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"Hurra-Taktik" kein Allheilmittel

Der FC Lustenau will im 29. Erstliga-Derby gegen Lokalrivalen Austria auf die Erfolgsspur zurück.

Die Vorzeichen zum ersten Lustenauer Saisonderby (Freitag, 20.30 Uhr) könnten unterschiedlicher nicht sein. Nie zuvor in den letzten acht Saisonen war die Favoritenrolle so klar verteilt. Das wissen auch die Trainer, und dennoch lassen Helgi Kolvidsson und Hans Kogler im VN-Gespräch den Respekt vor dem Gegner nicht missen. Ebenfalls auffallend: Von den beiden letzten Derbys ist beim FCL an diesem Freitag mit Pius Simma (Bild) gerade einmal nur ein Spieler dabei.

 

Ihr Präsident sagte in einem Interview, der diesjährige Kader wäre sogar besser als der aus dem Vorjahr. Die nackten Zahlen sagen etwas anderes, weisen nämlich den zweitschlechtesten Saisonstart des FC Lustenau aus?

Hans Kogler: Vergleiche sind immer schwierig. Fakt ist: Im Vorjahr hatten wir eine erste Elf, die super harmoniert hat, heuer haben wir eine erste Elf, die zusammen noch nie auf dem Platz gestanden ist. An Qualität fehlt es also nicht, aber uns tun langfristige Ausfälle wie von Philipp Eisele oder Andrey Lebedev mehr weh als etwa der Austria. So sind wir seit der 1. Spielminute in dieser Saison eigentlich nur am Basteln. Etwa in der Abwehr: Piero Minoretti einmal außen, dann als Innenverteidiger, oder Mario Bolter, einmal Außenverteidiger, dann wieder innen. Das sind Probleme, die wir letzte Saison nicht hatten. Und wenn, dann erst im Frühjahr.

 

Mit welchem Rezept will man in der Tabelle von unten raus kommen? Denn vor acht Jahren, als man nach sieben Runden drei Punkte auf dem Konto hatte, stieg man schließlich ab.

Kogler: Es gibt kein Rezept, sonst würde man es nehmen und anwenden. Es kann letztendlich nur über Erfolgserlebnisse gehen. Das ist die beste Therapie für die Spieler. Wir im Trainerteam versuchen seit Wochen, positiv an das Ganze heranzugehen. Jetzt sind auch die Spieler gefragt. Auch diesbezüglich, dass sie mit ihren Leistungen selbstkritischer umgehen.

Sie haben eine sehr junge Truppe. Das Durchschnittsalter beträgt nicht einmal 22 Jahre. War es nicht sehr risikoreich, mit so einem unerfahrenen Kader in die Saison zu gehen?

Kogler: Aus der jetzigen Perspektive betrachtet muss ich sagen: Es war ein Risiko. Ein wenig Erfahrung würde uns in der momentanen Situation sicherlich guttun. Jung war der Kader aber auch im Vorjahr. Es war nur eine andere Zusammenstellung. Heuer sind es vier Kooperationsspieler von der Akademie, bleiben noch 20 Spieler. Davon sind fünf Ausländer, drei dürfen spielen, dann sind es noch 18. Davon müssen wir einen Tormann abziehen, macht 17 Akteure. Das ist insgesamt für den Konkurrenzkampf nicht förderlich. Am Ende aber wäre es eine zu billige Ausrede. Wir werden das schon noch hinkriegen mit der Mannschaft.

 

Vielleicht schon am Freitag?

Kogler: Das Wichtigste wird sein, dass wir die Zweikämpfe, die die Austria permanent bestreitet, von der ersten Minute annehmen.

 

Und wie sieht es mit dem Selbstvertrauen aus?

Kogler: Wir laufen derzeit mit Sicherheit nicht oberkörperfrei durch die Stadt. Aber wir sind positive Hunde und wissen genau, dass schon ein Spiel, ein Sieg, vielleicht im Derby, alles drehen kann.

 

Da dürfte die Austria wohl etwas dagegen haben. Wobei, der Trainer ist derzeit zu beneiden. Ein Sieg im Derby würde die positive Stimmung wohl endgültig zum Überkochen bringen?

Helgi Kolvidsson: Klar erwarten derzeit alle etwas. Doch das Spiel wird für uns kein Spaziergang. Ich erwarte einen sehr kampfstarken FC Lustenau.

 

Für Sie ist es das erste Lustenauer Derby überhaupt. Wie sieht es da in Sachen Emotionen im stets kühl wirkenden Isländer aus?

Kolvidsson: Natürlich merke ich, dass das Spiel etwas Besonderes ist, dass der Druck da ist. Aber den hat sich die Mannschaft dank der bisherigen Leistungen selbst geschaffen. Auch wenn wir wissen, dass für unsere Fans ein Remis schon fast eine Niederlage wäre, ich empfinde das als positiven Druck.

 

Klingt fast so, als könnten Sie mit der Favoritenrolle sehr gut leben?

