Hohe Auszeichnung für Funkenbrauch

Feierliche Übergabe der Urkunden in Graz.
Feierliche Übergabe der Urkunden in Graz. ©Hoffmann
Funkenzünfte Nenzing, Beschling und Gortipohl erhielten Unesco-Urkunde

Zur feierlichen Preisverleihung waren die Funkenzünfte Nenzing mit Obmann Klaus Ehgartner, Beschling mit Obmann Rudi Siess sowie Gortipohl mit Obmann Jürgen Wachter ins Schloss „Eggenberg“ nach Graz geladen. Grund dafür war die Urkundenübergabe der österreichischen Unesco-Kommission, ausgezeichnet wurde die Tradition des Scheibenschlagens als „Immaterielles Kulturerbe“. Konkret werden dabei mündlich überlieferte Traditionen, darstellende Künste, das Wissen und die Praktiken in Bezug auf die Natur, gesellschaftliche Rituale sowie traditionelle Handwerkstechniken ausgezeichnet.

Überlieferte Tradition

„Das Scheibenschlagen wird in Vorarlberg nur noch an drei Orten praktiziert: In Nenzing-Dorf, in Beschling sowie in Gortipohl“, erläutert der Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon den Brauch. Ursprünglich wurde das Scheibenschlagen bei gewissen Jahresfeuern, neben dem Funkensonntag etwa zu Ostern, zu Johannis oder zu Peter und Paul betrieben. Oft auf einer Anhöhe in der Nähe des Ortes wurden eigens für diesen Zweck angefertigte Holzscheiben auf einen Schwingstock gesteckt, im Feuer zum Glühen gebracht und mit Hilfe einer kleinen Holzbank abgeschlagen, sodass sie weit durch die Luft flogen. Dazu wurden Sprüche gerufen, die im Ort hörbar und zumeist für namentlich genannte Personen bestimmt waren, als Ehre oder Spott oder – vorzugsweise – um heimliche Liebschaften aufzudecken. Im südlichen Vorarlberg wird das Scheibenschlagen seit über 400 Jahren praktiziert und von den Funkenzünften am Funkensonntag gelebt. In Nenzing und Beschling werden nach wie vor mit den „Schibeesprüchen“ relativ junge Beziehungen oder aber auch heimliche Wünsche öffentlich gemacht. In der Vergangenheit war es aber auch durchaus üblich, die Obrigen des Dorfes, wie den Pfarrer, den Bürgermeister und den Lehrer gelegentlich öffentlich anzuprangern, ohne dass dafür Sanktionen befürchtet werden mussten. „Leider sind keine Sprüche aus der früheren Vergangenheit erhalten geblieben. Sie wurden bewusst weggeworfen. Erst seit rund 30 Jahren werden die Sprüche von der Funkenzunft gesammelt“, bedauert Thomas Gamon.

 

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