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"Hie und da wäre es gescheiter, den Mund zu halten!"

WANN & WO besuchte Karlheinz Kopf bei ihm zuhause in seiner Heimatgemeinde Altach.
WANN & WO besuchte Karlheinz Kopf bei ihm zuhause in seiner Heimatgemeinde Altach. ©MiK
Altach - Karlheinz Kopf, National­ratsabgeordneter und SCRA-Präsident, im Sonntags-Talk mit WANN & WO über Politik, Fußball und seine Jugend.

WANN & WO: Bald sind Sie 24 Jahre im Nationalrat – wohnen Sie in Altach oder im Parlament?

Karlheinz Kopf: Mein Hauptwohnsitz war immer Altach und wird es auch bleiben. In den vergangenen 15 Jahren bin ich jedoch in meinen Funktionen – Generalsekretär, Clubobmann oder zweiter Nationalratspräsident – überwiegend in Wien gewesen. In dieser intensiven Zeit hatte ich tatsächlich manchmal das Gefühl, im Parlament zu „wohnen“.

WANN & WO: Wie haben Sie die Entwicklung der Politik miterlebt?

Karlheinz Kopf: Das Tempo und die Kommunikationsmöglichkeiten haben das Ganze dramatisch verändert. Im Gegensatz zur Zeit vor 24 Jahren haben die Sozialen Medien allem einen Schub an Transparenz und Tempo für jeden gebracht. Das steigert die Anforderungen, denn man ist permanent der Öffentlichkeit ausgesetzt.

WANN & WO: Rührt daher auch die kritische Haltung der Bevölkerung gegenüber der Politik?

Karlheinz Kopf: Die gab es eigentlich immer und ist kein Österreich-Phänomen und auch kein exklusives Phänomen der Politik. Überall und jederzeit wird kritisiert. Die Globalisierung der medialen Welt transportiert den Menschen allerdings viel mehr negative Informationen aus der ganzen Welt ins Wohnzimmer als früher und zeichnet dadurch eine Welt voller Probleme.

WANN & WO: Wie könnte sich das ändern?

Karlheinz Kopf: Es wäre falsch, ein Bild von einer durchgängig unzufriedenen Gesellschaft zu zeichnen. Ich treffe in meiner Tätigkeit Tausende Leute, ob in Wien oder in Vorarlberg, die sagen: Mir geht es gut und ich bin zufrieden. Wichtig ist, dass unsere Kinder zuhause und in der Schule lernen, sich differenziert und kritisch mit Nachrichten auseinanderzusetzen.

WANN & WO: Bringt Emotion die Menschen dazu, sich zu äußern?

Karlheinz Kopf: Kommunikation gehört zu den schwierigsten Dingen im Leben. Wie kann ich mit einer positiven, unspektakulären Botschaft die Leute ähnlich erreichen, wie jemand mit einer emotionalen, negativen Nachricht, die auch noch sehr populistisch formuliert ist? Man muss die Kommunikation anpassen, sonst unterliegt man, trotz der besseren Argumente.

WANN & WO: Wie kam es, dass Sie in die Politik gegangen sind?

Karlheinz Kopf: Ich wurde früh Gemeindevertreter in Altach, später Gemeinderat, war in der Wirtschaft schon früh in Führungspositionen. Personalchef bei Huber, später bei Wolford. Dann habe ich mich selbständig gemacht und vor der 94er-Wahl, der ersten bei der ich angetreten bin, ist dann der Wirtschaftsbund auf mich zugekommen und ich wurde gefragt, ob ich nicht kandidieren wolle. Ich tat es und bin seither im Nationalrat.

WANN & WO: Über Werner Faymann haben Sie einmal im Zusammenhang mit dem Heimatbegriff gesagt, der Kanzler sei kaum mehr von Strache zu unterscheiden. Wie ist das beim heutigen Kanzler?

