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Hubert Gorbach: "Ich war und bin immer noch in der Schusslinie"

Hubert Gorbach: Ich war immer ein offener und geradliniger Politiker
Hubert Gorbach: Ich war immer ein offener und geradliniger Politiker ©MiK
Frastanz - Was wurde aus Hubert Gorbach? Der ehemalige Vizekanzler und Verkehrsminister aus Frastanz erzählt im WANN & WO-Interview über sein aktuelles berufliches Leben, seine Leidenschaft zum Reiten und blickt auf seine bewegte Politkarriere zurück.

WANN & WO: Was macht Hubert Gorbach derzeit?

Hubert Gorbach: Entgegen der Meinung vieler, bin ich nicht in Pension. Ich bin mit meiner Consulting GmbH nach wie vor beruflich aktiv, reise sehr viel und habe lange, intensive Arbeitstage.

WANN & WO: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit, wenn Sie welche haben?

Hubert Gorbach: An den Wochenenden bin ich schon oft um 6 Uhr morgens im Stall, habe Kontakt zu den Pferden und trinke dort meinen Kaffee. Im Sommer gehe ich gerne schon in der Früh ausreiten und streife durch die Wälder rund um Frastanz. Ich habe schon seit über 40 Jahren eigene Pferde und dadurch noch mehr Bezug zum Reitsport. Die Bewegung des Tiers, die Feinfühligkeit und die unheimliche Kraft, üben eine große Faszination auf mich aus. Außerdem kann ich auf einem Ausritt sehr gut abschalten, das war auch schon in hektischen Zeiten so. Ich genieße aber auch verlängerte Wochenenden an schönen Orten wie Mallorca, Südtirol, Lago Maggiore oder Bamberg. Eine kleine Luftveränderung ist schön, aber nach kurzer Zeit kehre ich immer wieder gerne in die „Homebase zurück“.

WANN & WO: Sie sind ein großer Tierfreund, das machte sich schon 1984 bei der Besetzung der Hainburger Au im Blaukehlchen-Kostüm bemerkbar. Haben Sie das Kostüm noch?

Hubert Gorbach: Das Kostüm habe ich nicht mehr, das würde mir wahrscheinlich auch nicht mehr passen. Aber damals war ich wirklich spontan und ohne Rücksicht auf Verluste, sprich Partei, mit dabei. Der damalige FPÖ-Parteiobmann und spätere Vizekanzler und Energieminister Norbert Steger, hatte mit dem Blaukehlchen natürlicherweise keine große Freude.

WANN & WO: Aber der Naturschutz war Ihnen wichtiger?

Hubert Gorbach: Ich bin viel und gerne in der Natur und habe das Glück, hier an den „Gestaden der Samina“ zu wohnen. Naturschutz ist wichtig, aber man sollte es nicht übertreiben. Alles was man übertreibt, ist schlecht. Man kann nicht gegen alles sein, man muss Lösungen finden und darüber reden, auch wenn man anderer Ansicht ist.

WANN & WO: Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

Hubert Gorbach: Ich wollte Bahnhofsvorstand werden und war auch immer bei Kinder-Faschingsumzügen mit dem roten Käppchen und einem „Täfele“ verkleidet. Als ich Verkehrsminister wurde, war das damals für einige Wiener Zeitungen ein gefundenes Fressen. Polit­iker hingegen hat nie zu meinen Berufswünschen gezählt.

WANN & WO: Hubert Gorbach polarisiert noch immer. Warum?

Hubert Gorbach: Ecken und Kanten zu haben, ist etwas Positives. Ich sage immer: Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht dicht. Das heißt, wenn man eine klare Position zu verschiedenen Themen einnimmt, dann hat man auch eine Gegnerschaft. Ich finde das aber in Ordnung, dann wissen andere, woran sie sind. Einen Mensch, den man nicht greifen kann, der keine gerade Linie hat, ist nicht mein Idealpartner.

WANN & WO: Was würden Sie sich fragen, wenn Sie in der Rolle eines Journalisten wären?

Hubert Gorbach: Ich würde nach Stärken und Schwächen fragen.

