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Hutwelker von Altach beurlaubt

Der Ländle-Bundesligist drängt auf eine Vertragsauflösung mit dem Deutschen. Ailton wünscht sich Ruhe.

Dass Vorarlbergs einziger Bundesligist, SCR Altach, in Zukunft den Gürtel enger schnallen wird und den 27-Mann-Kader verkleinern möchte, ist bereits bekannt. Erstes “Opfer” dieser Maßnahme ist der deutsche Legionär Karsten Hutwelker. Der Verein teilte dem 37-jährigen mit, in Zukunft nicht mehr mit ihm zu planen und den bis Sommer 2009 laufenden Vertrag auflösen zu wollen. Hutwelker darauf: “Vor allem der Zeitpunkt war sehr überraschend für mich, zumal ich mich fit gefühlt habe und der Mannschaft helfen wollte. Doch anscheinend passte ich nicht mehr ins Konzept vom Trainer. Eine richtige Begründung für die sofortige Beurlaubung konnte mir der Verein aber nicht nennen.”

Auflösungsvertrag

Altachs Sportlicher Leiter Christoph Längle nahm gegenüber den “VN” Stellung zum Ende der Zusammenarbeit. “Es waren für “Huti” die sportlichen Perspektiven in unserem Verein nicht mehr gegeben. Sein Alter, die lange Verletzung und die bescheidenen Einsätze im Herbst waren ausschlaggebend”. Nun gilt es für Hutwelker und dessen Berater gemeinsam mit dem Verein einen Auflösungsvertrag auszuarbeiten, der eine saubere Trennung verspricht. “Ich hoffe auf einen fairen Ablauf, denn die Zusammenarbeit in Altach war immer gut”, erklärt Hutwelker, der weiterhin als Profi tätig sein möchte.

Ein „Kugelblitz” hat Vorarlberg voll getroffen

 

Ailton. Dieser Name braucht keinen zweiten mehr. Dessen Träger ist der berühmteste Kicker, der jemals dienstlich in Vorarlberg war. 35 Jahre alt, Star des cashpoint SCR Altach und eine Marke für sich. Mit seinem breiten Kinn, dem schmalen Mund und den dicken Lippen. Und noch mehr als Typ. Ailton ist Ailton. Unverwechselbar, beliebt, begehrt, menschlich.

Sohn eines Farmers

Nur in seinem Pass steht mehr als bloß Ailton. “Ailton Goncalves Da Silva. Die letzten beiden Namen sind die Familiennamen meiner Eltern”, sagt der Brasilianer, der irgendwann einen zusätzlichen Namen bekam. “Kugelblitz” nannten sie ihn wegen seiner Figur, die ihn keineswegs vom Toreschießen abhielt. Dass Ailton ein super Fußballer und ein charismatischer Typ ist, weiß die ganze Welt. Was weiß man noch? Dass er als Sohn eines Landarbeiters im nordbrasilianischen Mogeiro aufwuchs, wahrscheinlich weniger. Die Erinnerungen an seine Kindheit bringen Ailton während eines Spazierganges am Alten Rhein bei Hohenems zum Erzählen. “Ich habe meinem Vater als Kind oft geholfen. Um sechs Uhr ist er aufgestanden, hat Früchte gepflückt, sich um das Vieh gekümmert. Es war eine harte Zeit. Wir sind eine Großfamilie. Ich habe vier Brüder und drei Schwestern.”

Luxus passé

Es ist die Lebensmission eines Brasilianers aus armen Verhältnissen, sich immer um seine Familie zu kümmern. Wenn er das kann. Ailton kann es und tut es. “Ich bin religiös. Ich danke Gott, dass ich es geschafft habe. Dass er mir diesen Körper und diese Fähigkeiten gegeben hat.” Früher, so bemerkt der vierfache Vater nachdenklich, “früher habe ich Luxus genossen. Immer neue Kleider, Uhren, andere Dinge. Heute ist mir das nicht mehr wichtig.” Warum er so eine Kultfigur geworden ist, die auch heute in Deutschland noch zelebriert wird, erklärt Ailton simpel. “Vielleicht weil man im meinem Gesicht immer Lebensfreude und Zufriedenheit ablesen kann. Ich war von 5 bis 35 ja auch stets zufrieden.”

Bremen sitzt tief

Ailton weiß, dass er eines Tages nur in seiner brasilianischen Heimat so richtig sesshaft werden kann. Obwohl ihm Bremen ebenfalls ans Herz gewachsen ist. Dort, wo er seine größten sportlichen Erfolge feierte. Wo ihm die sonst so kühlen Norddeutschen mit ungebrochener Zuneigung begegnen. “Wenn ich da hin komme, geht mein Herz auf. Dann werde ich ruhig und zufrieden.” Die Ruhe gefällt dem Goalgetter auch in Vorarlberg. “Früher hätte ich es hier nicht ausgehalten. Da wollte ich Städte. Bremen, Düsseldorf, Istanbul. Jetzt hat sich das allerdings geändert.” Was sich für den “Kugelblitz” nicht verändert hat, ist seine Einstellung zu den Fans. Er sieht sich als Fußballer, der gegenüber den Anhängern bestimmte Verpflichtungen hat. “Als Fußballprofi musst du dich den Fans stellen. Autogrammwünsche oder Fotos ohne Grund einfach zu verweigern – das halte ich für arrogant.” Ailton weiß noch nicht, wie es für ihn im Frühjahr weiter geht. “Ich habe ehrlich noch keine Ahnung. Ich weiß nur eines: Nach Ende der Herbstsaison werde ich mit meiner Frau zusammensitzen und meine grundsätzlichen Ambitionen besprechen.” Was er in gut zwei Wochen im Urlaub macht, weiß Ailton ganz genau. “Ich freue mich auf meine Farm in der Heimat. Auf meinen Pferdestall. Da stehe ich um sechs Uhr auf und mache Stallarbeit. Ganz alleine. In vollkommener Ruhe. Das wird schön.”

 

 

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