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In den Bergen zuhause

Lech - Die "Kristl von der Post" ist eine Legende. Weit über Lech hinaus.

Kristl Moosbrugger kommt gerade von einer Skitour am Arlberg zurück. Die herzliche Gastronomin hat ihr Leben in den Bergen verbracht. Aufgewachsen ist sie allerdings nicht in Lech, sondern in St. Anton. Ihre Eltern hatten ebenfalls einen Hotelbetrieb. Da war es naheliegend, dass sie die Hotelfachschule in Innsbruck aufsuchte. Durch ein Praktikum im Hotel Post in Lech im Sommer 1961 lernte sie ihren zukünftigen Ehemann, Franz Moosbrugger, kennen. Während sie in Lech Hotelerfahrung sammelte, war dieser jedoch in Kanada. So kam es erst Monate später zu einem ersten Treffen. „Seine Mutter hat uns miteinander bekannt gemacht“, erzählt sie.

Hochzeit und Hotel

Drei Jahre später heirateten die beiden. „Es ist schon ein großes Glück, wenn man als Frau jemand findet, der die Berge genauso liebt. Man weiß ja nie, in wen man sich verliebt. In einer Großstadt wäre für mich sicher nicht der richtige Platz gewesen“, meint sie. 35 Jahre lang arbeitete Moosbrugger in der Post. „Die Arbeit war oft hart. Wir haben zwei Saisonen, das heißt elf Monate volles Engagement“, sagt sie. Im Haus hat sie fast alle Stationen durchlaufen.

Als ihr Mann 1988 durch ein tragisches Unglück im Himalaya stirbt, übernimmt sie die Hotelleitung alleine. „Das war schon an der Grenze des Möglichen“, sagt Moosbrugger. Doch sie nimmt die Herausforderung an. 1990 wird sie als erste Frau „Hotelier des Jahres“. „Das war natürlich eine große Bestätigung“, meint sie rückblickend. Neun Jahre später, zeitgleich mit der Übergabe der Geschäftsführung an ihren jüngsten Sohn Florian, wird sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. „Das war ein sehr schöner Abschluss meiner beruflichen Laufbahn.“ Die Unterstützung ihrer drei Kinder half ihr dabei sehr. „Durch den Schicksalsschlag wurden auch sie früh ins Erwachsenenleben geholt“, erzählt sie. In Erinnerung ist ihr ein Satz ihres jüngsten Sohns Florian geblieben. Er sagte damals: „Mama, wir lassen dich nicht alleine.“ Das taten sie auch nicht. Mindestens ein Kind half immer im Betrieb mit.

Hotel weiter Familienbetrieb

Das Hotel leitet seit gut zehn Jahren ihr Sohn Florian. Trotzdem sieht man seine Mutter dort noch nahezu jeden Tag. „Schließlich wohne ich noch im ersten Stock“, erklärt sie. Aus dem Geschäft hält sie sich so gut es geht heraus. Ganz einfach war das nicht. „Wenn man 35 Jahre lang Chefin war, kann man nicht einfach von heute auf morgen den Mund halten. Die Macht aus der Hand zu geben, ist das Schwierigste. Man muss aber akzeptieren, dass man nicht mehr die erste Geige spielt“, sagt sie. Immer noch unterwegs Langweilig wird Moosbrugger auch im Ruhestand nicht. Sie engagiert sich ehrenamtlich. So half sie in Nepal ein Krankenhaus aufzubauen. Zudem ist sie Präsidentin des Vereins „Global Family Charity Resort“. Er setzt sich dafür ein, dass auch bedürftige Familien Urlaub machen können. Wenn sie nicht im Hotel ist, ist die rüstige 67-Jährige im Freien. Im Sommer spielt sie Golf und fährt Rad. Das Klettern musste sie mittlerweile aufgeben. Im Winter fährt sie Ski und geht auf Skitouren. Ihre Künste kann sie bald unter Beweis stellen. In einer Woche nimmt sie wieder am mittlerweile legendären Lecher Rennen „Der Weiße Ring“ teil. Vor zwei Jahren belegte sie den dritten, im vergangenen Jahr den zweiten Platz. „Dann kann es ja heuer nur besser werden“, meint Moosbrugger fröhlich.

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