WANN & WO: Wie würde die Antwort lauten?

Hubert Gorbach: Bei Schwächen: Es gibt Dinge, über die rede ich nicht einmal mit mir selbst und bei Stärken: Verlässlich, flexibel, gesellig, aber eigentlich sollen das andere beurteilen.

WANN & WO: Was haben Sie aus Ihrer Zeit als Politiker gelernt?

Hubert Gorbach: Dazulernen kann man immer, in der Politik, außerhalb und danach. Es gibt aber sehr wenig, was ich anders machen würde. Natürlich sind auch negative Erlebnisse dabei und Enttäuschungen, über die ich aber nicht nachdenke oder rede. Eine meiner Gaben ist es, positiv zu denken und deshalb kommen mir, wenn ich an meine Karriere denke, sehr viele positive Dinge in den Sinn und vor allem zahlreiche Begegnungen mit interessanten Menschen. Ich bin ein sehr leutseliger Mensch und war bekannt dafür, auf jedem Feuerwehrfest, jeder Ziegenausstellung oder Kreisverkehr­eröffnung mit dabei zu sein. Der frühere SPÖ-Abgeordnete Keckeis sagte einmal: „Es wird in Vorarlberg kein Kanaldeckel geöffnet, ohne dass der Gorbach mit dabei ist.“ Ich habe das als Kompliment betrachtet, weil gerade diese Nähe zur Bevölkerung, die ich pflegte, vielen Politikern und Volksvertretern fehlt.

WANN & WO: Gibt es auch etwas, das Sie bereuen?

Hubert Gorbach: Ich war immer ein offener und geradliniger Politiker und habe zu wenig bedacht, was man aus Sätzen machen kann, die aus dem Zusammenhang gerissen werden. Aber wenn man zu viel aufpasst, was man sagt, dann ist man nicht mehr authentisch. Viele Leute behaupten, dass ich das aber immer geblieben bin.

WANN & WO: Sie haben aus dem Zusammenhang gerissene Sätze erwähnt: Gibt es etwas aus Ihrer vergangenen Karriere, das Sie gerne richtig stellen würden?

Hubert Gorbach: Ich kann es nicht mehr hören! Es gäbe gleich einige Aussagen, die mir einfallen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden und missverständlich von sogenannten Journalisten trans­portiert wurden.

WANN & WO: So auch der bekannte Satz aus dem Brief an den britischen Finanzminister Alistair Darling?

Hubert Gorbach: Das war ein privater Brief, der illegal veröffentlicht wurde. Das hat aber niemanden interessiert, ich hätte klagen können. Auch das Prädikat „schlechtes Englisch“ ist ein absoluter Blödsinn. Ich würde nicht mit meinem Englisch prahlen, aber ich habe Diskussionen in dieser Sprache geführt und geleitet, habe Eröffnungen gemacht und auf internationalen Gipfeln gesprochen. Außerdem habe ich auch nicht ge­­schrieben, dass ich einen Job suche, sondern einen Freund über meine neue selbstständige Tätigkeit als Consulter informiert. Und der Satz „Vorarl­berg is too small“ war überhaupt nicht negativ, darum spreche ich jetzt darüber, sondern ich meinte wortwörtlich, dass die Region für mein Geschäftsfeld zu klein ist. Dazu stehe ich auch. Was mich daran ärgert, war die negative Darstellung. Alistair Darling hat den Inhalt jedenfalls verstanden und unverzüglich ge­­antwortet.

WANN & WO: Wieso glauben Sie, wurden Sie oft Zielscheibe der medialen Berichterstattung?

Hubert Gorbach: Weil ich gemeinsam mit meinen Parteifreunden eine Todsünde begangen habe. Wir haben das erste Mal in der zweiten Republik eine Regierung ohne die SPÖ gebildet. Das darf man in Österreich nicht. Das merkt man in hohen Positionen, wie ich Sie einst besetzte, sehr gut. Ich war und bin immer noch in der Schusslinie. Auch die berühmte Geschichte zu meiner Zeit als Verkehrsminister mit dem Antrag auf Blaulicht, war eine Zeitungsente. Wir haben natürlich recherchiert. Mittlerweile weiß ich sehr genau, wer mir damals ans Bein pinkeln wollte.