Karlheinz Kopf: Ich weiß nicht mehr, in welchem Zusammenhang ich das gesagt habe. Kurz und Strache unterscheiden sich aber jedenfalls sehr stark. Sebastian Kurz ist ein zutiefst europapolitisch orientierter Politiker und hat in einer schwierigen Zeit, Stichwort „Flüchtlingskrise“ eine sehr pragmatische Antwort auf eine Entwicklung gefunden, bei der man nicht weiter tatenlos zusehen konnte. Bei Heinz-Christian Strache und der FPÖ ist der Nationalismus und die Europaskepsis Teil des politischen Programms.

WANN & WO: Hat sich die FPÖ gewandelt?

Karlheinz Kopf: In der Zeit vor Haider waren die Blauen fast schon liberal wie die FDP. Haider hat begonnen, ganz bewusst und sehr populistisch mit den Abstiegsängsten der Menschen zu spielen und hat dadurch sein Wählerspektrum ausweitet und überwiegend auf Kosten der SPÖ optimiert. In letzter Zeit werden nun deutschnationale Strömungen und Strukturen sichtbar, die ich schon für überwunden gehalten habe.

WANN & WO: Wie bewerten Sie die momentane Diskussion um Burschenschaften und deren Liedgut?

Karlheinz Kopf: Ich habe in diese Welt zu wenig Einblick, sie ist für mich fremd. Das bekannt gewordene Liedgut und die darin zum Ausdruck kommende Geisteshaltung ist widerlich und auf das Schärfste zu verurteilen. Das heißt aber nicht, dass man wegen deren Existenz alle Burschenschafter in den selben Topf werfen darf.

WANN & WO: Worum sollte es in der Politik stattdessen gehen?

Karlheinz Kopf: Es geht letztlich um einen politischen Grundkonsens, wohin sich Österreich, die EU und letztlich auch die Welt entwickeln sollen. Wie erhalten bzw. schaffen wir eine freie Gesellschaftsordnung, die auf der Eigenständigkeit des Individuums aufbaut, Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit achtet und verteidigt. Da gibt es viele Herausforderungen, nicht zuletzt Angriffe gegen eben dieses Gesellschaftsmodell, wie etwa illiberale Entwicklungen in Ungarn oder Polen. Die Tatsache, dass die etablierten Parteien immer mehr verlieren und jene am rechten und linken Rand Zulauf haben, hat mit Zukunfts­ängsten der Leute zu tun. Wir stehen wieder mitten in einer technologischen Revolution. Geschichtsgläubig kann man sagen, dass es das früher auch gab und man es immer geschafft hat, deren Auswirkungen insbesondere auf dem Arbeitsmarkt zu bewältigen, obwohl auch damals oft der Weltuntergang an die Wand gemalt wurde. Man muss sich aber darauf einstellen und sich etwas einfallen lassen. Das sind für mich die großen Herausforderungen. Daneben geht es aber auch um Sicherheitsfragen, Terrorismus und mehr internationale Zusammenarbeit in der Bekämpfung dieser neuen Kriegsform.

WANN & WO: Sie haben kürzlich eine herbe Enttäuschung erleben müssen, als Sie von Sebastian Kurz nicht – wie von vielen erwartet – als Nationalratspräsident vorgeschlagen wurden?

Karlheinz Kopf: Ja, das war eine große Enttäuschung für mich. Ich muss allerdings auch anerkennen, dass sich die Frage nach dem Vorschlagsrecht für den ersten Präsidenten ohne Sebastian Kurz an der Spitze für die ÖVP wohl gar nicht gestellt hätte. Da wäre es dann nach der Wahl wohl eher um den dritten Präsidenten gegangen.

WANN & WO: Aufgewachsen sind Sie in Altach?

Karlheinz Kopf: Jein. Die ersten zehn Jahre, Kindergarten, Volksschule. Dann war ich in der Mehrerau im Internat. Dort habe ich richtig angefangen, Fußball zu spielen. Es gab damals nicht sehr viele Freizeitmöglichkeiten. Wir haben in jeder Mittagspause im Innenhof der Mehrerau Fußball auf dem Kiesplatz gespielt.

