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Höhenmedizin: Kaum Richtlinien für Kranke

Österreichs Berge sind nicht nur Anziehungspunkt gesunder, sondern auch zahlreicher chronisch kranker Menschen.

Standardisierte medizinische Empfehlungen, wie sie ihren Bergaufenthalt gestalten sollen, gibt es allerdings kaum, konstatiert der Grazer Lungenfacharzt Wolfgang Domej von der Medizinischen Universität Graz. Neue alpinmedizinische Forschungsergebnisse werden ab dem 7. November im obersteirischen Ramsau/ Dachstein (Bezirk Liezen) vorgestellt.

Die größte Gefahr in der Höhe gehe vom atmosphärisch bedingten Sauerstoffmangel aus, so Domej im Gespräch mit der APA. Bereits bei gesunden Menschen können Unverträglichkeitsreaktionen – von der akuten Bergkrankheit (u.a. Kopfschmerzen, Übelkeit) bis zum meist tödlichen Höhen-Hirnödem – auftreten, bei chronisch Kranken sei das Risiko ungleich höher.

Besonders gefährdet seien laut Domej Menschen mit schweren Herzkrankheiten: Bei ihnen sei die Sauerstoffaufnahme bereits im Tal vermindert, in Höhen ab 1.500 Meter verschärfe sich das Problem. Auch Personen mit Bluthochdruck – immerhin jeder vierte Österreicher – sollten sich ausreichend Zeit für die Akklimatisation nehmen, rät der Höhenmediziner.

Standardisierte medizinische Richtlinien und Empfehlungen, wie sich Betroffene im Gebirge verhalten sollen, würden großteils fehlen, so Domej. Zudem habe sich die Forschung bisher wenig mit den mittleren Höhen (1.500 bis 2.500 Meter) – dort findet der Großteil des alpinen Tourismus statt – beschäftigt.

Seit dem Jahre 1997 konzentriert die “ARGE Alpinmedizin” ihre Forschungsaktivitäten auf die vielfältigen Auswirkungen des verminderten Sauerstoffdruckes auf den Organismus. In Kooperation mit der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH wurde im Jahre 2003 die Plattform “Alpine Forschungsstation Dachstein (AFD)” an der Bergstation der Dachsteinseilbahn am Hunerkogel (2.700 m Höhe ) zur Durchführung höhenmedizinischer Untersuchungen ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit der interdisziplinären Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin veranstaltet die ARGE Alpinmedizin vom 7. bis 9. November eine internationale Fachtagung in Ramsau/Dachstein. Workshops und Vorträge aus verschiedenen Fachrichtungen beschäftigen sich mit “Medizinischen Herausforderungen in extremen Umwelten”.

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