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Kaleidoskop der Zwischenkriegszeit

Bregenz - 2008 stehen die Bregenzer Festspiele im Namen Ernst Kreneks. Nach der Opernpremiere Karl V. feierte nun auch Kreneks düster-hellsichtige Musik-Satire Kehraus um St. Stephan am Mittwoch im Kornmarkttheater Premiere.

Krenek hat die treffsichere “Satire mit Musik” auf den Zusammenbruch der Donaumonarchie, die wilden 20er Jahre, menschliche Sehnsüchte nach Glück, Ruhm und Reichtum, private, geschäftliche oder publizistische Gemeinheiten, Monarchie-Reminiszenzen oder die Anschluss-Sehnsüchte vieler Österreicher im Jahr 1930 wie eine Prophetie für “Hitlers Fahrplan” getextet und komponiert. Die Musik ist eine komplexe Mixtur von Wiener Walzer bis Jazz. Für einen durchschlagenden Erfolg fehlen eingängige Songs und Schlager, von der Substanz her könnte sich der “Kehraus” durchaus etwa mit einer “Dreigroschenoper” messen.

Uraufgeführt wurde das Stück erst im Dezember 1990 im Wiener Ronacher zum 90. Geburtstag von Krenek. “Kehraus um St. Stephan” erlebt in Bregenz somit überhaupt erst die zweite Realisierung. Und die ist Regisseur Michael Scheidl als erstaunlich aktueller Wienerischer Totentanz in verwirrend abwechslungsreichen Szenen gut gelungen. Am Pult des Symphonieorchesters Vorarlberg agierte Dirigent John Axelrod mit Verve, stellenweise droht das Orchester jedoch die insgesamt guten Sänger-Darsteller akustisch zuzudecken.

In einer Melange aus makaber und witzig läuft der fast dreistündige “Kehraus” über den düsteren Prospekt (Bühne und Kostüme Nora Scheidl), der “Steffl” wird zu Beginn und am Ende als Glockengeläut sowie mit einer Madonnenfigur angedeutet. Das Handlungskarussell dreht sich vom Zusammenbruch 1918 bis zum Wirtschaftskrach Ende der 20er Jahre. Da tummeln sich verarmte Aristokraten und gewissenlose Industrielle, abgetakelte Offiziere auf der Suche nach einer neuen Identität, schmierige Typen, die für Geld alles machen würden, und natürlich das junge Ding (Sopran Andrea Bogner als Maria/Mizzi/Ria), das sich nach oben schläft. “So was wär in der Monarchie nicht möglich gewesen”, räsoniert Oberwachmann Sachsl (Gerhard Ernst).

Als Sänger-Darsteller kehren um St. Stephan weiters aus: Tenor Roman Sadnik als grundsatztreuer Rittmeister a. D. Brandstetter, der sich umbringen will, weil er Gräfin Elisabeth (Sopran Elisabeth Flechl) nicht mehr ebenbürtig zu sein glaubt. Der ehrlich-geradlinige Weinbauer Kundrather (Bariton Albert Pesendorfer) rettet ihn. Sohn Ferdinand/Ferry (Tenor Christian Drescher) laviert sich durch, Bariton Sebastian Holecek ist Reserveoffizier, Industrieller und zuletzt Pleitier, Bariton Michael Kraus gibt den abgefeimten Intriganten und Revolver-Journalisten Fekete/Schwoistaler/Rosenbusch, Tenor Wolfgang Gratschmaier den ehemaligen Honvedmajor Kereszthely und Bariton Lars Woldt den preußischen Operetten-Kapitalisten Kabulke. “Kehraus um St. Stephan” wird bis 5. August noch dreimal aufgeführt und nach Bregenz von den Koproduktionspartnern Volksoper Wien und Theater Luzern übernommen.

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