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"Ich bekam schon immer Gegenwind"

©Sams
Bernhard Amann spricht im W&W-Sonntags-Talk über Rebellion, seine Verhaftung als Betreiber eines Piratensenders, seine Familie, das „Sex & Hopp“ und seinen Rücktritt vom Rücktritt aus der Politik.  

von Harald Küng/Wann & Wo

WANN & WO: Herr Amann, Sie sind – wenn ich das so sagen darf – in Vorarlberg bekannt wie ein bunter Hund und gelten als Berufsrebell. Das Widerständische liegt tief in Ihrer DNA verwurzelt, kann man das so sagen? 

Bernhard Amann: Ja, das Widerständische habe ich mir immer beibehalten, allerdings haben sich meine Strategien über die Jahzehnte durchaus geändert. Man wird mit dem Alter gelassener und neigt auch durchaus zu mehr Harmonie. 

WANN & WO: Ihr Vater war langjähriger ÖVP-Bürgermeister in Hohenems, Sie der junge Wilde in der Familie. Wie ging das zusammen?

Bernhard Amann: Ich glaube, dass meine Familie insgesamt etwas verhaltensoriginell war und ist. Für mich persönlich gilt – und das habe ich  von Christoph Schlingensief übernommen: Man kann die Menschen – auch sich selbst – nur im Kleinen verändern. Ich war in meinem Leben immer ordentlichem Gegenwind ausgesetzt, aber meine Beharrlichkeit hat mir und meinen Mitstreitern in vielen Dingen geholfen, etwa beim Aufbau der Jugend- und Kulturzentren im Land, des Suchthilfesystems, der Installation eines Freien Radios. Man lernt natürlich immer dazu. Aber man sollte sich seine Ideologie, seinen Charakter beibehalten. Das war mir immer sehr wichtig. Mein Motto lautet seit jeher: Arsch hoch!

WANN & WO: Werfen wir einen Blick zurück auf Ihre Sturm- und Drang-Phase. Sie wollten ja unter anderem einst Landeshauptmann Kessler stürzen.

Bernhard Amann: (lacht) Ja, ich war von 1970 bis 1972 in der jungen Volkspartei. Das Vorhaben ging bekanntermaßen schief, dann haben wir uns vertschüsst. Für mich war dieser Lebensabschnitt dann gegessen. Im Anschluss starteten wir unsere Jugendhausinitiativen,  begannen mit dem Erkämpfen von Freiräumen für die Jugend – alles ehrenamtlich. Dann kamen die Rock- und Blueskultur dazu, Hardrock, die Punkkultur. Da wurden die Jugendzenren dann etabliert. Uns ging es einfach darum, den Konservativismus im Ländle aus den Köpfen zu sprengen. Das war natürlich mit Widerständen verbunden. Ende 70er, Anfang 80er haben wir dann erste Demos veranstaltet, in Bregenz, Dornbirn, und skandierten unter  anderem: „Haut dem Reagan, diesem Geier, seine Pershings in die Eier.“ (lacht) Wir sind da dann aber durchaus auch unter Druck gekommen. Parallel zur Jugendarbeit haben wir auch mit der Drogenarbeit in Vorarlberg begonnen – dazu gab es ja kaum eine Infrastruktur im Land. Mit dem späteren „Ex & Hopp“ schufen wir dann die erste niedrigschwellige Drogenberatungseinrichung in ganz Österreich. Am 25. September feiert das „Ex & Hopp“ nun bereits seinen 30. Geburtstag.

WANN & WO: Wie entstand eigentlich der Name „Ex & Hopp“?

Bernhard Amann: Ursprünglich arbeiteten wir unter dem etwas sperrigen Namen „Hilfe und Selbsthilfe für Drogenabhängige in Vorarlberg“. Eines Abends saß ich mit ein paar Freunden im damaligen Berg Isel in Bregenz. Wir hatten schon ein bisschen was getrunken und plötzlich rief einer: „Ex & Hopp“! Das passte. Eine Vorarlberger Zeitung hat das allerdings missverstanden und „Sex & Hopp“ geschrieben. Das kam im Land gar nicht gut an. (lacht) Da sind ein paar Leute richtig durchgedreht – dabei handelte es sich nur um ein Irrtum.

