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"Ich kann leider keine Patentlösung anbieten"

Biochemie-Professor Klaus Hahlbrock referierte im Medienhaus zum Thema Klima und Nahrungsknappheit.

Derzeit leben etwa sechs Milliarden Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern und eine Milliarde Menschen in Europa und Nordamerika. Fast eine Milliarde dieser Menschen leidet an Unterernährung. Viele von ihnen verhungern, während die Bevölkerung weiterhin wächst. Der renommierte Biochemie-Professor Klaus Hahlbrock referierte im Medienhaus zum Thema und seinem gleichnamigen Buch „Kann unsere Erde die Menschen noch ernähren?“ und versuchte auf diese Frage Antworten zu geben.

„Leben auf Kosten anderer“

Bevor jedoch entschieden werden könne, was getan werden muss, solle zur Kenntnis genommen werden, dass Faktoren wie die Industrie, Biosprit und die Auslaugung der Böden der natürlichen Vegetation der Erde – so etwa Klima, Luft, Wasser, Boden oder Biodiversität – in großem Ausmaß schade. „Wir leben ganz massiv auf Kosten der folgenden Generationen“, betonte der Experte. Wenngleich (Schein-)Erfolge wie Wachstum und eine stetige Steigerung der Technik verbucht werde, sinken die Ökostabilität, die Boden- und Wasserqualität, Ressourcen sowie die soziale Stabilität bzw. Solidarität drastisch. „Das Wachstum dieser (Schein-)Erfolge kann einfach nicht unendlich sein. Wenn so weitergemacht wird, kommt es irgendwann zum Kollaps“, führte Hahlbrock aus. Während die landwirtschaftliche Produktivität außerhalb Europas abnehme, wachse die Bevölkerung dennoch.

Paradoxon

Zudem seien viele dieser Entwicklungs- und Schwellenländer wirtschaftlich von uns abhängig „oder wir importieren ihren Kaffee, für dessen Produktion von einem Kilogramm mehrere tausend Liter Wasser verbraucht werden – während die Wasserressourcen weltweit schwinden“, weiß der Fachmann. Dieses schwer zu verstehende Paradoxon sei bei Weitem nicht das einzige: „Die tropischen Regenwälder, die praktisch unberührt sind, werden fortlaufend maschinell abgeholzt, obwohl sie die Klimastabilisatoren per se sind“, so Hahlbrock. Auf den abgeholzten Flächen werde Soja, Mais und Zuckerrohr gewonnen, die unter anderem für die übermäßige Fleischproduktion, sprich zur Fütterung der Tiere, verwendet werden. Weltweit würden an die 30 Milliarden Nutztiere gehalten – „weit mehr als es Menschen gibt“, führte der Experte aus. Satte 30 Prozent der Weltgetreideproduktion würde als Futter für die Tiere verwendet werden. Der CO2-Verbrauch dessen – etwa für Transport und Verarbeitung – sei exorbitant.

Gegenwirkende Maßnahmen

Dass so nicht weitergemacht werden kann, liegt für Hahl­brock auf der Hand. Als gegenwirkende Maßnahmen nennt er Schlagworte wie fairen Welthandel ohne einseitige Diskriminierung, verbesserte Anbaubedingungen und In­frastruktur in Schwellen- und Entwicklungsländern, internationale Hilfe zur Selbsthilfe der Entwicklungsländer, ökologische Landwirtschaft, pflanzliche Nahrungsmittel statt Massentierhaltung sowie bessere Ausbildung, medizinische Versorgung und Zugang zu Kleinkrediten in Entwicklungsländern.

„Keine Patentlösung“

Auf die Frage, wie der von Hahlbrock angesprochene Bewusstseinswandel innerhalb der Gesellschaft schnellstmöglich umgesetzt kann, antwortet er: „Ich kann darauf leider keine Patentlösung geben, die Beendigung der Massentierhaltung würde jedoch schon viel helfen.“ Vor allem die Jugend betont er als wichtige „Zielgruppe“, die in der Schule vermehrt auf den Klimawandel und dessen weitreichende Folgen aufmerksam gemacht werden müsste. „Meiner Meinung nach ist das Umweltbewusstsein immer mehr im Kommen. Es ist zwar eine Utopie, dass der Bewusstseinswandel in allen Köpfen vor sich geht, aber dennoch sehe ich in den letzten Jahren einen enormen Schwung in Richtung Bioprodukte. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben“, meint der Fachmann und endete seinen Vortrag mit dem Zitat des deutschen Lyriker und Theologen Angelus Silesius (gest. im Jahr 1677) „Mensch, werde wesentlich.“

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