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Initiative in Bregenz: Südtirolersiedlung soll weiter erhalten bleiben

Die Südtirolersiedlung in Bregenz soll hergerichtet und als leistbarer Wohnraum weitervermietet werden. Das fordert eine neue Initiative.
Bilder aus der Bregenzer Südtirolersiedlung
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Die Südtirolersiedlung in Bregenz ist ein Monument der Migration. Wie der Name schon sagt, wurde sie als Wohnraum für zugezogenen Südtiroler errichtet. Der Bau für die Siedlung in Vorkloster begann bereits 1939, insgesamt wurden in 155 Häusern 811 Wohnungen errichtet. Eine Initiative setzt sich nun für den Erhalt der über 80 Jahre alten Wohnblöcke ein: "Mein Herz, das hängt einfach an der Südtirolersieldung", erklärt Jasmine Morscher im VOL.AT-Gespräch. Die Bregenzer Taxifahrerin ist die Begründerin und Obfrau der überparteilichen "Initiative zur Erhaltung der Bregenzer Südtirolersiedlung". Das kommt nicht von ungefähr: Morscher wuchs selbst in der Siedlung auf und wohnt noch heute dort.

Die Südtirolersiedlung im Jahr 1959. Foto: Sammlung Historische Schrägluftaufnahmen, Vorarlberger Landesbibliothek.

Ehrlicher Dialog gewünscht

Die Initiative wünscht sich einen Dialog mit den Zuständigen der Stadt und dem Bürgermeister, wie er bereits rund um die Südtirolersiedlung in Bludenz stattgefunden hat. "Wir möchten einfach einen ehrlichen Dialog auch in Bregenz haben", verdeutlicht die Obfrau der Initiative im VOL.AT-Interview. Die engagierte Bewohnerin der Siedlung steht selbst auf der Mitgliederliste der FPÖ Bregenz und ist unter anderem beratende Teilnehmer im Ausschuss für Jugend, Jugendarbeit und Internationale Kontakte. Auch die Gemeinschaft vor Ort wäre aus Morschers Sicht erhaltenswert: "Es ist einfach ein schönes Miteinander, die Leute halten zusammen", schildert sie.

Einige Wohnungen stillgelegt

Morscher befürchtet, dass die Zeiten der Südtirolersiedlung bald ihr Ende finden könnten, auch, wenn bisher kein Abriss geplant ist. Mehrere Wohnungen seien stillgelegt worden. Auch in der Achgasse 30, wo sie selbst wohnt, hat sie eine solche Wohnung entdeckt: "Da hat man den Zähler abgebaut vom Strom, man hat das Wasser abgestellt", erklärt sie. "Die Wohnungen werden nicht mehr weitervermietet." Für die Vogewosi rentiere es sich nicht mehr: "Mit dieser Miete, die man verlangen könnte, könne man eigentlich praktisch die Renovierung nicht reinholen." Die stillgelegten Wohnungen würden dann nicht mehr beheizt oder gelüftet. "So ist halt Schimmel Tür und Tor geöffnet", meint sie.

Einige der Wohnungen stehen leer - auch hier in der Achgasse 30. Bild: VOL:AT/Mayer

Leistbares Wohnen für Junge

Ziel der Initiative ist es, dass die Wohnungen hergerichtet werden. Sie sollen dann möglichst als leistbarer Wohnraum an junge Menschen weitervermietet werden. Nach einer Renovierung könnten aus Sicht der Mitglieder auch die Mieten etwas erhöht werden, die Wohnungen blieben trotzdem noch leistbar. Mit einem Infostand waren Morscher und Co. bereits zweimal in der Bregenzer Innenstadt. "Da haben wir Unterschriften gesammelt", verdeutlicht sie. Dafür hätten sie auch die Siedlung abgeklappert. Mit der Unterschriftensammlung soll ein gewisser Druck ausgeübt werden. "Wir wollen Gehör finden", meint die Begründerin. "Mit dem Bürgermeister selbst haben wir noch nicht geredet", erklärt Jasmine Morscher im VOL.AT-Gespräch. "Die Stadt hört bei ihm irgendwo beim Forum auf. Was hier draußen passiert, interessiert ihn nicht großartig."

