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Kampf um die Dresdner Semperoper

Das Wasser dringt durch den Boden in die Semperoper ein. Historische Bauten sind in Dresden auch in Zeiten des Hochwassers Ausflugsziel.

„So ein Hochwasser hab ich noch nicht erlebt“, sagt Jörg Engelhard und schiebt den Baum dicken Wasserschlauch beiseite, der aus einem Nebeneingang der Semperoper kommt und in die 100 Meter entfernte Elbe führt. Wenn es um Flutkatastrophen geht, weiß Engelhard, wovon er redet. Er gehört zur Pumpengruppe beim Technischen Hilfswerk (THW) im Ortverband Lohr bei Aschaffenburg. Wenn in Deutschland irgendwo die Fluten kommen, klingelt bei Engelhard der Alarm. Jetzt ist er in Dresden und mit seinen Kollegen für die Rettung des weltbekannten Musikhauses zuständig.

In dem historischen Bau an der Elbe ist die Bühnentechnik vom Wasser schon ruiniert. Noch ist der kunstvolle Zuschauerraum trocken. „Wir wissen nicht, wann wir wieder spielen können, vieles ist kaputt“, klagt Christoph Bauch, der für die Bühnentechnik zuständig ist und in Gummistiefeln die Treppen in den Keller rauf und runter rennt.

Wo sonst die Opernfreunde in schwarzen Anzügen und Abendkleidern flanieren, stiefeln nun die THW-Männer herum und schleppen ihre Schlafsäcke in den ersten Stock. Das Opernrestaurant ist unter Wasser, pralle Schläuche liegen auf dem Boden.

Wie auch in der Semperoper ist im Zwinger nebenan die Gefahr das Wasser von unten, denn die Elbe läuft noch lange nicht von oben in die Gebäude. Stattdessen drängt das Grundwasser durch die Mauern und Fundamente. Die THW-Männer müssen aufpassen beim Pumpen: Wenn sie zu viel Wasser herausnehmen, könnte der Druck von außen die Mauern zerreißen. Pumpen sie zu wenig, steigt das Wasser in bisher unbeschädigte Räume.

Der Platz vor Oper und Zwinger ist trocken, Schaulustige spazieren in kurzen Hosen herum, ein Händler verkauft Wurst vom Grill. Fünf Meter weiter fließt die Elbe braun und gar nicht träge vorbei. Zu hunderten sind Dresdner und Touristen an die Brühlschen Terrassen gekommen. Die Flut wird gefilmt, fotografiert, über das Handy in alle Winde weitererzählt. „Ich wohne in Dresden weit weg von der Elbe und wollte mir das nur mal ansehen“, sagte Helmut Lesche, der am Geländer der Terrassen auf das Wasser schaut. Und im Cafe Brühlscher Garten, gleich neben den Fluten, servieren die Kellner ungerührt das Tagesgericht: Frische Steinpilze an schwarzen Nudeln.

So etwas Feines gibt es für die Männer vom THW Lohr vor der Semperoper nicht zu essen. Dafür haben die Helfer um Jörg Engelhard eine größere Freude. Sein Kollege Steffen Schillinger: „So ein großartiges Gebäude zu retten, das ist schon was Besonderes.“

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