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Hochdosierte Poesie in Götzis

Mit 605 Gästen wurde die Visite zum besucherstärksten Slam Österreichs.
Mit 605 Gästen wurde die Visite zum besucherstärksten Slam Österreichs. ©Emir T. Uysal
Auf der Kulturbühne Ambach wurde zum dritten medizinischen Sprachwettstreit „Visite“ geladen.
3. Visite - Poesie trifft Medizin (2019)

GÖTZIS „Wir haben den Rekord geknackt“, freut sich Veranstalter Lukas Wagner, der vergangene Woche stolz das große Aushängeschild „Ausverkauft!“ auf Facebook posten durfte. Nach dem Riesenerfolg vergangenes Jahr mit über 350 Gästen – war heuer der große Saal der Kulturbühne AmBach (605 Tickets) komplett ausverkauft. Anlass dazu war die „Visite – Medizin trifft Poesie“, die nun größte Poetry-Slam-Veranstaltung in ganz Österreich. Das Konzept feierte 2017 im Alten Hallenbad Premiere. Namhafte Mediziner treten beim Wettstreit gegen Slam-Poeten und moderne Dichter an.

 

Mit Mundschutz und OP-Haube

Ein reger Andrang vergangenen Samstag: Eine lange Schlange bildete sich vor dem Eventtreffpunkt der Kummenberg-Region. Ein Skelettmodell, mit OP-Kittel und einer Rose im Mund begrüßte die gespannten Gäste. Als Eintritt in der Galerie haben die Besucher OP-Masken und untere Ränge OP-Hauben erhalten. Ein einzigartiges Bild formatiert sich im großen Saal AmBach. Neben einem DJ waren heuer auch noch die „Vocappellas“ aus Dornbirn eingeladen, die jeden Künstler mit einem individuellen Ständchen anmoderierten. „Was wäre, wenn …?“, fragt sich Mediziner Dominik Klug, der als Opferlamm für die Eichwertung antrat. „Was wäre, wenn Hogwarts als Medizin-Universität wirklich gäbe…“ Wie es wohl wäre, wenn sich das Stethoskop den Arzt aussuche, der sprechende Hut entscheiden würde, ob die Studenten Radiologen, Internisten oder Unfallchirurgen werden würden… Dieses Gedankenspiel amüsierte mit ganz viel Nerd-Charme. Herbert Kessler ist Physiker beim LKH Feldkirch. Er ist am anderen Ende Österreichs am Land aufgewachsen. „Da hat man es nicht so mit der Sensibilität“, verrät er. Bei einer Akupunktur wollte sein „Date“ die Nadel tief in sich spüren. Mit viel Humor geriet die Zusammenkunft mit seiner rohen, teils gefühllosen Art etwas aus dem Ruder.

 

„Lautes Kampfgetöse“

Dr. Susanne Dertinger tritt seit dem ersten Slam mit an. Dieses Mal thematisierte sie das Mikrobiom und dessen Auswirkungen auf das Individuum. Das gesamte Mikroorganismus wurde dabei intellektuell parodiert. „Generalstreik: Verstopfung“, merkte sie an. „Und aus lautem Kampfgetöse, sich der Furz dann löse …“

Dr. Alexander Loibnegger komplettierte das Mediziner-Quartett. Er stellte sich die Frage, warum die Menschheit so blöd ist. Dabei nahm er herangehende Ärzte aufs Korn.

Anschließend hieß es: Bühne frei für die „Profis“. Elena Illing aus Thüringen machte den Auftakt. Sie sprach über ihre demente Großmutter und reflektierte aus ihren Augen, dass so manche Erinnerungen sich trügerisch entpuppen können.

 

Urkomische Schüttelreime

Poeten nehmen oft einen Ausdruck von ihrem Text mit auf die Bühne, lesen ihren Slam vom Tablet vor oder zücken ihr Smartphone. Nicht so Lasse Samström. Der seine Schüttelreime von einer Kassarolle vorlas. Kreativ, zum Brüllen komisch und oftmals sehr komplex entstehen Wortdreher wie „Messipisten“, „unfecht raben“, oder „Hodenbaltung“… „Wir tüssen etwas mun!“, ging sein Appell durch die Reihen, der ebenfall mimisch auf den Punkt traf. Als letzte Poetin ging Katharina Laimer ans Mikrofon. Die gebürtige Grazerin las ihren Text über „Geburtsdoku“ aus der persönlichen Sicht einer Hebamme vor. Die Vor- bzw. Nachteile einer Wassergeburt wurde dem Publikum anhand zahlreicher aberwitziger Beispiele nähergebracht. Sie zog mit Sandström und Dertinger ins Finale ein.

 

Charity und Akrobatik

Nach der Pause kam die nächste Überraschung: Eine Abordnung des Akrobatik- und Showtanzvereins Walgau ergänzte die Sprachakrobatik mit körperlicher Gewandtheit. Für Veranstalter und Moderator Wagner ist es immer ein großes Anliegen bei so einem Event auch den Charity-Gedanken nicht aus dem Auge zu verlieren. Er stellte Joanna aus Fußach vor. Das „Herzkind“ hatte bereits drei Operationen am offenen Herz und sechs Herzkatheter hinter sich. Für sie wurde noch Spenden vor Ort gesammelt. 2700 Euro von den Gästen wurde mit 500 Euro der Volksbank summiert und vor Ort noch überreicht. Im Finale regte Laimer mit der tiefsinnigen Botschaft „der letzte Tag“ zum Nachdenken an. Mit einem tosenden Applaus und einem emotionalen Moment für alle Künstler wurde der Abend mit der Übergabe des begehrten Slam-Steins beendet.

„605 Menschen waren ein persönlicher Meilenstein für mich“, freut sich Wagner. „Am Abend hat alles gepasst, Stimmung, Programm, Menschen & Feedback. Für mich persönlich geht’s jetzt erstmal auf Inspirationsreise, also überraschen lassen.“ Das nächste poetische Event wird an Valentinstag zelebriert. Dort findet der Herzschmatz Slam im Conrad Sohm in Dornbirn statt. ETU

 

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