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Hausgeburt und Covid: "Es braucht kein Krankenhaus, um ein Kind zu bekommen"

©handout/Privat
Vor Kurzem sind Sara und Tomasz aus Bregenz zum zweiten Mal Eltern geworden. Söhnchen Henry kam zu Hause zur Welt. Wir sprachen mit den beiden über Covid-19, die Hausgeburt und die Hintergründe.
Familie Pekala aus Bregenz
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Sara und Tomasz Pekala wohnen mit ihren beiden Kindern in Bregenz. Töchterchen Olivia kam "ganz normal" im Krankenhaus zur Welt, bei Söhnchen Henry hat sich das Paar für eine Hausgeburt entschieden. Die Entscheidung dazu stand schon lange fest: "Das war immer schon mein Wunsch, seit ich Kinder wollte", erklärt Sara. Schon die ersten Termine mit der Hebamme fanden zu Hause statt. "Sie hat uns hervorragend unterstützt", meint Tomasz. "Es ist wirklich was Wunderschönes, auch was Beruhigendes, wenn das in den eigenen vier Wänden passiert", verdeutlicht Sara. "Klar hat man's im Hintergedanken mal kurz - was ist, wenn's nicht funktioniert", meint die junge Mutter. Es habe aber alles gut funktioniert und der Gedanken sei bei ihr in den Hintergrund gerückt.

Alles passierte zu Hause

Die derzeitige Situation rund um das Coronavirus und seine Auswirkungen habe keine großen Auswirkungen auf die Geburtsvorbereitungen und die Geburt selbst gehabt. Alles, was bei Olivia außerhalb passierte, passierte bei Henry zu Hause. Lediglich für die Untersuchungen für den Mutter-Kind-Pass musste Sara zum Arzt. Bereits von Anfang an begleitete Hebamme Myrjam Eker das Paar, auch die Kinderärztin kam nach Hause. Auch jetzt nach der Geburt vermisst das Paar nach eigener Aussage nichts. Nur das Babyschwimmen falle durch Covid-19 weg, meint Papa Tomasz.

Söhnchen Henry kam zu Hause zur Welt. Bild: handout/Privat (pur fotografie)

"Was Schönes für Mutter und Kind"

"Viele können sich das nicht vorstellen", gibt Sara zu verstehen. Sie habe sich alles Mögliche anhören müssen. "Das ist fahrlässig" oder auch "Ist das überhaupt erlaubt?", habe es da geheißen. Das zeige nur, dass man teilweise gar nicht über Hausgeburten informiert sei. Für das Ehepaar ist klar: "Es braucht kein Krankenhaus, um ein Kind zu bekommen." Sara würde jeder Mutter eine Hausgeburt empfehlen, "wenn man eine gute Schwangerschaft hat, wenn's dem Kind gut geht". "Es ist so was Schönes für Mutter und Kind", erklärt sie. Auch Töchterchen Olivia war bei der Badewannen-Geburt mit dabei. "Es war für uns alle eine schöne Erfahrung", meint Sara. Nach einer Hausgeburt gebe es "ein sanftes Ankommen". Auch gleich zu Hause zu sein und das Wochenbett daheim zu haben, sei was Schönes.

Nur eine Hausgeburtshebamme

Myrjam Eker war ein Jahr lang in Freiburg als Hausgeburtshebamme tätig. Die Geburt von Henry war für sie ihre erste Hausgeburt in Vorarlberg. "Es ist immer wieder was Besonders für mich", erklärt sie. "Ich denke, hier muss generell ein Umdenken stattfinden." Derzeit gebe es in Vorarlberg nur eine Hausgeburtshebamme in Bludenz, auch ein Geburtshaus gebe es keines. "Es braucht einfach viel mehr Hebammen", meint Eker. Der Satz, den die Hebammen von der Krankenkasse bezahlt bekommen, sei zu niedrig. Auch die Bereitschaft werde zu wenig vergütet, daher würden viele Hebammen lieber in Kliniken arbeiten. Viele Gebiete im Land seien nicht abgedeckt, hier tue sich derzeit aber bereits etwas.

Geburt in geborgenem Umfeld

Wenn sich jemand für eine Hausgeburt entscheide, passiere das ganz bewusst. Meist setze sich das Paar auch länger damit auseinander. Corona spiele bei Hausgeburten keine große Rolle. "Für mich ist es einfach ein natürlicher Prozess - ein starker Prozess, kein kranker Prozess", verdeutlicht die Hebamme. Daher dürfe eine Geburt auch zu Hause oder in einem Geburtshaus stattfinden. "Wenn was wäre, dann kann man ins Krankenhaus gehen", so Myrjam Eker. "Es ist was Schönes, in einem geborgenen Umfeld zu sein mit einer Hebamme, die man während der Schwangerschaft schon kennenlernt", verdeutlicht sie. Auf der Homepage des österreichischen Hebammen-Gremiums könne man sich informieren und eine Hebamme finden. Diese kläre die Paare auch auf, wie eine Hausgeburt ablaufe.

(Red.)

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