AA

Halim hat sich auf den Weg gemacht

Den Kontakt zu Halim hat Julia Fink über den Deutschkurs aufgenommen.
Den Kontakt zu Halim hat Julia Fink über den Deutschkurs aufgenommen. ©Edith Hämmerle
Den Durchbruch zur Integration hat ihm Julia Fink mit Unterstützung ihres Mannes ermöglicht.
Halim hat sich auf den Weg gemacht

Lustenau. „Wenn du dich auf den Weg machst, öffnet der Horizont seine Grenzen.“ Was es mit dieser alten chinesischen Weisheit auf sich hat, zeigte in Julia Finks Leben Wirkung. „dô sin“ nannte sich in den Jahren 2015 und 2016 das Netzwerk für Flüchtlinge in Lustenau. Die damals 38-jährige Lustenauerin wollte nicht wegschauen, wenn es um Menschen geht, die vor Krieg und Gewalt flüchten. Die dreifache Mutter, die beruflich Juristin ist, bot sich für Deutschkurse an, die über die Marktgemeinde angeboten wurden. Über diesen Weg kam sie mit Halim in Kontakt, der aus Afghanistan vor den Taliban flüchtete. In seiner Heimat war er bei der Polizei tätig, „und als Polizist lebst du in diesem Land gefährlich“, erklärt Halim seinen Entschluss, sich auf den Weg zu machen. Seine Endstation war Lustenau. Als Asylwerber bekam er Unterkunft in einem Caritas-Wohnheim. „Ich möchte arbeiten“, sagte Halim zu seiner „Deutschlehrerin“ Julia Fink nicht nur einmal. „Zu dieser Zeit war es noch möglich über die Nachbarschaftshilfe Arbeit zu bekommen“, erwähnt die Juristin, „und Halim war uns damals bei Gartenarbeiten rund ums Haus behilflich.“ Sie und ihr Mann Burkhard wollten Halim den beruflichen Weg ebnen – mit der Anstellung als Lehrling im eigenen Handwerksbetrieb in Hard. Doch das Vorhaben scheiterte, da der Afghane bereits über 25 Jahre alt war. „Nid lugg lau“, ganz nach dem Lustenauer Motto fand Halim bei Russmedia in Schwarzach Arbeit. Der 27-Jährige ist inzwischen zweieinhalb Jahre in Lustenau, kann sich sehr gut verständigen und versteht außerdem schon ein bisschen Lustenauerisch. Halim besucht dreimal wöchentlich einen Deutschkurs im Wifi Dornbirn. Siebenmal in der Woche ist er als Zeitungsausträger aktiv. Er stellt die VN und die Neue zu. Darauf ist er stolz. Aber ganz besonders stolz ist er auf seine Zirbenkissen.

Fertigung von Zirbenkissen

Wie er zu den Zirbenkissen kam, erzählt wiederum „seine Deutschlehrerin“: „Als Halim im Betrieb meines Mannes war, hobelte dieser gerade Zirbenholz. Nachdem Halims Vater in seiner Heimat beruflich Schneider ist, entstand die Idee, Kissen und Polster mit einer Füllung von Zirbenholzspänen zu fertigen. Der gesundheitliche Aspekt des reinen Naturproduktes wird hoch geschätzt. Denn laut Studien schläft man mit einem Zirbenkissen unter dem Kopf besser und ruhiger. Seit Anfang dieses Jahres sitzt Halim nun an seiner Nähmaschine und näht, was das Zeug hergibt. Er macht es auf selbstständiger Basis. Den Raum zum Arbeiten stellt ihm das Ehepaar Fink im eigenen Haus zur Verfügung. Die Nähmaschine stammt von Julia’s Freundin aus Dornbirn. In deren Frisiersalon „Kopflast“ in der Eisengasse werden die Polster auch zum Verkauf angeboten. Ebenso verkauft werden die bunten Ruhekissen bei der Firma von Burkhard Fink in Hard, „Profiholz Fink“ und natürlich auch online: pe-pino@gmx.at.

Hoffen auf positiven Bescheid

„Jetzt kann ich nur noch auf einen positiven Asylbescheid hoffen“, sieht der junge Afghane dennoch zuversichtlich seiner neuen Herausforderung entgegen. Halim hat sich auf den Weg gemacht. Der Horizont hat seine Grenzen geöffnet und „seine Deutschlehrerin“ Julia Fink hat ihm mit Unterstützung ihres Mannes Burkhard den Durchbruch zur Integration geebnet. Das Ehepaar bewohnt mit seinen drei Kindern ein Eigenheim in Lustenau. „Ich habe mich von negativen Meldungen nicht abhalten lassen, man muss immer auf der Hut sein, nicht pauschal zu verurteilen und bekanntlich gibt es nichts Gutes, außer man tut es“, gibt Julia Fink ihre Philosophie mit einem Lächeln preis. Besonders erfreut über das großartige Engagement der Familie Fink ist Andrea Hollenstein, die Flüchtlingskoordinatorin von Lustenau. Dadurch sei in Lustenau wiederum ein tolles Vorzeigebeispiel entstanden, wie Integration erfolgreich stattfinden kann.

Zur Person:
MMag. Julia Fink
geb. 14. 10. 1977
Wohnort: Lustenau
Familie: verheiratet mit Burkhard, 3 Kinder
Beruf: Juristin
Hobbys: Lesen, Schwimmen Wandern
Lebensphilosophie: „Mach dich auf den Weg und der Horizont öffnet seine Grenzen“

 

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Lustenau
  • Halim hat sich auf den Weg gemacht
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen