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"In meinem Lokal sitzt der Arzt neben dem Rocker!"

Die "Rote Zora" auf ihrer Harley Davidson - noch immer fährt sie mit Leidenschaft Motorrad.
Die "Rote Zora" auf ihrer Harley Davidson - noch immer fährt sie mit Leidenschaft Motorrad. ©Frederick Sams
Dornbirn - Fallen die Worte "Rote Zora" oder geröstete Leber, kann es nur Eine geben! Die Engel-Wirtin "Gitte" Sulzmann im W&W-Talk.
Brigitte Sulzmann, die "Rote Zora"
NEU

Von: Lisa Purin/WANN & WO

WANN & WO: Der Engel im Dornbirner Oberdorf ist bereits in fünfter Generation. War dir klar, dass auch du einmal das Lokal deiner Eltern übernehmen würdest?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: In diesem Haus bin ich geboren, ich war einfach immer schon hier. Meine Mutter hatte damals den Engel und ich habe meinen Eltern immer geholfen – und das gerne. Später wollte ich um jeden Preis Fotografin werden, aber meine Optionen waren die Gastgewerbe-Schule oder die kaufmännische Berufsschule. Meine Schwester entschied sich für die kaufmännische Schule, weshalb mir nur noch das Gastgewerbe übrig blieb. Aber ich war immer schon die „Geschwätzigere“ von uns. 1982 habe ich den Engel übernommen und war 30 Jahre lang die „Chefin“ in vierter Generation. Ach, die Zeit vergeht. Männer hatten hinter der Theke nie etwas verloren. Der Engel war immer in Frauenhand und ist es, mit meiner Nachfolgerin Heidi, heute noch!

WANN & WO: Trifft man sich im Engel, sind vor allem am Dienstagabend zahlreiche Ländle-Promis zu Gast.

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Ja, Hanno Pinter von den Monroes und Christian Holzknecht sind beispielsweise richtig gute Freunde von mir, auch Manuel Schwarz gehört hier dazu. Der fliegt immer dienstags nach Vorarlberg, um sofort in den Engel einzukehren (lacht). Übrigens wird dienstags immer musiziert! Da sitzt dann Christian Holzknecht am Banjo, Hanno Pinter an der Gitarre und jeder, der möchte, kann mit uns zusammen musizieren.

WANN & WO: Wie kam es eigentlich zu deinem Spitznamen „Rote Zora“?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Durch Helmut Girardelli, der kam damals immer und sagte „Rote Zora“, das ist mir irgendwie geblieben. Ich kann mich an eine Geschichte erinnern, als zwei Finnen zu mir in den Engel kamen und ich ihnen Kässpätzle servierte. Ein paar Jahre später reiste ich nach Prag auf ein Motorradtreffen. Plötzlich rannte eine Frau auf mich zu und schrie „Rote Zora, Rote Zora!“. Ich dachte mir, hat die einen Schuss? „Finnland, Finnland! Kässpätzle“, rief sie nur noch. Die hat mich wohl an meinen roten Haaren wieder erkannt (lacht).

WANN & WO: Welche legendären Engel-Partys sind dir in Erinnerung geblieben?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Alle Abende hier sind wild! Legendär war aber sicher die jährliche Weihnachtsparty für Väter mit Kindern. Der Laden war immer komplett voll, um 17 Uhr hörten wir auf auszuschenken, doch irgendwie hat das nie so ganz geklappt. Einmal ging ich nach Weihnachten in die Metzgerei, als eine Frau auf mich zu kam und zu mir sagte, dass sie mich hassen würde. Als ich sie nach dem Grund fragte, antwortete sie: „Mein Mann sitzt wegen dir jedes Jahr besoffen unter dem Weihnachtsbaum!“ Dann dachte ich mir okay, das geht nicht mehr und habe für Singles und Alleinstehende Partys zu Weihnachten und Silvester gemacht. Meistens bin ich dann zusammen mit ein paar Männern im Engel gesessen, das war auch immer lustig.

WANN & WO: Kannst du dich noch an die Anfänge in deinem Lokal erinnern?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Als ich den Engel damals übernahm, war es noch eine richtige Motorrad-Kneipe, wie man sie kennt. Da standen dann 30 bis 40 Motorräder vor der Tür. Das hat sich allerdings etwas geändert, und eigentlich finde ich es gut, dass es heute so gemischt ist. Im Engel sitzt der Arzt neben dem Rocker, die 20-jährigen neben den Senioren.

