Jacobsen holt Tournee-Sieg

Anders Jacobsen hat die Vierschanzen-Tournee-Krone in seiner ersten Weltcup-Saison zum insgesamt zehnten Mal nach Norwegen geholt. Gregor Schlierenzauer wurde Tagessieger in Bischofshofen und Gesamt-Zweiter.  | Porträt

Mit dem zweiten Platz am Sonntag in Bischofshofen hinter Österreichs Überflieger Gregor Schlierenzauer behauptete der 21-Jährige, der vor dem abschließenden Springen 10,1 Punkte Vorsprung auf den Finnen Arttu Lappi gehabt hatte, Platz eins in der Gesamtwertung souverän und verwies Schlierenzauer und den Schweizer Simon Ammann auf die Plätze.

Schlierenzauer, der so wie Jacobsen seine Premieren-Saison bestreitet, feierte nach Oberstdorf seinen zweiten Tournee-Tagessieg und vierten Weltcup-Erfolg. Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern, der in Innsbruck Zweiter geworden war, sprang von der Paul-Außerleitner-Schanze auf den fünften Tages- und damit auf den vierten Gesamt-Rang. Der 17-jährige Arthur Pauli lieferte vor 22.000 Fans eine beeindruckende Talentprobe ab und wurde als drittbester ÖSV-Adler ausgezeichneter Tages-Sechster.

Mit Martin Koch (11.), Andreas Kofler (12.) und Martin Höllwarth (13.) klassierten sich insgesamt fünf ÖSV-Springer in den Top-15 der Gesamtwertung. Für eine ausgezeichnete Mannschaftsleistung sorgten die rot-weiß-roten Adler zum Abschluss auch in Bischofshofen. Nicht weniger als 13 Österreicher landeten unter den besten 30 und damit in den Punkterängen, ein neuer Rekord des ÖSV-Teams. Tournee-Titelverteidiger Janne Ahonen, der im Vorjahr ex aequo mit Jakub Janda triumphiert hatte, landete in der Gesamtwertung nur auf Rang acht, Janda wurde gar nur 19.

Triumphator Jacobsen, der auch die Weltcup-Führung behauptete, folgte Sigurd Pettersen nach, der die Tournee 2003/04 als bisher letzter Norsker gewonnen hatte. Der Vorsprung auf Schlierenzauer betrug in der Gesamtwertung schließlich 17,3 Punkte, Ammann folgte weitere 12,7 Zähler dahinter. Der erst im Sommer von Norwegens Cheftrainer Mika Kojonkoski „entdeckte“ Shooting Star sorgte für den siebenten Tournee-Triumph eines Weltcup-„Newcomers“, als erstem Springer war dieses Kunststück 1953 Sepp Bradl gelungen, zuletzt hatte es 1992 der Finne Toni Nieminen geschafft.

Der Tiroler Schlierenzauer, der vor Bischofshofen mehr als 20 Punkte Rückstand auf den Norweger gehabt hatte, legte an seinem 17. Geburtstag im ersten Durchgang einen Satz auf 139,5 Meter vor. Jacobsen stellte mit 137,5 m aber klar, dass er sich den Tournee-Sieg nicht mehr nehmen lassen würde. Im Finale sprang der Norweger mit 142 m schließlich bis auf einen Meter an den Schanzenrekord des Japaners Daiki Ito heran, „Schlieri“ gab den Tagessieg mit 141 m aber nicht mehr aus der Hand.

Dementsprechend glücklich war der ÖSV-Teenager nach dem letzten Wettkampf seiner ersten Tournee: „Es ist natürlich gewaltig, an seinem Geburtstag vor so einem Publikum zu gewinnen.“ Auf seine Beinhautentzündung, die ihn zum Auslassen von Training und Qualifikation bewogen hatte, angesprochen, meinte der Neo-17-Jährige: „Natürlich hat es ein bisschen gestört, aber die Teamärzte haben das super hingebracht. Ein bisschen Taktieren war da auch dabei.“

Morgenstern zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Bei mir geht es mit jedem Sprung bergauf. Schön, dass ich mich zur Zeit mit den Besten messen kann.“ Der Kärntner erklärte die Sog-Wirkung von Schlierenzauers Erfolgen: „Da muss man sich ja anstecken lassen. Zur Zeit zieht jeder den anderen hinauf.“ Auch ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner, der mit seiner Tournee-Truppe zwei Tagessiege (Schlierenzauer) und einen zweiten Platz (Morgenstern in Innsbruck) verbuchte, meinte: „Gregor hat alle anderen beflügelt, der Morgi springt jetzt um Klassen besser.“

Pointner war vom Phänomen Schlierenzauer einmal mehr beeindruckt: „Ich bin absolut stolz auf ihn. Er hat eine tolle Tournee gezeigt, ich habe keinen Fehler gesehen. Dass es noch nicht der Gesamtsieg geworden ist, hat vielleicht auch einen tieferen Sinn.“ Ähnlich analysierte Rennsportdirektor Toni Innauer, dessen Sohn Mario in Bischofshofen mit Platz 15 neuerlich aufzeigte: „Gregor hat heute genau das vorgelegt, was wir erhofft haben. Er hat den verdienten Tournee-Sieger Jacobsen noch einmal auf eine harte Probe gestellt. Der Tournee-Gesamtsieg wäre für einen so jungen Springer vielleicht zu viel Bürde für die weitere Karriere gewesen.“

Tournee-Champion Jacobsen rang nach der Siegerehrung um Fassung: „Das ist einfach verrückt, unglaublich! Ich bin ohne Erwartungen zu meiner ersten Tournee gekommen, Platz fünf wäre schon sehr gut gewesen. Den Sieg habe ich erst nach dem letzten Sprung realisiert, denn ich war unglaublich nervös.“

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