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In Amstetten kehrt allmählich Ruhe ein

Am vierten Tag nach Bekanntwerden des Inzest-Falls von Amstetten ist in der Bezirksstatt im westlichen Niederösterreich am Donnerstag zumindest oberflächlich Ruhe eingekehrt.

Die Ermittlungen liefen wegen des Feiertags – 1. Mai, zugleich Christi Himmelfahrt – in eingeschränktem Rahmen. Der Großteil der internationalen Medienvertreter hatte sich zurückgezogen, Einheimische nutzten den Tag zum Kirchgang.

“Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen”, sagte Pfarrer Peter Bösendorfer in seiner Predigt. “Wir stehen alle unter den Eindrücken der Ereignisse der vergangenen Tage. Unsere Gefühle, die uns durch diese schreckliche Tat umgeben, können wird nicht wegschicken, sie sollen Platz haben.” Der 73-Jährige Josef F. war Samstag unter dem Verdacht verhaftet worden, seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies seines Wohnhauses eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben. Drei lebten bei F. und dessen Ehefrau, drei bei der Mutter im Keller. Der Fall flog durch die lebensgefährliche Erkrankung einer von ihnen auf.

Primarius Berthold Kepplinger, ärztlicher Direktor der Sonderkrankenanstalt Amstetten-Mauer, hat am Donnerstag neuerlich darauf verwiesen, dass der körperliche Zustand der sieben Familienmitglieder, die sich dort befinden, “relativ gut” sei. Jene Opfer, die bis zu 24 Jahre in Gefangenschaft verbringen mussten, werden laut Kepplinger langsam (wieder) an das Tageslicht gewöhnt. Außerdem gehe es darum, “Raumorientierungsstörungen Schritt für Schritt auszugleichen. Wir sind überzeugt, dass dies in den nächsten Wochen gelingen wird “, so der Primarius. Das Krankenhaus hat unterdessen einen Wachdienst eingerichtet, nachdem aufdringliche Kameraleute in das Krankenhaus eingedrungen waren.

Unverändert ist laut Primarius Albert Reiter, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Landesklinikum Amstetten, der Zustand – “kritisch, aber stabil” – der vermutlich 19-jährigen Tochter von Elisabeth F. (42). Die junge Frau befinde sich weiterhin im künstlichen Tiefschlaf, werde beatmet und erhalte eine Nierenersatztherapie sowie Antibiotika.

Kriminaltechniker prüfen nun, ob die Angaben von Josef F., wonach sich die elektronisch gesicherte Stahltür zum Verlies im Fall seiner Abwesenheit nach einer bestimmten Zeit selbsttätig geöffnet hätte, der Wahrheit entsprechen. Darüber hinaus untersuchen sie den Wahrheitsgehalt einer weiteren Aussage des Vaters von Elisabeth F., wonach für den Fall, dass ihm etwas zustoße, Gas in das Verlies strömen würde. Diese Drohung wäre möglicherweise eine Erklärung dafür, warum die Gefangenen nie wagten, den Mann zu überwältigen.

Franz Polzer, Leiter der Kriminalabteilung (KA) Niederösterreich, betonte, dass es weiterhin keinerlei Hinweise auf Mitwisser und Mittäter gebe. Spekulationen, dass die Ehefrau des 73-Jährigen Josef F. von dem Verlies wusste, bezeichnete der Kriminalist als unfair gegenüber der 68-Jährigen. “Das ist eine Sache, die sich nicht in das normale Denkvermögen einfügen lässt”, meinte Polzer.

Der KA-Leiter hielt sich nach eigenen Angaben am Mittwoch zum ersten Mal in dem von den Medien als “Horror-Haus” bezeichneten Gebäude der Familie F. auf. “Der Verdächtige war der perfekte Heimwerker”, gab Polzer seine Eindrücke wieder. “Er hatte sogar begonnen, einen Indoor-Pool in dem Gebäude zu bauen.”

Das Video eines Münchners, das Josef F. laut Medienberichten bei einem Thailand-Urlaub zeigt, befindet sich noch nicht im Besitz der Ermittler. “Das hat für uns aber gar nicht oberste Priorität”, sagte Polzer. “Wenn der Verdächtige vielleicht für zwei Wochen nicht anwesend war, hätte das angesichts der Ausstattung des Kellers mit Vorräten und Kühlschrank nicht bedeutet, dass die darin lebenden Menschen nicht mit Nahrungsmitteln versorgt gewesen wären. Eher wäre ein Stromausfall eine Gefahr gewesen”, meinte der KA-Leiter.

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