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IS: Kobane befürchtet Massaker bei Einnahme durch Terrormiliz

IS rückt näher an Kobane heran
IS rückt näher an Kobane heran ©EPA
Seit Tagen versucht die Terrormiliz Islamischer Staat, eine kurdische Enklave im Norden Syriens einzunehmen. Sie beschießt die Stadt mit Artillerie. Die Türkei verstärkt ihre Militärpräsenz an der Grenze. Bewohner von Kobane befürchten bei einer Eroberung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Massaker.
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 Die Zahl der Luftangriffe in der Region sei zu gering und die Luftschläge seien zu weit weg von der Front, beklagen Augenzeugen, wie der US-Fernsehsender CNN in der Nacht zum Dienstag berichtete.

“Bleibt es so, sehen wir ein Massaker”

“Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Waffen. Wir brauchen effektivere Luftschläge”, sagte Idriss Nassan aus Kobane. Wenn es so bleibt, “werden wir ein Massaker sehen”. Er könne sich nicht vorstellen, was geschehen werde, wenn die Terrormiliz in Kobane einmarschiert.

Türkei verlegt Panzer an Grenze zu Syrien

Augenzeugen berichteten, die Türkei habe ihre Militärpräsenz an der Grenze verstärkt und Panzer auffahren lassen. Die Extremisten seien nur noch vier bis sieben Kilometer von dem Ort entfernt, sagte der Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, am Montag. Bei CNN ist von drei Kilometern die Rede.

Kobane unter Artilleriebeschuss

Die Extremisten griffen Kobane (Arabisch: Ayn al-Arab) aus allen Richtungen an, sagte Anwar Muslim am Telefon. Sie beschössen die Stadt mit schwerer Artillerie. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, mindestens drei Menschen seien dabei ums Leben gekommen und weitere verletzt worden. Die Terrormiliz habe am Montag 17 Granaten auf das Zentrum von Kobane abgefeuert.

Umkämpfte Stadt

Die Jihadisten versuchen seit Tagen, Kobane einzunehmen. Vor mehr als einer Woche hatten sie Dutzende Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht und eine Massenflucht Richtung Türkei ausgelöst. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die von den kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wird. Die Terrormiliz kontrolliert im Norden und Osten Syriens bereits rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im Irak beherrscht sie riesige Gebiete.

Auf der türkischen Seite der Grenze schlug erneut mindestens eine Mörsergranate aus der umkämpften syrischen Region ein. Im Distrikt Suruc sei ein Geschoß auf freiem Feld detoniert, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Schon am Sonntag waren mehrere Granaten auf der türkischen Seite der Grenze eingeschlagen, eine davon in einem Wohnhaus.

Allianz gegen IS bombardiert Gasanlage

Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardierten unter anderem eine große Gasanlage in der Nähe der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Die Anlage am Rande des Ortes Chascham gelte als die größte ihrer Art in Syrien. Sie versorge mehrere Kraftwerke im Land, die zahlreiche syrische Provinzen mit Strom beliefern. Nach Darstellung der Menschenrechtler griff das Bündnis nahe Manbij im Norden Syriens auch Getreidemühlen und Silos an. Es gebe Informationen über Opfer.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte das Bündnis wiederholt Ölanlagen unter IS-Kontrolle angegriffen. Damit will es nach eigenen Angaben die wichtigste Einnahmequelle der Extremisten zerstören. Die Terrormiliz finanziert sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Öl.

229 US-Luftangriffe

Die US-Armee hatte Anfang vergangener Woche ihre Angriffe auf die Extremisten vom Irak auf Syrien ausgedehnt. Bisher flogen die USA mindestens 229 Luftangriffe im Irak und 59 in Syrien, berichtete CNN. Fünf arabische Staaten unterstützen die USA dabei. Ziel der USA ist es, den IS in beiden Ländern zu zerstören. Sie wollen dazu auch gemäßigte syrische Rebellen ausrüsten und ausbilden.

US-Präsident Barack Obama räumte ein, die USA hätten die Terrormiliz unterschätzt. Zugleich sei die Fähigkeit des irakischen Militärs überschätzt worden, die Organisation zu stoppen, sagte er. In einem CBS-Interview wurde Obama gefragt, ob er eine entsprechende Einschätzung des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper teile. “Das trifft zu”, antwortete Obama. “Das trifft absolut zu.” CBS bezeichnete die Äußerung des Präsidenten als eine der offensten, die er bisher zum Aufstieg des IS gemacht habe.

Obama: Haben IS-Miliz unterschätzt

Obama führte das Erstarken der Terrormiliz unter anderem auf das syrische Bürgerkriegschaos zurück, das der Gruppe Raum zum Wachsen gegeben habe. Zudem sei es der Sunnitenmiliz gelungen, ausländische Kämpfer aus verschiedenen Ländern in Syrien zu versammeln. “Und so wurde es Ground Zero für Dschihadisten aus aller Welt.”

Syrien wirft USA Doppelmoral vor

Der syrische Außenminister Walid al-Muallem warf der US-Regierung im Kampf mit Terroristen eine doppelte Moral vor. Auf der einen Seite bekämpfe die Regierung in Washington Terrorgruppen wie den IS. “Auf der anderen Seite unterstützt sie Gruppen mit Geld, Waffen und Ausbildung, die sie “moderat” nennen. Das ist das Rezept für Gewalt und Terrorismus”, sagte Al-Muallem am Montag vor der UN-Vollversammlung in New York.

Syrien sei bereit, am internationalen Kampf gegen den Terror teilzunehmen, sagte der Minister. Der IS sei “ein Monster, das auf Irak, Syrien und Libanon losgelassen wurde”. Der IS werde sich nicht auf Syrien und den Irak beschränken. “Er wird sich überall ausbreiten, wenn er nicht gestoppt wird, zuerst in Europa und Amerika.”

Der Anführer des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks warnte andere syrische Regimegegner vor einer Zusammenarbeit mit den USA. Er rate allen kämpfenden Gruppen, es nicht zuzulassen, dass der Westen und die USA das vom IS begangene Unrecht auszunutzen, sagte der Chef der Al-Nusra-Front, Abu Mohammed al-Dschaulani, in einer Audiobotschaft. Die USA hatten in der vergangenen Woche auch Stellungen der radikal-islamischen Miliz angegriffen. (APA/dpa/red)

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