Ritsch: "Lange und stolze Tradition"

"Wie kaum irgendwo in Vorarlberg haben die Südtirolersiedlungen in Bregenz eine lange und stolze Tradition", erklärt Bürgermeister Michael Ritsch auf VOL.AT-Anfrage. Viele tausende Menschen hätten dort ein Dach über dem Kopf, ein Zuhause und eine Heimat gefunden. "Gerade für Menschen, die damals wie heute in teilweise schwierigeren finanziellen Situationen leben, sind und waren die Südtirolersiedlungen ein wichtiger Wohn – und Lebensraum", so Ritsch. Die Ansprüche an Wohn- und Lebensraum hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten und Jahren allerdings geändert. "Intelligente Energiemaßnahmen, Inklusion und Barrierefreiheit sind in der heutigen Zeit unverzichtbare Faktoren in der Wohnpolitik. Diese Faktoren und das Bevölkerungswachstum, auch in Bregenz, bedingen ein Umdenken, wenn es um Wohnungspolitik geht. Die Folgen der Corona-Krise, besonders in Hinblick auf soziale Herausforderungen und den Arbeitsmarkt erfordern von der Politik einen dringenden Handlungsbedarf für mehr leistbaren Wohnraum. Dafür werde ich mich mit aller Kraft einsetzen", erklärt der Bürgermeister.

Bürgermeister Ritsch wäre bereit für klärende Gespräche. Bild: VOL.AT/Mayer

Vogewosi überprüft Leerstand

Die Stadt sei nicht Eigentümer der Siedlung, sie habe nur das Wohnungsvergaberecht. "Zurzeit wird von der Wohnbauträgerin Vogewosi überprüft, ob und in welchem Ausmaß leerstehende Wohnungen nachzubesetzen und zu modernisieren sind", verdeutlicht Ritsch. Die Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft ist Haupteigentümer der Siedlung. "Ein großer Teil der leerstehenden Wohnungen wurde viele Jahre am Stück bewohnt und sich stetig verändernde Baustandards erfordern diese Prüfung, besonders aus brandschutztechnischer Sicht." Parallel dazu würden aber immer noch Wohnungsvergaben in Südtirolerwohnungen getätigt. Der Mietpreis in Altbauwohnungen sei eine Richtlinie, die der Bund festschreibe, die Stadt habe hier keinen Einfluss. "Ich habe aber in der Vergangenheit und tue dies auch jetzt, gegenüber Land und Bund betont, dass die Steigung von Mietpreisen gestoppt bzw. eingebremst werden muss", meint das Stadtoberhaupt.

"Jederzeit" bereit für Gespräch

"Frau Morscher, beziehungsweise die Initiative, hat sich bis heute nicht an die Stadt mit ihrem Anliegen gewandt", bestätigt Ritsch. "Selbstverständlich bin ich als Bürgermeister aber jederzeit zu einem klärenden Gespräch bereit, wenn dieser Wunsch besteht", gibt er zu verstehen. In Bregenz hätten alle Menschen die Gelegenheit, ihre Anliegen an den Bürgermeister zu richten. "Wieso Frau Morscher den Eindruck hat, die Stadt höre für mich beim Forum auf, weiß ich nicht. Im Augenblick sind wir nämlich gleich an mehreren Quartiersentwicklungsprojekten im Vorkloster und der Achsiedlung dran. Wenn die Initiative Interesse an einem Gespräch hat, dann kann sie sich gerne jederzeit bei meinem Büro im Rathaus melden", erklärt Michael Ritsch abschließend.

(VOL.AT)

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