WANN & WO: Kommt es da auch ab und an zu Problemen?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Sowas wie Schlägereien hatten wir noch nie. An Weihnachten habe ich beispielsweise der Polizei immer etwas vorbei gebracht. Die haben sich jedes Jahr darüber gewundert, warum bei mir alles ruhig ist. Meine Antwort war dann immer: „Tja, i bin halt a Giftige“ (lacht). Das hat aber auch damit zu tun, dass hinter der Bar immer nur Frauen stehen. Bei Männern sind Störenfriede viel aggressiver, als bei Frauen. In den 30 Jahren, die ich hinter der Theke stand, musste nur einmal die Polizei kommen! Allerdings trug da kein Vorarlberger Schuld, sondern ein Schweizer, der hier etwas gestänkert hat.

WANN & WO: Warum hast du nach 30 Jahren deinen Job an den Nagel gehängt?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Ich bin mittlerweile zu alt, ich habe die Nerven nicht mehr dafür. In den letzten Jahren bin ich unheimlich ruhig geworden. Am liebsten verbringe ich die Zeit in meinem Garten und laufe drei Stunden täglich mit meinen Hunden. Das muss man machen, um gesund zu bleiben. Heute habe ich ein total anderes Leben. Früher war ich jede Nacht im Engel, habe geraucht, gesoffen und Party gemacht. Jetzt ist alles anders – das gefällt mir wahnsinnig gut. Ich kann die Leute nicht verstehen, die in der Rente einen regelrechten „Pensions-Schock“ haben. Dann waren die davor eben auch schon langweilig. Ich habe viele Hobbys und bin immer mit meinen „Hündle“ unterwegs. Das ist jetzt mein Leben.

WANN & WO: 1986 warst du als „VBG. First-Motorrad-Lady“ auf dem Cover einer Zeitschrift. Fährst du heute immer noch?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Mit meinem Motorrad war ich in ganz Europa unterwegs, und ja, wahrscheinlich auch als eine der ersten Frauen in Vorarlberg. Ich war auch in Motorradclubs, meistens nur Männer und ich. 24 Mal war ich schon in Daytona Beach (USA), auf dem größten Motorrad-Treffen. Meine Harley Davidson starte ich immer noch regelmäßig. Das ist meine Leidenschaft – und als Single-Lady kann ich ja tun und lassen, was ich will (lacht).

WANN & WO: Hättest du nicht gerne wieder einen Partner?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Ich war zwei Mal verheiratet – und ich möchte diese Zeit auch nicht missen. Das sind auch heute noch feine Kerle, ich würde alles wieder genauso machen. Aber heute genieße ich mein Single-Leben in vollen Zügen. Mir geht’s einfach richtig gut. Ich habe meine Ruhe, mir fehlt es an nichts. Wenn dir als Single etwas fehlt, musst du dir wieder einen Mann zulegen. Aber ich hatte vierzig Jahre lang Männer, jetzt bin ich alleine happy. Ich habe mich dazu entschieden, mein Leben mit Hunden zu verbringen!

WANN & WO: Deine Hunde kommen aus Gran Canaria – auswandern kam für dich nie in Frage ?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Überlegt habe ich mir das schön öfters. Es wäre mein Traum, ehrenamtlich in einem Tierheim zu arbeiten. Aber ich mag die Hitze einfach nicht. Ich würde sterben, hätte unheimlich Heimweh nach Vorarlberg. Deshalb bleibe ich lieber hier und achte darauf, dass ich gesund bleibe. Ich denke, das ist das Wichtigste im Leben. Ich hoffe, dass alle meine Hunde vor mir sterben. Das wäre sonst ein Elend, wenn ich vor denen gehen würde.

WANN & WO: Die Pfoten deiner Hunde hast du dir kürzlich auf deiner Haut verewigt. Hast du auch noch andere Tattoos?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Ich habe ein paar kleine Sachen, eigentlich immer schon. Aber früher war das natürlich noch anders, da hat man die Tattoos verdeckt. Wer tätowiert war, wurde abgestempelt. Ich war die harte Rocker-Braut (lacht). Aber auf die Meinung der anderen habe ich immer schon geschissen.

WANN & WO: Wie feierst du im September deinen 70. Geburtstag?

Brigitte „Gitte“ Sulzmann: Meine Freundinnen würden gerne wieder eine fette Party für mich schmeißen. Ich stehe allerdings nicht mehr so gerne im Mittelpunkt. Mal sehen, ob ich mich noch überreden lasse oder mit meinen Lieblingen einfach irgendwohin abhaue.

Wordrap

Sex, Drugs & Rock ‘n‘ Roll: Abgesehen von Drugs, wichtig!
Gastwirt sein: Leidenschaft.
Geröstete Leber: Mach ich anscheinend die beste.
Amerika: Urlaub.
Die Farbe rot: Signalfarbe.

Zur Person

Name: Brigitte Sulzmann, „Gitte“ oder „Rote Zora“ (69) Geboren: 26. September 1948 Wohnort: Dornbirn Werdegang: Engel-Wirtin in Dornbirn/Oberdorf Familienstand: „Ich bin ein glücklicher Single“

(WANN & WO)

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