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Historische Orte werden sichtbar gemacht

Per Fahrrad auf den Spuren der Vergangenheit
Per Fahrrad auf den Spuren der Vergangenheit ©Edith Rhomberg
 Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Lustenauer Geschichte.
Radexkursion mit Oliver Heinzle

 

Lustenau. Dass die Geschichte der Gemeinde Lustenau am Rhein auch viel mit Wasser und Brücken zu tun hat, liegt auf der Hand. Unter den nicht mehr existierenden Verbindungen über den Rhein war die Unterfahrbrücke die erste Vorarlberger Rheinbrücke überhaupt. Sie wurde vor ziemlich genau 153 Jahren feierlich eingeweiht und ersetzte die Fähre von Au-Monstein nach Lustenau. „Durch die Nähe zum Bahnhof Au war die Unterfahrbrücke eine wichtige Verbindung, besonders auch für die damals florierende Stickereiwirtschaft, welche ihren Hauptabsatzmarkt in St. Gallen hatte“, sagte Archivar Oliver Heinzle anlässlich der Fahrradexkursion, zu der er am vergangenen Freitag die Bevölkerung erneut eingeladen hatte. Das Ende des Bauwerks wurde schließlich auf dramatische Weise besiegelt, denn in der Nacht zum 10. Juni 1950 brannte die größtenteils aus Holz bestehende Unterfahrbrücke fast gänzlich nieder. Das errichtete Provisorium wurde sechs Jahre später abgebrochen, als ein Stück weiter oben die neue Brücke Au-Lustenau fertiggestellt worden war.

Historischer Radrundweg Lustenau

Gestartet hat die Gruppe von Radlern, der sich auch der neue Mobilitätsgemeinderat Mathias Blaser anschloss, direkt beim Rathaus. Die Teilnehmer erfuhren vom Archivar, dass das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1958 aufgrund seiner außergewöhnlichen architektonischen Qualitäten seit dem Jahr 2012 unter Denkmalschutz steht. Während der Weiterfahrt hörte man da und dort ein verwundertes: „Dô bin i noch niö gsin“. Nicht nur Heinzle, sondern gleich mehrere Teilnehmer wussten versteckte Pfade, die auf dem Weg zum Alten Schulhaus von 1820 im Rheindorf, zum ehemaligen Fabrikgelände „Hofer, Bösch und Cie.“ und zur Tramremise führten. Ein Detail, das nicht im Plan zum Radrundweg enthalten ist, erfuhren die Teilnehmer sozusagen exklusiv vor Ort: In der Nähe der früheren Tramremise wird ein komplett aus Sandstein errichtetes Wohnhaus als „Affenvilla“ bezeichnet. Die Erbauer hatten als Verzierung an der Fassade einen kleinen Affen angebracht.

Der „Historische Randrundweg“ verortet an dreizehn Standorten ganz unterschiedliche Aspekte der Geschichte Lustenaus. Mit 17 Schautafeln wird auf die Besonderheit von Bauten hingewiesen und auf bedeutende strukturelle Veränderungen aufmerksam gemacht. Ältere Bewohner können mitunter noch selbst Erlebtes Revue passieren lassen. Jüngere Lustenauer hören vielleicht zum ersten Mal von der Oberfahrbrücke und von den Studa, der früheren parkähnlichen Aulandschaft entlang des Rheins.

An einem der heißesten Sommertage dieses Jahres sehnten sich die Radler, nachdem sie die Widnauer Brücke von 1914 hinter sich gelassen hatten, nach dem vereinbarten Einkehrschwung beim Gasthaus Rohr. Allerdings nicht, ohne vorher über die Schicksale jener Menschen zu sprechen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Viele von ihnen suchten über oder durch das Rohr zwischen Österreich und der Schweiz, das einen großen Durchmesser aufweist, eine Fluchtmöglichkeit in die Schweiz. Die Gedenktafel am Grenzzaun wurde zum UNO-Jahr der Versöhnung 2009 angebracht.

Weitere Informationen unter www.lustenau.at/rundweg

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