WANN & WO: Sie haben vorher bereits das Freie Radio Vorarlberg – heute bekannt als Radio Proton – erwähnt. Anfangs handelte es sich dabei um einen Piratensender. Sie wurden als Betreiber in der Schweiz einmal verhaftet. Wie erinnern Sie sich an diesen Zwischenfall?

Bernhard Amann: Das war brutal (lacht). Wir waren mit unserem Sender in Walzenhausen, von wo aus man am besten übers Rheintal senden konnte. Das war Anfang der 1990er. Die Schweizer Behörden waren im Umgang mit Piratensendern schon richtige Profis und haben uns auf dem Heimweg abgefangen. Ich bin dann aus dem Auto ausgestiegen und wollte meine Zigaretten aus der Hosentasche holen. „Hände aus der Tasche!“, brüllte mich der Polizist an, die Pistole auf mich gerichtet. Ich dachte schon, der erschießt mich gleich (lacht). Wir wurden dann verhaftet, sind aber wenig später für umgerechnet 1000 Euro Strafe wieder rausgekommen. Der Sender wurde leider eingestampft.

WANN & WO: Sie sind mehrfacher Familienvater. Schlägt der Nachwuchs in die selbe Kerbe wie der Herr Papa?

Bernhard Amann: Nein. Mein Jüngster, Pauli, ist jetzt zwölf Jahre alt. Er interessiert sich in  erster Linie für Computer. Meine Töchter heißen Hannah, Rebecca und Milena. Milena ist meine Erstgeborene. Sie lebt in Chicago und arbeitet grad an ihrer Doktorarbeit über die geflüchteten jüdischen Musiker während der Shoa. Sie ist mit dem jüngsten Professor der Universität Chicago verheiratet und wohnt ganz in der Nähe des berühmten Al Bundy-Brunnens in Chicago. Meine Frau lebt in Kärnten. Wir sind eine klassische Patchwork-Familie.

WANN & WO: Sie haben Vorarlberg immer als konservative Provinz wahrgenommen. Haben Sie schon einmal daran gedacht, das Ländle zu verlassen?

Bernhard Amann: Ja, und wenn ich es könnte, dann würde ich es auch tun. Partiell bin ich ja auch schon ab und zu in Kärnten bei meiner Frau. Aber dadurch, dass ich nun wieder kandidiere, hat sich das bis auf Weiteres ohnehin erledigt. Solange habe ich hier in Hohenems meinen Hauptwohnsitz, manchmal bin ich auch bei meiner Stieftochter in Götzis.

WANN & WO: Abschließend: Sie haben im März Ihren Rückzug aus der Politik bekannt gegeben. Wie Sie eben erwähnt haben, treten Sie in zwei Wochen mit neuer Liste aber doch wieder an. Warum?

Bernhard Amann: Mir taugt es einfach, wenn ich Menschen helfen kann. Und gerade während des Corona-Lockdowns sind viele Probleme der Menschen zum Vorschein gekommen – finanziell, psychisch, etc. Hüslebauer, die nun arbeitslos sind. Man muss einfach schauen, dass die überleben können.  Und weil das in Zukunft wohl noch viel schwieriger wird, war das für mich eine Motivation, doch noch einmal aktiv zu werden.

Kurz gefragt

Wann haben Sie das letzte Mal ­Cannabis konsumiert? Vor Jahrzehnten.

Was würden Sie als DJ auf einer Party auflegen? Gedichte von Charles Bukowski (lacht).

Was freut Sie? Wenn Probleme gelöst werden.

Und was ärgert Sie? Opportunismus.

Vervollständigen Sie folgenden Satz: Vorarlbergs Drogenpolitik ist...?... antiquiert und von hinter dem Mond.

Was bereuen Sie? Wenn ich Menschen mit meinen ­Worten verletzt habe.

Haben Sie anarchistische Züge? Ja, wenn es um wert- und sinnlose Gesetze geht.

Wird es noch einmal eine Ausgabe des Transmitters geben? Das hoffe ich sehr.

(WANN & WO)

Die aktuelle Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier.

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