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Herzinfarkt ist eine Arbeiterkrankheit

In der Altersgruppe der 40- bis 65-Jährigen sterben in Deutschland in einem Zehnjahreszeitraum 6,5 % der männlichen Arbeiter und einfachen Angestellten, aber nur 2,5 % der Führungskräfte.

Eine Zwei-Klassen-Medizin – also die bessere Versorgung von Privatpatienten – erklärt allenfalls 15 bis 20 Prozent dieser Unterschiede, wie der Düsseldorfer Soziologe Johannes Siegrist in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ berichtet.

Der Rest sei so genannter psychosozialer Stress, der durch die Überforderung „einfacher“ Menschen in Familie und Beruf entstehe, erklärt der Wissenschafter. Auf der Arbeit kämen zu den physischen Belastungen durch Schichtarbeit, Überstunden und lange stehende Tätigkeiten die psychischen Belastungen durch Zeitdruck und einen oft niedrigen Spielraum für eigene Entscheidungen hinzu. Auch ein „Ungleichgewicht von hoher Verausgabung und vergleichsweise niedriger Entlohnung“ steigere die psychische Belastung, für die viele Menschen keinen Ausgleich fänden.

Mögliche Folgen sind laut Siegrist Partnerprobleme, Depression, mangelndes Selbstvertrauen und Feindseligkeit. Ohne Ausgleich habe chronischer Stress direkte körperliche Auswirkungen wie Bluthochdruck oder Stoffwechselstörungen. Diese begünstigten die Verkalkung und zunehmende Verengung der Herzkranzgefäße. Am Ende stehe dann ein plötzlicher Verschluss durch ein Blutgerinnsel – der Herzinfarkt. Er werde dadurch begünstigt, dass viele Arbeiter ihre Spannungen durch gesundheitsschädliches Verhalten abbauten: Fehlernährung, Zigaretten und Alkohol seien weiter verbreitet als bei den gebildeten und heute gesundheitsbewussten Bevölkerungsschichten.

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