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Hypnose statt Spritze?

"Du bist jetzt eine Maus - Räum' den Tresor beim Juwelier leer" - Bei dem Wort Hypnose denken viele Menschen an Manipulation, gefährliche Verführung oder ein Thriller-Drehbuch.

In der Realität wird der absichtlich herbeigeführte Trance-Zustand vielmehr in Psychotherapie und Medizin eingesetzt. Ein einfaches Beispiel ist die Schmerz- und Angstreduktion beim Zahnarzt. Was die suggestive Technik alles kann, soll beim elften europäischen Hypnose-Kongress für internationale Experten von 17. bis 21. September in Wien erörtert werden.

Völlige Schmerzfreiheit – problemlose Amputationen im 19. Jahrhundert ohne Qualen: Berichte über die Technik, mit der sich schon Sigmund Freud beschäftig haben soll, klingen abenteuerlich. Erklären lässt sich das ganze laut Kongresspräsident Giselher Guttmann anhand einfacher Funktionen im Gehirn. Die Aufmerksamkeit einer Person lässt sich von gelernten Hypnotiseuren wie ein Scheinwerfer auf bestimmte Hirnbereiche richten bzw. von dort ablenken, so der Wiener Universitäts-Psychologe bei einer Pressekonferenz zur Präsentation der Veranstaltung am Donnerstag in Wien.

“Schmerzreize gelangen so nicht über die Bewusstseinsschwelle, werden also nicht gespürt”, erklärte er. Laut dem Psychologen funktioniert das so, wie wenn man auf einem Sessel sitzt: niemand spürt einen Stuhl über die Haut merklich, solange er nicht darauf aufmerksam gemacht wird. Die dadurch ausgelösten Aktivitäten im Gehirn – ob ein Sessel gespürt wird oder nicht – seien mittels Elektroden physiologisch eindeutig messbar.

“Hypnose ist kein Schlafzustand, Hypnose ändert nicht dramatisch irgendwelche Faktoren – es ist ein fokussierter Zustand”, betonte Guttmann. Begonnen werde die Trance beispielsweise mittels Atemübungen, dann werde über Suggestion eine Assoziation mit bestimmten gedanklichen Bildern herbeigerufen, so Therapeutin Henriette Walter von der medizinischen Uni Wien. Als Selbsthypnose-Form wird – von der Grundstruktur betrachtete – beispielsweise auch autogenes Training beurteilt.

Wünschenswert wäre eine breitere Anerkennung von Behandlungen wie der Hypnotherapie oder der Trauma-Therapie EMDR (Eye Movement Desesitization an Reprocessing) sowie deren Integration in verschiedene Bereiche der Medizin und Psychotherapie, zeigten sich Experten bei der Pressekonferenz überzeugt. Dies würde das Gesundheitssystem entlasten und beispielsweise den Einsatz von Antidepressiva verringern.

Behandelbar seien unter anderem bestimmte Formen der Alkoholsucht, betonte Otto Lesch von der medizinischen Uni in Wien. Eine Studie habe ein 85-prozentige Erfolgsrate festgestellt. Weiteres mögliches Einsatzgebiet ist laut Anästhesist Herbert Sponring die Chirurgie. Bei mittels Hypnose eingeleiteten Narkosen seien Patienten ruhiger, hätten weniger Blutungen und Nebenwirkungen. Er selbst halte sogar einen völligen Verzicht auf Betäubungsmittel für möglich: “Vorstellbar ist jeder chirurgische Eingriff – vom Finger bis zum Bauchraum”, so der Mediziner. Er selbst habe bei einer mehrstündigen OP eine Stunde auf jegliche Narkose verzichtet.

Eine Hypnose funktioniert aber nicht immer. “Der Patient muss es akzeptieren und eine gute Bindung zum Arzt haben”, meinte Sponring. Der Glaube an die Wirkung sei wie bei jeder anderen Behandlung notwendig. Fazit der EMDR-Spezialistien Eva Münker-Kramer: “Man kann keine Wunder bewirken.”

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