WANN & WO: Wären Sie auch heute noch für 160 km/h auf der Autobahn?

Hubert Gorbach: Unbedingt. Die Versuchsstrecke in Kärnten war eine tolle Sache, aber natürlich hat auch das wieder polarisiert. Warum? Weil es absichtlich nicht verständlich kommuniziert wurde. Meine oberstes Ziel als Minister war es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Dass ich dann die Fahr­geschwindigkeit auf 160 km/h erhöhen wollte, hat für viele nicht zusammengepasst. Aber es ging um eine flexible Höchstgeschwindigkeit und es ist ein Irrglaube, dass Schnell-Fahren die Sicherheit mindert, es kommt immer auf die Umstände an.

WANN & WO: In manchen Medien liest man vom Aufstieg und Fall von Hubert Gorbach? Was sagen Sie zu solchen Aussagen?

Hubert Gorbach: Ich bin mit 50 freiwillig aus der Bundespolitik ausgeschieden und habe eine privat­wirtschaftliche Tätigkeit aufgenommen. Sicher fallen ein paar Leute auf so eine Sensationshascherei und Verfälschung der Tatsachen rein, aber das ist eben ein Teil der Arbeit als Spitzenpolitiker. Das wiegt nur ein bisschen davon auf, was man Positives erlebt hat und man hat ja auch etwas bewirkt und war erfolgreich. Neid ist die ehrlichste Form von Anerkennung. Natürlich ist es nicht angenehm, besonders nicht für mein Umfeld, meine Familie, meine Freunde, die sich darüber ärgern und besonders für meine Mutter. Aber es wird immer Wichtigtuer oder Neider geben.

WANN & WO: Noch zu Ihrer Familie. Ihre Kinder sind doch schon Mitte 20. Freuen Sie sich schon darauf, Großvater zu werden?

Hubert Gorbach: Enkel sind derzeit noch nicht in Sicht, aber natürlich kann ich mir das schon einmal vorstellen. Leider konnte ich während meiner Politischen Karriere nicht so viel Zeit mit meiner Familie und meinen Kindern Corinna und Simon verbringen. Aber in der Pension will ich viel Versäumtes nachholen.

WANN & WO: Welche prägenden Erkenntnisse haben Sie während ihrer politischen Laufbahn erlangt?

Hubert Gorbach: Auf meinem Schreibtisch gibt es einen Satz zu lesen: „Der war niemals dein Freund, der aufhört, es zu sein.“

Wordrap

Glück: Gesundheit, Familie, echte Freunde, im Pferdesattel sitzen.

In 5 Jahren: Pension, mehr Reisen, die vielen gestapelten interessanten Bücher „ablesen“ und die in Schuhschachteln befindlichen Fotos mit vielen tollen Begegnungen endlich ordnen und digitalisieren.

Familie: Gott sei Dank intakt, Rückhalt und Harmonie.

Vorarlberg: Schönstes Land der Erde, Heimat und fleißige sowie verlässliche Menschen.

Lieblingsfarbe: Blau und Gelb.

Genuss: Gehört zum Leben.

Hypo: Unheimliche und unglaubliche Geschichte, viele Fehler sind passiert und die Dimensionen sind immer noch nicht klar.

Pegida: Verrückte. Man sollte trotzdem nachdenken, warum es sie gibt.

Macht: Damit sollte man sehr vorsichtig umgehen.

Ziel: Seelenfrieden, ruhigeres Leben, als in den letzten Jahrzehnten.

Zur Person Hubert Gorbach

Geboren am: 27. Juli 1956 in Frastanz

Familie: Frau Margot, Kinder Corinna, Simon

Hobbys: Reiten, Lesen, Joggen, Schwimmen, Relaxen, Jagen

Politische Karriere: Ehemaliger Vizekanzler (zuerst FPÖ, dann BZÖ) und Bundesminister für Verkehr und Technologie in der Bundesregierung Schüssel II. Seine schulische Ausbildung schloss er mit einer HAK-Matura 1977 ab.

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