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„Inzwischen versuche ich, die Komfortzone zu verlassen“

Musik war immer ein fixer Bestandteil im Leben des ehemaligen HMBC-Frontmanns.
Musik war immer ein fixer Bestandteil im Leben des ehemaligen HMBC-Frontmanns. ©WANN & WO/Frederick Sams
Im Interview mit der WANN & WO gewährt der charismatische ­Wälder Musiker Philipp Lingg Einblick über sein Schaffen, den Bruch mit den Holstuonarn und sein neues Solo-Projekt.

Von Joachim Mangard/WANN & WO

WANN & WO: Welche Projekte verfolgst du gerade?

Philipp Lingg: Als Musiker muss man einen gewissen Erfindergeist mitbringen, auch in Anbetracht dessen, was denn jetzt so alles zur Profession zählt. Ich spiele in verschiedenen Formationen, habe inzwischen das Privileg, dass ich es mir aussuchen kann. Daneben schreibe ich Songs, sowohl für mich, als auch für andere. Daheim und auf Tour – ich habe es aber immer noch nicht geschafft, eine Homepage einzurichten.

WANN & WO: Ist das auch eine Art Abwehrreaktion nach dem ganzen Rummel um dich?

Philipp Lingg: Manche würden es vielleicht als eine Art Schutzmechanismus bezeichnen, ich finde die jetzige Situation ehrlich gesagt sehr angenehm. Es erinnert mich an früher. Und ich teile nicht die Sorgen so mancher Social Media-User, dass ich in Vergessenheit gerate (schmunzelt). Als Künstler ist das ein zweischneidiges Schwert, man muss immer entscheiden, wie viel man von sich Preis geben will. Andererseits will man mit seiner Musik ja die Leute erreichen. Trotzdem mache ich diesen inflationären Hype um meine Person nicht mit. Wen interessiert es, ob ich einen Furz gelassen habe?

WANN & WO: In welche Richtung geht es bei deinen neuen Songs, die du bald veröffentlichst?

Philipp Lingg: Ich möchte noch nicht allzu viel verraten. Das Projekt wird von mehreren Seiten aus aufgezäumt. Neben der musikalischen Komponente experimentiere ich aktuell viel im Video- und Grafikbereich, vorwiegend in Eigenproduktion. Musikalisch habe ich mich aufgrund der Zusammenarbeit mit verschiedenen Musikern weiterentwickelt. Besonders die Kooperation mit George Nussbaumer hat mir musikalisch wie menschlich sehr gut getan – vielleicht auch, weil er einen eigenen Zapfhahn zuhause hat (schmunzelt).

WANN & WO: Bist du jetzt nach deinem Studium in Wien und der Zeit beim HMBC endgültig in Vorarl­berg angekommen?

Philipp Lingg: Ich genieße es extrem. In der Stadt habe ich die persönliche Anonymität gelebt und geliebt. Das war aber auch für meinen eigenen Prozess der Bewusstseinsfindung wichtig. Mit meiner jetzigen Situation bin ich sehr zufrieden, ich habe das Gefühl, in mir zu ruhen und einen Weg gefunden zu haben, das zu machen, was ich will. Ich lasse mir jetzt einfach die Zeit, die ich brauche. Obwohl ich eigentlich nur mit Deadlines funktioniere. Und meine neue Musik steht kurz vor der Veröffentlichung, im Studio bekommt sie gerade den letzten Schliff.

WANN & WO: Du warst auch als Pädagoge tätig. Welche Erfahrungen konntest du im Schulbetrieb sammeln?

Philipp Lingg: Sehr spannende. Einerseits bedarf es einer offenen Zugangsweise, andererseits darf aber auch der Respekt nicht zu kurz kommen. Ich habe viel von meinen Schülern gelernt, gerade in Bezug auf ihre Hörgewohnheiten.

WANN & WO: Was hältst du vom „Volks Rock ’n’ Roller“ Andreas Gabalier – verkörpert er für dich einen polarisierenden Begriff der Volksmusik?

Philipp Lingg: Musiker sollte Musiker bleiben, natürlich auch mit eigener Haltung. Ich gehe jedoch nicht mit meiner politischen Gesinnung hausieren. Seine zum Teil politisierenden Fehden mit diversen Medien sind meiner Meinung nach reine PR. Gefährlich wird es, wenn Musiker ihre Popularität nutzen, um Stimmung zu machen, wie ein gewisser „Techno Rock ’n’ Roller“. Schon allein wegen des starken Einflusses auf die vielen Menschen, die er aufgrund seiner Musik um sich schart. Hier kann ich nur appellieren, nicht alles und jeden zu politisieren. Ich glaube, die Leute reden einfach zu wenig miteinander und gehen zu wenig in die Tiefe. Das ist sicher auch ein Grund für die viel zitierte, aktuell gespaltene Gesellschaft.

WANN & WO: Stichwort HMBC: Wie denkst du im Nachhinein über die Zeit beim Holstuonar Musig Bigband Club?

