Gaza-Konflikt: Israel mobilisiert weitere 16.000 Reservisten

Die Zahl der Toten steigt über 1.400
Die Zahl der Toten steigt über 1.400 ©EPA/Mohammed Saber
Israel weitet seine Offensive im Gazastreifen ungeachtet der verheerenden Zustände in dem Palästinensergebiet weiter aus. Die Armee mobilisierte in der vierten Kriegswoche 16.000 weitere Reservisten für den Kampf, wie der israelische Rundfunk am Donnerstag berichtete. Damit belaufe sich die Zahl der einberufenen Reservisten auf insgesamt 86.000.
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Das israelische Sicherheitskabinett habe die Armee am Mittwoch angewiesen, den Militäreinsatz im Gazastreifen noch auszuweiten. Am Donnerstag wollte die israelische Regierung bei einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen beraten. Israelische Medien berichteten, eine israelische Delegation habe am Vortag stundenlang mit Vertretern Ägyptens in Kairo über eine Waffenruhe beraten.

Mehr als 1400 Menschen getötet

Nach Angaben des Sprechers der palästinensischen Rettungsbehörden, Ashraf al-Kidra, in Gaza wurden seit dem 8. Juli mehr als 1360 Menschen getötet, darunter 315 Kinder, 166 Frauen und 58 ältere Menschen. 7680 Menschen wurden verletzt, mehr als die Hälfte davon sollen Frauen, Kinder und ältere Menschen sein.

Eine israelische Militärsprecherin in Tel Aviv sagte am Donnerstag, bei Hunderten der Toten im Gazastreifen handle es sich um militante Kämpfer. Die palästinensische Seite unterscheidet bei der Veröffentlichung der Opferzahlen nicht zwischen militanten Kämpfern und Zivilisten.

Auf der israelischen Seite sind bisher 56 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben gekommen. Mehr als 100 Soldaten werden noch in Krankenhäusern behandelt.

“Humanitäres Katastrophengebiet”

Angesichts der steigenden Totenzahlen und der verheerenden Zerstörungen im Gazastreifen hatte Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) das Palästinensergebiet am Mittwoch zum “humanitären Katastrophengebiet” erklärt. Er forderte die Vereinten Nationen auf, alles zu unternehmen, um den Menschen in der Küsten-Enklave am Mittelmeer zu helfen.

Nach UN-Angaben haben bereits rund 220.000 Menschen in dem blockierten Palästinensergebiet Schutz in UN-Schulen gesucht. Der langjährige Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks (UNWRA), Chris Gunness, brach angesichts der schlimmen Zustände bei einem Live-Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera in Tränen aus. “Die Rechte der Palästinenser, sogar ihrer Kinder, werden völlig verwehrt, und es ist entsetzlich”, sagte Gunness und begann verzweifelt zu schluchzen. “UNWRA ist in Gaza total überfordert, wir stehen vor den Zusammenbruch, unsere Mitarbeiter werden getötet, unsere Schutzräume quellen über”, schrieb Gunness auf Twitter. “Wo soll das enden?”

Kritik am Beschuss einer UN-Schule

Die Vereinten Nationen und die USA haben den Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen scharf kritisiert. Israel sei der Standort der Einrichtung mehrfach mitgeteilt worden, letztmals wenige Stunden vor dem Treffer, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bei einem Besuch in Costa Rica. “Ich verurteile diesen Angriff auf das Schärfste. Er ist durch nichts zu rechtfertigen.” Auch die USA verurteilten den Beschuss der Schule im Flüchtlingslager Jabalya. Die USA und die UNO kritisierten auch die Lagerung von Waffen in UN-Einrichtungen.

AP/Khalil Hamra
AP/Khalil Hamra ©Foto: AP/Khalil Hamra

Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte zu dem Vorfall, militante Palästinenser hätten in der Nähe der Schule Mörsergranaten auf israelische Soldaten abgefeuert. Die Truppen hätten dies erwidert. Es ist die zweite Schule, die binnen einer Woche getroffen wurde.

Hamas lehnt Waffenruhe ab

Israelische Panzergranaten töteten nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste Stunden später mindestens 20 weitere Menschen auf einem Marktplatz im Stadtteil Sajaiya. Die Bewohner des umkämpften Viertels waren zum Markt geströmt, nachdem Israel eine vierstündige humanitäre Feuerpause erklärt hatte, die allerdings von der Hamas als “Täuschungsmanöver” abgelehnt wurde.

Charles Dharapak
Charles Dharapak ©Foto: AP/Charles Dharapak

2700 Raketen auf Israel abgeschossen

Israel begründet die längste Offensive seit dem Libanon-Krieg 2006 mit dem anhaltenden Raketenbeschuss radikaler Palästinenser. Zerstört werden sollen Abschussvorrichtungen und das Tunnelsystem der Hamas. Auch am Donnerstag feuerten militante Palästinenser wieder Raketen auf israelische Städte ab. Nach Angaben der Armee sind seit Beginn der Offensive rund 2700 Raketen auf Israel abgeschossen worden.

USA versorgt Israel mit Munition

Die USA versorgten Israel unterdessen mit neuer Munition. Die US-Regierung entsprach damit am Mittwoch einer israelischen Anfrage vom 20. Juli, wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilte. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel habe die Lieferung drei Tage später genehmigt.

EPA/Larry W. Smith
EPA/Larry W. Smith ©Foto: EPA/Larry W. Smith

Pentagonsprecher John Kirby sagte, es habe sich um eine “rein ministerielle Entscheidung” gehandelt, eine Billigung des Weißen Hauses sei nicht nötig gewesen. Die USA stünden für die Sicherheit Israels ein, sagte Kirby. Ein Teil der Munition im Wert von umgerechnet rund 750 Millionen Euro stammt aus einem Zwischenlager der US-Armee auf israelischem Boden, sie steht den israelischen Streitkräften im Notfall zur Verfügung.

(APA/red)

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