Kolvidsson: Das hat nicht nur mit diesem Spiel zu tun. Ich merke einfach, dass es schwierig ist, über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau zu spielen. Was die Favoritenrolle betrifft, so ist es ganz einfach: Für das lebt ein Sportler. Ein Fußballer arbeitet dafür, dass die Ergebnisse passen. Alles andere kann man dann sowieso nicht beeinflussen. Wir schauen einfach, dass wir Spiel für Spiel unser Niveau halten. Wieso sollte ich da also großartig noch mehr Emotionen reinlegen?

 

Aber am Freitag geht es gegen den Lokalrivalen?

Kolvidsson: Ich kann doch deshalb nicht verlangen, dass sie einmal mehr machen. Sie sollen immer ihre bestmögliche Leistung abrufen. Dazu gehört auch das Training und die Vorbereitung unter der Woche.

 

Da hilft wohl der – im Gegensatz zum FC Lustenau – nicht nur quantitativ größere Kader?

Kolvidsson: Wir sind von der Breite her sehr gut aufgestellt. Klar, der Kader ist groß und letztendlich können nur elf Spieler auflaufen. Aber es gehören alle dazu. Wir versuchen, unsere Gedanken den Spielern plausibel rüberzubringen. Es ist unsere Aufgabe, für jeden Spieltag die beste Entscheidung zu treffen.

 

Und wie sehen Sie ihren nächsten Gegner?

Kolvidsson: Dass beim FC der Kader nicht sehr groß ist, weiß man. Es ist natürlich ein schmaler Grat, auf dem sich der Verein bewegt. Andererseits haben sie in den letzten Jahren gezeigt, dass sie es immer wieder schaffen, junge Spieler rauszubringen.

 

Was wird für Ihre Mannschaft wichtig sein?

Kolvidsson: Wir müssen bereit und dürfen nicht überheblich sein. Wir können den Gegner nicht beeinflussen, deshalb beschäftige ich mich auch nicht zu sehr damit. Ich will, dass wir uns defensiv weiter stabilisieren. In der Offensive haben wir genug Spieler, die torgefährlich sind.

 

Team-News: FC Lustenau 1919

Gesperrt: Marcel Holzmann (Gelb-Rot) verletzt: Eisele, Lebedev, Minoretti Rahmenprogramm: Um 18.30 Uhr wird das Reichshofstadion geöffnet, danach gibt es bis 19.30 Uhr eine Wurst oder ein Zack/Zack plus ein Getränk um vier Euro. Um 19.15 Uhr stellen sich beide Trainer im Gastro-Zelt den Fans zum Derby-Talk. Gewinnspiele: Spielsponsor VKW verlost drei Bewegungstage am Golm, dazu gibt es ein Pausengewinnspiel der Hypo Landesbank und zudem werden Karten für ein Konzert im Wirtschaftszelt bei der Herbstmesse verlost.

Die beiden Derbys 2011 und die Aufstellungen

1. April 2011 FC Lustenau – SC Austria Lustenau 1:2 (0:1) Reichshofstadion, 4300 Zuschauer, SR Drachta (OÖ) Torfolge: 30. 0:1 Boller, 54. 0:2 Holzmann (Eigentor), 57. 1:2 Markus Gelbe Karten: 13. Muniz (FCL/Handspiel), 28. Ibrahim Erbek, 66. Holzmann, 77. Harun Erbek, 90. Hagspiel (alle FCL/alle Foulspiel) FC Lustenau 1907: Stojanovic; Ibrahim Erbek, Schösswendter, Kobleder, Holzmann; Schöpf, Hagspiel; Markus, Muniz (75. Dulundu), Harun Erbek; Seeger SC Austria Lustenau: Kofler; Stückler, Peter Pöllhuber, Kampel, Dürr; Zwischenbrugger, Micic; Soares, Roth (90./+1 Leitgeb), Boller (90./+ 2 Zech); Rotter (90./+1 Honeck)

24. Mai 2011 SC Austria Lustenau – FC Lustenau 1907 1:0 (0:0) Reichshofstadion, 5300 Zuschauer, SR Ruiss (W) Tor: 61. 1:0 Boller Gelbe Karten:13. Schöpf (FC/Foul), 17. Rotter, 18. Krajic, 19. Zwischenbrugger (alle Austria/alle Foulspiel), 73. Boller (Austria/SR-Kritik), 77. Leitgeb (Austria/Foul), 94. Micic (Austria/Unsportlichkeit) Gelb-Rote Karte: 83. Boller (Austria/SR-Kritik) Rote Karte: 44. Harun Erbek (FCL/ Revanchefoul) SC Austria Lustenau: Kofler; Dürr, Kampel, Stückler, Soares, Micic (90./+ 4 Vural), Leitgeb, Zwischenbrugger, Boller, Krajic (68. Karatay), Rotter FC Lustenau 1907: Breuss; Schösswendter, Kobleder, Simma; Ibrahim Erbek, Holzmann (83. Rupp), Schöpf, Hagspiel, Harun Erbek; Muniz (65. Batir), Seeger

VN / Christian Adam

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