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„Ich träume schon auf Deutsch“

Ali Khavari (im Bild mit Thomas Kaiser) ist auch handwerklich geschickt.
Ali Khavari (im Bild mit Thomas Kaiser) ist auch handwerklich geschickt. ©OJAD
 Ali Khavari spricht über sein Leben, die Ausbildung zum Jugendarbeiter und mehr.
Ali Khavari

 

Dornbirn. Der Weg war weit und das Ziel ungewiss. Dass Ali Khavari im Jahr 2015 von Afghanistan über den Iran – wo er hoffte, zu bleiben – schließlich nach Dornbirn kam, war dem Zufall geschuldet. Seine erste Adresse hier war Bildgasse 12, wo 180 meist junge Geflüchtete, zusammengewürfelt aus verschiedenen Ländern, wohnten. „Dreimal am Tag gab es ein Essen und sonst konnten wir absolut nichts tun“, erinnert er sich an den schwierigen Anfang. Zweifel und Ängste waren seine ständigen Begleiter, psychische Probleme die Folge davon. Auch diese bittere Erfahrung lässt er im Gespräch nicht aus.

Unterkriegen ließ sich Ali nicht und auf das, was er inzwischen erreicht hat, ist er stolz. „Ich lernte Sebastian Mischitz, einen Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit Dornbirn kennen“, sagt Ali. „Sebastian war Leiter des Projekts welcome.zu.flucht und auf der Suche nach einem Dolmetscher, der Dari und Farsi verstand und sprechen konnte“, erzählt Ali in gutem Deutsch. Als Übersetzer hatte sich der mittlerweile Dreißigjährige mit seinen Englischkenntnissen während der Flucht bereits nützlich gemacht. Wann immer er helfen konnte, tat er es – zum Beispiel im griechischen Flüchtlingslager. Und auch später im Burgenland, wo er und viele andere, eingepfercht in einem Auto, am 12. August 2015 ankamen und aussteigen sollten. „Wir waren fast bewusstlos, hatten dem Schmuggler viel Geld bezahlt, um uns mit Wasser und Nahrung zu versorgen und nach Deutschland zu bringen. Erst als uns die Polizei aufgriff wurde klar, dass wir in Österreich waren.“ Durch eine Mitarbeiterin der Diakonie bekam er schließlich die Möglichkeit, mit einem Bus nach Dornbirn zu fahren.

Berufsausbildung und Jobzusage

Inzwischen lernte er also Deutsch und absolvierte eine Ausbildung zum Jugendarbeiter in Schloss Hofen. „Ich bin hier gut integriert“, fühlt er sich von Kollegen und Bewohnern in Dornbirn familiär aufgenommen. Seine ehrenamtliche Tätigkeit in der mobilen Jugendarbeit der OJAD und Dienste für Menschen, die Hilfe brauchen, machen ihm Freude. Sie zeigen ihm, dass er geschätzt wird, da und dort sogar unentbehrlich ist. Eine fixe Jobzusage von Martin Hagen (GF Offene Jugendarbeit Dornbirn und Obmann der koje – Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung) bezeichnet Ali als wichtigsten Anker für den Start in ein neues Leben. Die VN-Heimat berichtete darüber. Hier zu bleiben, ist Alis größter Wunsch. „Ich träume sogar schon auf Deutsch“, nennt er schmunzelnd seinen Beweis, wirklich angekommen zu sein. Und dennoch plagen ihn Sorgen. Derzeit wartet er darauf, dass ihm das humanitäre Bleiberecht zugesprochen wird. Die Ungewissheit lässt ihn manchmal fast verzweifeln. Und das, obwohl er zahlreiche Nachweise vorlegt, die ihn hier zum wertvollen Mitglied der Gesellschaft machen.

Eine Rückkehr nach Afghanistan sei für ihn keine Option: „Wir sind Hazara und Schiiten“, erklärt Ali Khavari die Zugehörigkeit seiner Familie. Diese Ethnie – eine Minderheit in Afghanistan – werde von jeher von den radikalen Islamisten verfolgt und getötet. Schon in der Schule und später bei der Arbeit habe er das mitgekommen. Repressalien und Morddrohungen habe er nicht nur in seiner Herkunftsstadt Herat zu befürchten. Ein Entkommen sei auch in anderen Teilen des Landes nicht möglich, denn „man erkennt uns am Gesicht mit kleinen Augen und kurzer Nase“.

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