montag Früh die Sirenen im Bregenzerwald laufen zu lassen?“ Eine derartige Vorgehensweise könne Glaubwürdigkeitsprobleme heraufbeschwören, wäre angesichts der Zuverlässigkeit von Wetterprognosen nicht empfehlenswert.

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