Philipp Lingg: Es war eine sehr spannende und lehrreiche Zeit. Sowohl was das gemeinsame Tourleben, als auch die Tage im Studio betrifft. Intensiv beschreibt es wohl am besten. Irgendwann hat es für mich persönlich einfach nicht mehr gepasst und ich habe mich entschlossen, der Band den Rücken zu kehren. Es war ein langer Prozess für mich, aber für mich war irgendwann klar, dass ich gehen musste. Es war aber auch eine wunderschöne Zeit mit tollen Begegnungen und das Glück, an einzigartigen Locations spielen zu dürfen. Die Bestätigung, dass man etwas macht, das Anklang findet, möchte ich ebenfalls nicht missen. Das Baby ist gewachsen. Und jetzt folgt das nächste (schmunzelt).

WANN & WO: Was hast du in jener Zeit gelernt?

Philipp Lingg: Dass man viel auf sich selbst hören muss. Wenn man so plötzlich in der Öffentlichkeit steht, passiert etwas mit dir. Wir waren niemals auf so einen durchschlagenden Erfolg wie mit „Vo Mello bis ga Schoppernou“ vorbereitet. Und was danach mit uns passiert ist, gerade in Bezug auf den Umgang von Medien, Plattenfirmen, Promotern, usw. habe ich dann im Song „Vorreasso, verkoft – as loft!“ skizziert. Viele Leute sind auf einmal deine Freunde und klopfen dir auf die Schulter. Man gibt ihnen ein Lied und sie wollen ein weiteres. Und noch eines. Und das nächste, das dann gleich klingen soll.

WANN & WO: Wie schwierig war die Entscheidung gegen einen großen Major-Deal?

Philipp Lingg: Die Anfrage hat uns geehrt – im Endeffekt geht es aber um die künstlerische Freiheit, die für mich in Gefahr war. Und ich wollte meine Rechte nicht abgeben. Wir haben uns für einen eigenen Weg entschieden. Und in weiterer Folge ich mich dann für den meinen.

WANN & WO: Themenwechsel: Was hörst du gerade für Musik?

Philipp Lingg: Ich habe mir gerade das Debütalbum von Kanye West aus dem Jahre 2005 auf Vinyl gekauft. Abseits seiner aktuellen Eskapaden ist er musikalisch unbestritten ein großartiger Künstler. Außerdem habe ich mir den Soundtrack der alten Batman-Serie gekauft.

WANN & WO: Wie bist du mit Musik in Kontakt gekommen?

Philipp Lingg: Mit dem Lied „Aumadwod“ durch meine VS-Lehrerin. Und natürlich durch meine Eltern. Musik war immer präsent. Mein Cousin war mein Vorbild, weil er die Handorgel spielte. Das wollte ich unbedingt. Es hieß aber, dass ich zuerst Flöte spielen müsse. Die habe ich aber ausgelassen und mich gleich auf das Akkordeon konzentriert. Der Rest ist Geschichte (schmunzelt). Inzwischen spiele ich viele Instrumente, besonders die akustischen wie Gitarre, Bass, Handorgel, usw. Da habe ich auch eine gewisse Sammelleidenschaft. Inzwischen versuche ich außerdem, die Komfortzone zu verlassen und vierteljährlich ein neues Instrument zu erlernen. Die lassen sich auch steuerlich absetzen.

WANN & WO: Wie steht es um Philipp Lingg und die Frauenwelt – bist du vergeben?

Philipp Lingg: Ja, vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich eine Partnerin gefunden. Mit ihr stimmt es einfach. Ich glaube aber auch, aus Gründen wie es die aktuelle Trennung von Helene Fischer und Florian Silbereisen gezeigt hat, trete ich damit nicht an die Öffentlichkeit (schmunzelt). Interessiert das überhaupt jemanden?

WANN & WO: Und wie war es damals mit den Groupies?

Philipp Lingg: Interessanterweise hatte ich am Höhepunkt der HMBC-Zeit überhaupt kein Interesse an anderen Frauen. Ich befand mich damals aber ebenfalls in einer Beziehung. Möglichkeiten und Angebote hätte es viele gegeben. Darunter auch unheimlich dreiste und plumpe Versuche, auf allen möglichen Kanälen – für mich eine absolut absurde und teilweise unheimliche Situation. Eine Erfahrung, die sich auch im Song „Every Breath You Take“ widerspiegelt.

WANN & WO: Entscheidungsfrage am Schluss: Entweder könnte dein nächster Song die Welt einen, oder er wäre der beste Pop-Song aller Zeiten – was wäre deine Wahl?

Philipp Lingg: Ich nehme den Pop-Song, ganz klar (schmunzelt). Den Song, der die Menschen eint, habe ich gerade mit „Arwachat“ geschrieben – eine ruhige Ballade. Ob es das Publikum auch so sieht, werden wir dann sehen. Zuerst muss die Musik mir gefallen. Außerdem habe ich den besten Pop-Song Österreichs im Jahr 2012 geschrieben.

(WANN & WO)

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