Junge User zu 61% Online-Piraten

Bereits 61 Prozent der Jugendlichen besorgen sich unautorisierte Musik. Online-Dienste wie Spotify sind die Hoffnung der Musikindustrie.

Obwohl die Musikindustrie die Konsumenten mittlerweile mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Flatrate-Geschäftsmodelle lockt, bleibt die Online-Piraterie auch weiterhin ein ernstzunehmendes Problem. Wie ein aktueller Bericht von UK Music http://www.ukmusic.org, einer industrienahen Dachorganisation in Großbritannien, zeigt, hat sich das Ausmaß der illegalen Aktivitäten auf Filesharing-Netzwerken im Internet bei der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 24-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr nahezu nicht verändert. So geben immer noch rund 61 Prozent der Nutzer aus dieser Altersgruppe an, sich unautorisiert Musik aus dem Web zu besorgen, das entspricht einem Rückgang von gerade einmal zwei Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr. “Die gesamte Branche wird sich sicher noch weiterentwickeln. Allerdings werden wir nichts erreichen können, wenn wir nicht mit den Musikfans – insbesondere der jüngeren Generation – zusammenarbeiten”, warnt UK-Music-CEO Feargal Sharkey.

“Das Ausmaß der Online-Piraterie ist nach wie vor beängstigend. Diese Zahlen stellen klar, dass der Kundenwunsch der Musikkonsumenten ein anderer ist als jener, den sich die Industrie vorstellt”, meint Roland Alton-Scheidl, Medienforscher in Dornbirn und Wien und Mitglied des akademischen Beirats von Creative Commons Austria http://www.creativecommons.at , gegenüber pressetext. Ein Rückgang von 63 auf 61 Prozent innerhalb eines Jahres sei kein signifikantes Ergebnis. “Die Versuche, die die Industrie unternimmt, um den Nutzern einen umfassenden Zugang zu Musik zu bieten, sind zaghaft aber richtig. Unsere Beobachtungen zeigen aber, dass sich die neuen Geschäftsmodelle der großen Musik-Vertriebsplattformen im Netz noch nicht wirklich rechnen”, betont Alton-Scheidl. Um das Problem der Online-Piraterie vor allem bei Jugendlichen in den Griff zu bekommen, empfiehlt der Medienforscher das Modell einer sogenannten “Kultur-Flatrate”. “Darunter ist eine pauschale Abgabe zu verstehen, die typischerweise von den Providern eingehoben wird und es ermöglicht, über Verwertungsgesellschaften den Bezug von Musik aus dem Web zu legalisieren”, erläutert Alton-Scheidl.

“Die Botschaft ist laut und klar. Vor allem die jüngere Generation der Musikfans hat heute sehr hohe Ansprüche. Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen”, stellt UK-Music-CEO Sharkey klar. Als Hoffnungsschimmer für die Branche gelten dabei weiterhin vor allem unlimitierte Download-Dienste und Streaming-Services wie das Musikportal Spotify (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090407003/). So verweist Sharkey darauf, dass an die 85 Prozent der Online-Piraten im Rahmen einer Befragung angegeben hätten, Geld für ein attraktives Flatrate-Angebot für Musik-Downloads zu bezahlen. Von diesen sollen wiederum 77 Prozent angegeben haben, auch weiterhin legal CDs erwerben zu wollen. “Da das Interesse an ‘All you can eat’-Musikdiensten im Web massiv zugenommen hat, bleiben wir auch weiterhin optimistisch, dass die Zukunft der Musiklandschaft in einer Reihe von lizenzierten Services liegen wird”, ist Sharkey überzeugt. “Was auch immer die Zukunft bringen wird, es muss auf jeden Fall ein Weg gefunden werden, um die jungen Menschen aus der Illegalität herauszuholen”, gibt Alton-Scheidl abschließend zu bedenken.

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