WANN & WO: Waren Sie ein Lauser?

Karlheinz Kopf: Ehrlich gesagt, stand ich ein paarmal knapp vor dem Rauswurf (lacht). Etwas aufmüpfig gegenüber der Obrigkeit – das waren zum Teil schon etwas ältere Patres. Da musste man dagegenhalten. Ich war zu der Zeit eher ein rebellischer Geist.

WANN & WO: Haben Sie sich bewahrt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen?

Karlheinz Kopf: Man ist wie man ist. Ich spreche die Dinge schon gerne direkt an, obwohl es ja eigentlich den Spruch gäbe, man solle immer die Wahrheit sagen, aber man müsse sie nicht immer aussprechen. Hie und da wäre es auch gescheiter, den Mund zu halten.

WANN & WO: Wollten Sie Fußballer werden?

Karlheinz Kopf: Naja, ich war technisch nicht besonders begabt, darum haben sie mich ins Tor gestellt. Dort habe ich es dann sogar bis in die Vorarlberger Auswahl geschafft. Mit 15 Jahren bin ich dann von der Mehrerau nach Altach zurückgekehrt, wo ich kurz vor meinem 16. Geburtstag mein erstes Match im Eins gemacht habe, in der Vorarlbergliga. Mit 17 habe ich zum FC Dornbirn in die zweite Bundesliga gewechselt, als zweiter Torhüter. Ich habe aber bald eingesehen, dass mein Niveau eher in der Vorarlberg- oder Regionalliga liegt und bin zum VfB Hohenems gewechselt. Mit 25 habe ich berufsbedingt aufgehört zu spielen, mit 28 war ich schon Obmann vom SC Rheindorf Altach.

WANN & WO: Was ist für Altach noch möglich?

Karlheinz Kopf: Es ist immer mehr möglich, das zeigt schon unsere Vereinsgeschichte. Es steigen mit den Erfolgen aber auch die Ansprüche der Leute. Wenn man Europacup spielt, ist man mit einem 0:0 in Wolfsberg und einem achten Platz in der Bundesliga sehr schnell nicht mehr zufrieden. Dabei ist jedes Jahr mit einem Vorarlberger Verein in der Bundesliga ein Geschenk an die Vorarlberger Fußballfans. Darum muss man der interessierten Öffentlichkeit halt immer wieder einmal sagen: „Wir haben eines der kleinsten Budgets und es ist jedes Jahr eine Herausforderung, damit eine schlagkräftige Mannschaft zu haben und das Drumherum – Stadion usw. – weiter zu entwickeln.

WANN & WO: Wie entspannen Sie?

Karlheinz Kopf: Mich bringt nicht so schnell etwas aus der Ruhe. Mir taugt es beim Fußballverein. Auch wenn ich joggen gehe, kann ich entspannen. Toll ist die Familie, das vierte Enkelkind ist unterwegs. Das lenkt auch ab und schafft ganz andere schöne Zeiten und Perspektiven.

WORDRAP

  • Altach: Schönste Gemeinde im Herzen des schönsten Bundeslandes der Welt.
  • Politik: Schwierig, aber reizvoll.
  • Nationalrat: Die Seele unserer Demokratie.
  • Fußball: Generell und speziell für mich die wichtigste Nebensache.
  • Werte: Ganz wichtig, dass jeder ein Wertegerüst hat und sich dessen bewusst ist.
  • Zukunft: Ungewiss, aber gestaltbar.
  • Heimat: Wo ich mit meiner Familie daheim bin.
  • Familie: Das Wichtigste.

Zur Person

Name: Karlheinz Kopf Geboren: 27. Juni 1957 Beruf: Abgeordneter zum Nationalrat, Präsident SCR Altach Herkunft/Wohnort: Altach Familie: Verheiratet, Vater von zwei Töchtern

(WANN & WO)

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