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Im Kampf gegen Ausgrenzung

©VN/ Roland Paulitsch
Bregenz - Seit Sonntag läuft die Welt-Aids-Konferenz in Wien. Renate Fleisch, Leiterin der Aids-Hilfe Vorarlberg, ist vor Ort.

Es ist eine der größten Veranstaltungen, die Wien je gesehen hat. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton ist nur einer von mindestens 25.000 Wissenschaftlern, Betroffenen und Vertretern von Einrichtungen, die sich vom 18. bis 23. Juli zur Welt-Aids-Konferenz „AIDS 2010 – Rechte hier und jetzt“ in der Bundeshauptstadt treffen. Auch Renate Fleisch, Leiterin der Aids-Hilfe Vorarlberg, ist dieser Tage vor Ort. „Die Veranstaltung ist von enormer Wichtigkeit, denn sie trägt dazu bei, dass sich die Menschen wieder mit der Thematik beschäftigen. Das Thema Aids wird auf eine andere Ebene gehoben. Nicht die Probleme stehen im Vordergrund, sondern es geht um Solidarität mit den Betroffenen, um Spaß und Party“, sagt Fleisch. Seit sechs Jahren engagiert sich die umtriebige 51-Jährige für HIV-Postive und Aids-Kranke in Vorarlberg: „Es braucht gesellschaftspolitisches Engagement, um etwas erreichen zu können. Und die Aids-Hilfe steht genau dafür.“

Anonym und kostenlos

1983, zwei Jahre nach dem ersten Aids-Fall in Österreich, wurde die erste Aids-Hilfe in Wien gegründet. In Vorarlberg besteht der gemeinnützige Verein, der sich durch Gelder aus dem Gesundheitsministerium, dem Land Vorarlberg und Spenden finanziert, seit 1986. „Dass wir ein eigenständiger, gemeinnütziger Verein sind, ist für die Betroffenen sehr wichtig. Bei öffentlichen Stellen haben viele Angst, dass sie nicht anonym betreut und ihre Daten weitergegeben werden“, erläutert Renate Fleisch. Auch vom Life-Ball bekommt die Stelle jedes Jahr Gelder, die direkt an die Betroffenen weitergegeben werden. „Das Leben ohne HIV ist schon schwer, mit HIV verkompliziert es sich um ein Vielfaches“, beschreibt sie die Situation von infizierten Menschen. „Viele Betroffene leben an der Armutsgrenze.“ Die Aids-Hilfe Vorarlberg betreut derzeit 135 Klienten in allen Lebenslagen, führt jährlich zwischen 500 und 600 anonyme und kostenlose HIV-Tests durch. Im vergangenen Jahr organisierten Fleisch und ihr Team zudem 178 Präventionsveranstaltungen sowie Workshops und führte über 1000 Beratungsgespräche durch.

Offener Umgang

Der jüngste Klient ist drei Jahre alt, der älteste 84. „Es ist schon lange vorbei, dass Schwule und Drogensüchtige die Hauptrisikogruppe sind. Heutzutage sind 40 Prozent der Infizierten Heterosexuelle ohne Drogenerfahrung“, räumt Fleisch mit einem Vorurteil auf. Von der Welt-Aids-Konferenz erhofft sich die Geschäftsführerin einen starken Impuls für die Situation HIV-Positiver und Aids-Kranker in Österreich sowie einen offeneren Umgang mit Sexualität und den verschiedenen Lebensmodellen. Denn noch immer werden HIV-positive Menschen diskriminiert. „Wir raten unseren Klienten, sich nach der Diagnose genau zu überlegen, wem sie davon erzählen“, weiß Renate Fleisch aus Erfahrung, dass sich viele „Freunde“ nach dem Outing von den Betroffenen abwenden. „Um die Klienten nicht in unangenehme Situationen zu bringen, treten unsere Sozialarbeiter auch nie als solche in der Öffentlichkeit und den Medien auf.“ Auch sie selbst ist immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. „Ihr von der Aids-Hilfe macht das nur, weil ihr selber betroffen seid.“ Oder: „Nimmt der Doktor schon eine saubere Nadel?“, bekommt sie immer wieder zu hören. Die Diagnose HIV ihren Klienten mitzuteilen, stellt Fleisch auch nach Jahren immer wieder vor eine Herausforderung: „Es ist sehr schwierig, das mitzuerleben“, fühlt sie mit dem Schicksal der Betroffenen mit. Ausgleich findet die Powerfrau bei ihren Pferden: „Die erden unglaublich“, sagt sie.

ZUR PERSON

Dr. Renate Fleisch leitet seit sechs Jahren die Aids-Hilfe Vorarlberg

Geboren: 18. Juli 1959 Wohnort: Ludesch

Ausbildung: Sozialakademie Bregenz, Pädagogik- und Politikwissenschaftsstudium in Innsbruck (Doktorat)

Laufbahn: Jugendarbeit, Sozialarbeit, feministische Frauenarbeit

Familie: verheiratet

Hobbys: Reiten, Wandern, Lesen

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