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„I fühl mi hüt wie all“

Auf 100 ereignisreiche Jahre blickt Josef Marte zurück.
Auf 100 ereignisreiche Jahre blickt Josef Marte zurück. ©Privat/Karin Lässer
Josef Marte startet in sein 101. Lebensjahr
100. Geburtstag

In seiner gemütlichen Küche setzt sich nach einem Nickerchen Josef Marte an den Tisch und erzählt aus seinem Leben. Als erstes verlangt er aber von seiner Tochter Karin, die mit ihrem Mann Jürgen im Haus wohnt, sein Hörgerät. Er legt mit ruhigen Fingern eine neue Batterie ein, befestigt es im Ohr und lächelt zufrieden.

Nicht ganz ein Jahr nach dem Ende des ersten Weltkriegs erblickte Josef, der lang ersehnte Stammhalter nach zehn Töchtern des Landwirts Johann Georg Marte und seiner Frau Helene in Götzis das Licht der Welt. Seine Kindheit und Jugend hat er in guter Erinnerung, fühlte sich geborgen und es war für ihn selbstverständlich, in der Landwirtschaft von klein auf mitzuhelfen. Die Schulzeit verlief ohne große Aufregungen und es stand für ihn fest, dass er Landwirt bleiben wird. „Meine Heimat war ein Stück den Berg hinauf, das Haus steht nicht mehr, ,das haben die Mäuse gefressen‘“, lacht der Jubilar und seine Tochter wirft korrigierend ein ,eher der Bagger‘ Papa. 

Bis zum 21. Lebensjahr war Sepp zu Hause, dann wurde er einberufen und nach Kriegseinsätzen in Deutschland, Holland, Frankreich, Belgien und wieder Deutschland kam die Überstellung nach Italien zum Afrikacorps. Zu einem Einsatz kam es nicht mehr, da die sich die Truppen zurückziehen mussten. „In Ostfriesland kam ich in Gefangenschaft. Ich wurde sehr krank, bin in ein Lazarett in der Steiermark gekommen und am Silvesterabend 1945 war ich dann recht angeschlagen zu Hause.“

 

Lebensglück gefunden

Seine Familie war glücklich, ihn wieder auf dem Hof zu haben, zumal seine Eltern auch nicht mehr die jüngsten waren und jede Hilfe gebrauchen konnten. Er lernte Frieda Marte kennen, verliebte sich in die Nachbarin von etwas weiter oben und führte sie glücklich 1948 in der Herz-Jesu-Kirche in Bludenz vor den Traualtar. „Es waren magere Zeiten damals, das Essen haben wir von zu Hause mitgenommen. Eine Tante meiner Frau war Köchin, die hat für uns das Hochzeitsessen im Laternser Bädle zubereitet. Wir haben auch noch ein Auto aufgetrieben, mit dem wir hingefahren sind. Es war ein schönes Hochzeitsfest“, erinnert sich Sepp.

Im Haus seines Onkels, das der Vater übernommen hatte, richteten sich das Paar eine Wohnung ein. Das alte Haus wurde hergerichtet und mit einer Kuh eine Existenz gestartet. „Obwohl wir die Landwirtschaft nach und nach vergrößert haben hat es nicht gelangt, und so habe ich nebenher auch bei einigen Arbeitgebern dazuverdient. Im oberen Stock hatte ich auch viele Jahre eine Handstickmaschine mit der hübsche Tüchlein hergestellt wurden. Das hat meinem Sohn Josef sehr gefallen, so dass er Fachlehrer für Stickerei in der Textilschule Dornbirn wurde. Überhaupt bin ich stolz auf meine Kinder, Walter wurde Maschinenbauingenieur, Annemarie Volksschullehrerin und Karin Buchhalterin“, erzählt der Jubilar, der neunfacher Opa und vierfacher Uropa ist.

 

Arbeitsreiches Leben

Neben der Landwirtschaft und den Arbeitsstellen engagierte sich Josef Marte auch als Gemeindevorsteher für seine Mitbürger. Auf der Alpe Wäldle in Dornbirn war er zudem mit viel Engagement 20 Jahre Alpmeister. 

Freizeit gab es nicht viel, doch die wurde mit Besuchen, kombiniert mit Ausflügen, bei seiner Schwägerin Gisela in der Schweiz, Motorrad fahren und a klä umakurva ins Südtirol ausgefüllt. Auch mit einem befreundeten Ehepaar unternahmen er und seine Frau viel und Sepp pflegt noch immer Kontakt zu deren Kindern. Ausflüge mit den Senioren gehörten auch zum Freizeitprogramm, wie auch die Teilnahme an Messen im Altersheim, wo er den Chor anführte. „Sportlich war ich nur mit der Heugabel unterwegs“, lacht er.

Mit Frieda feierte er 1998 das goldene Hochzeitsjubiläum. 58 Jahre waren sie glücklich verheiratet und führten ein ausgefülltes Leben. „Nur zu viel Arbeit gab es“ wirft Sepp ein. Friedas Tod 2006 hat ihn sehr mitgenommen, doch mit der Unterstützung der Familie überwand er auch diese schwere Zeit.

 

Ruhiger Lebensabend

Rückblickend stellt Josef Marte fest, dass das Leben früher ruhiger war und man zufriedener gelebt hat, trotz der vielen Arbeit. Er interessiert sich für Politik und hofft, dass die Leute so gescheit sind und keinen Krieg mehr anzetteln, da das zwecklos wäre. Am Morgen freut er sich über eine Portion Riebel und sura Käs und seit 70 Jahren liest er begeistert die VN, bis auf den Sport, den überfliegt er. Bis auf Walter leben die Kinder mit den Familien in der Nähe und so profitieren alle von seinen guten Ratschlägen und den Inspektionen rund ums Haus, die er zu Fuß unternimmt. Pünktlich um 6 Uhr in der Früh steht der heimliche Chef des Hauses, Mörle die Familienkatze, vor seiner Tür und wartet auf ihr Futter, eine von den wenigen Aufgaben, die er übernimmt. Gerne würde er mehr tun, was ihn ab und zu ungehalten macht, da im Kopf noch vieles, aber körperlich nur weniges mehr geht, „wies halt ischt“, bemerkt er. 

So verbringt Josef Marte seine Tage umsorgt von seinen Kindern und seit kurzem auch von einer Pflegekraft, die 24 Stunden auf ihn schaut und ihn unterstützt. Nach seinen Wünschen gefragt meint er, er wünsche sich eine gute Sterbestunde und inzwischen zockalat er halt witr, so lange es Gott gefällt. 

So es seine Gesundheit erlaub, wird Josef Marte seinen Start ins 101. Lebensjahr mit der Familie im Gasthaus Mohren in Rankweil feiern, sonst treffen sich alle, die ihn kennen und schätzen und ihm alles erdenklich Gute wünschen bei ihm zu Hause.

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