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Innauer: "Turin 2006 kein Maßstab für Vancouver"

Die Olympischen Spiele 2010 beginnen in wenigen Tagen, viele Athleten befinden sich auf der Anreise, so auch die Skispringer. Ein Hauptaugenmerk der österreichischen Fans wird wohl auf den heuer wieder so erfolgreichen ÖSV-Adlern liegen.

Vor vier Jahren in Turin lieferten Springer und Kombinierer allein vier von neun Goldmedaillen. Toni Innauer, der Nordische Direktor im ÖSV, stellte im Interview mit der APA – Austria Presse Agentur u.a. klar, dass diese Jahrhundertspiele für seine beiden Sparten für die Bewerbe im Whistler Olympic Park kein Maßstab sein dürften.

Drei Medaillen wünscht sich Innauer von seinen Adlern und Kombinierern. Wäre keine davon aus Gold, so gibt er mit Blick auf die Dominanz der Springer zu, dann wäre das “nicht zufriedenstellend”. Über seine Zukunft im ÖSV nach der Olympiasaison will sich Innauer nach wie vor nicht äußern, allerdings kündigt er für Mitte März ein neues Buch an. Ob er damit auch ein Kapitel Lebensgeschichte abschließen will, ließ er jedoch offen.

APA: Die Olympia-Bilanz 2006 war mit 4 x Gold und 2 x Silber so gut
wie nie zuvor für Skispringen und Nordische Kombination. Wie sehen
denn die Erwartungen des Nordischen Direktors vier Jahre später aus?
Toni Innauer: “Ich weiß sehr wohl, dass das damals ein
Zusammentreffen aller günstigen Umstände war – mit tollen Teams. Das
kann nicht der Maßstab sein. Das haben wir damals gewusst, das ist
mir auch jetzt klar. Es reicht normal für zwei Olympische Spiele, was
wir in Turin gewonnen haben. In Vancouver möchte ich zumindest drei
Medaillen mit meinen zwei Teams erreichen. Das ist die
Mindestanforderung, dazwischen ist nach oben hin viel Spielraum.”

APA: Die Skispringer haben die Saison bisher auch als Mannschaft
dominiert, Gregor Schlierenzauer hat vor einem Jahr die Generalprobe
in Whistler mit zwei Siegen für sich entschieden. Wäre eine
Medaillenbilanz der Adler ohne Gold nicht eine enttäuschende?
Innauer: “Ja, das wäre nicht zufriedenstellend. Es ist schon so,
wenn man das so lange dominiert, dass man dann natürlich auch
anstrebt, eine Goldmedaille mitzunehmen von den Olympischen Spielen.”

APA: Was ist denn in der Vorbereitung das Hauptkriterium für die
Spiele?
Innauer: “Es ist ein Kriterium, dass man da drüben gut rein findet,
sich schnell anpasst an die Situation und zu seinem Rhythmus kommt,
so wie wir ihn beim Weltcup haben. Das ist entscheidend, das ist auch
das Schwierige bei Olympischen Spielen. Vor allem in der
Herangehensphase wie es heuer war mit den ganzen Turbulenzen im
Olympischen Komitee (ÖOC-Anm.) und wir bis zum Schluss keine
Handlungsmöglichkeit gehabt haben. Dadurch ist das Ganze viel
gedrängter und viel mehr Unruhe drin als wie es normalerweise sein
könnte.”

APA: Olympia hat eben auch in Sachen Organisation eigene Gesetze.
Innauer: “Es ist sehr viel Anpassungsarbeit zu leisten. Wir müssen
neue Anzüge schneidern, weil es das (Internationale) Olympische
Komitee verlangt. Es gibt manche Dinge, die die Dinge noch etwas
aufschütteln in dem Glas. Es sind Kosten, es ist Arbeit, es ist
Stress. Auch in der Quartiersituation, weil wir halt viel weniger
Flexibilität haben als die Alpinen, die da beispielsweise durch die
wechselnden Disziplinen mehr Spielraum haben in der Belegung. Wir
sind an unsere Minimalquote gebunden.”

APA: Neben Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern ist auch der
zweifache Goldene von Turin, Felix Gottwald, wieder am Start. Wie
wichtig war seine Rückkehr für das gesamte Kombiniererteam?
Innauer: “Das ist sicher für alle ein Gewinn, natürlich auch für
einige ein Druck, weil sie im eigenen Lager einen haben, der in der
Vergangenheit schwer erreichbar war. Mario hat das gut hingekriegt,
hat sich gut entwickelt bis zum Schluss. Den Felix im Team zu haben,
weil es ein sehr laufbetonter Wettbewerb ist, ist natürlich ein
Vorteil. Das weiß jeder zu schätzen.”

APA: Auch mit Gottwald hängen die Trauben im Teambewerb für die
Olympiasiegermannschaft 2006 aber höher.
Innauer: “Da sind ein paar neue Nationen im Spiel: Weltmeister
Japan, auch die Amerikaner. Das sind zwei zusätzliche Teams, die zu
den Finnen, Norwegern und Deutschen dazugekommen sind, sodass man
weiß: für die Mannschaftsmedaille – da musst du verdammt gut sein.”

APA: Gemeinsam mit den Biathleten haben die Nordischen gute
Chancen, die Alpinen zu übertreffen. Wäre das eine besondere
Genugtuung?
Innauer: “Wir haben in Turin gleich viele Goldmedaillen geschafft,
das war ein Highlight in der Geschichte der Spiele aus nordischer
Sicht. Aber das ist ein unwichtiger Nebenschauplatz: Jede einzelne
Sparte muss schauen, dass sie mit den eigenen Aufgaben so
zurechtkommt, dass es passt.”

APA: Welche Erinnerungen verbinden Sie eigentlich ganz persönlich
mit Kanada?
Innauer: “In Kanada war ich beruflich als Skispringer, als Trainer
und Sportdirektor. Als wir den V-Stil das erste Mal umgesetzt haben –
zum Entsetzen der Konkurrenz. 1995 war ich bei der WM als
Sportdirektor. Im Urlaub war ich schon am Okanagansee 14 Tage mit der
Familie. Einmal war ich mit Peter Schröcksnadel fischen in Smithers,
das ist weit oben in British Columbia.”

APA: Sie sind seit Juni 1993 Nordischer Direktor im ÖSV: Wissen
Sie eigentlich schon, ob es Ihre letzten Olympischen Spiele in dieser
Funktion sein werden?
Innauer: “Nicht einmal das kann ich sagen. Ich kann nur sagen, dass
es bis nach den Olympischen Spielen kein Thema ist. Was ich sagen
kann, ist, dass am 15. März ein Buch von mir erscheinen wird. Es
wird  heißen “Am Puls des Erfolgs”, wo viele der Dinge, die man in
der Tiefe nicht ansprechen kann, auch diskutiert werden.”

APA: Das ist aber kein Hinweis darauf, dass Sie damit auch ein
Kapitel abschließen wollen?
Innauer: “Das ist noch kein Hinweis. Aber es ist ein Hinweis
darauf, dass ich etwas zusammenfasse.

APA: … um sich unter Umständen einer neuen Aufgabe zuzuwenden.
Innauer: “Das weiß man nicht.”

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