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"Hakenkreuz-Kindergarten" in Bregenzer Achsiedlung im Visier von Netz-Trollen

Stadträtin Eveline Miessgang zeigt sich empört und kündigt Konsequenzen an.
Stadträtin Eveline Miessgang zeigt sich empört und kündigt Konsequenzen an. ©Google Maps, Stadt Bregenz
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Der Bregenzer Kindergarten an der Ach wird aufgrund seines fragwürdigen Grundrisses zum Opfer zahlloser, geschmackloser Kommentare. Die Stadt Bregenz schreitet jetzt ein und plant dagegen vorzugehen.

Der Bregenzer Kindergarten an der Ach ist in das Visier von sogenannten Netz-Trollen geraten.

Widerliche Rezensionen

"Sehr Toll. Besonders die Dachform erinnert mich an die guten alten Zeiten. Das Heil der Kinder steht an vorderster Front. Der Erzieher erzählte mir, dass er leider an der Malschule abgelehnt wurde", lautet eine der jüngsten Rezensionen, die man bei Google als Eintrag für den Kindergarten findet.

Unzählige dieser Wortmeldungen finden sich darunter, es scheint fast, als ob sich diverse Internet-User einen geschmacklosen Spaß damit erlauben, diesen Kindergarten in ein nationalsozialistisches Umfeld zu rücken.

Aufgrund seines Grundrisses, der an ein Hakenkreuz erinnert, rückte die Einrichtung in der Achsiedlung schon öfter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

"Antisemitisch und den Holocaust verharmlosende Witzrezensionen"

Hingewiesen hat VOL.AT auf die dubiosen Äußerungen Jürgen Schacherl. Der Bürser Grünen-Gemeinderat und Lehrer schreibt dazu: "Der Google-Auftritt des Kindergartens an der Ach in Bregenz wird seit Wochen von beinahe wortidenten antisemitischen, holocaust- und hitlerverharmlosenden Witzrezensionen geflutet. Die sprachlich durchwegs bemitleidenswerten Rezensionen stammen übrigens zumeist aus Deutschland, was auf dortige Medienberichterstattung schließen lässt."

Hier ein Auszug aus den fragwürdigen Kommentaren:

Stadträtin Miessgang ist empört und kündigt Konsequenzen an

Auf VOL.AT-Anfrage bei der für den Kindergarten zuständigen Stadträtin Eveline Miessgang zeigt sich die SPÖ-Politikerin angesichts der widerlichen Wortmeldungen schockiert: "Nach Abrspache mit der Stadt werden diese fragwürdigen Rezensionen genau kontrolliert und gegebenenfalls gemeldet." Dies wurde auch vonseiten der städtischen Bregenzer Presseabteilung bestätigt:

"Die Google-Rezensionen über den Kindergarten an der Ach werden täglich von Seiten der Stadt gescreent. Alle Rezensionen, die in eine rechtliche Grauzone fallen und/oder als 'geschmacklos' eingestuft werden können, werden von der Stadt an Google gemeldet. Die Entscheidung, ob eine Rezension gelöscht wird oder nicht, liegt ausschließlich bei Google. Einige werden dann auch entfernt, bei vielen wird aber zurückgemeldet, dass die Rezension 'nicht gegen die Richtlinien von Google' verstößt. Die Stadt Bregenz versucht durch eine rasche Meldung dabei zu helfen, dass geschmacklose Rezensionen so rasch wie möglich entfernt werden, auch wenn dies nach einer Beurteilung durch Google nicht immer geschieht."

Stadträtin Eveline Miessgang. ©Udo Mittelberger, Stadt Bregenz

Bauliche Lösung bereits fürs kommende Jahr angedacht

Außerdem sei für das kommende Jahr eine bauliche Lösung und Veränderung der kontroversen "Hakenkreuz"-Form angedacht und bereits im Budgetantrag, der dann im Dezember diskutiert und abgesegnet werden soll, vorgesehen.

"Melden. Melden. Melden!"

Ob dies fruchten wird und wie diese Konsequenzen aussehen werden, bleibt abzuwarten. Zumal es bekannterweise nicht einfach ist, gegen Google-Rezensionen vorzugehen. Und die Wortmeldungen meist so formuliert sind, dass sie nicht gegen das Gesetz verstoßen und beim US-Konzern gern unter der freien Meinungsäußerung durchgehen. Für Jürgen Schacherl nicht hinnehmbar, da es sich sogar um eine "orchestrierte Review-Welle handeln könnte". Deswegen mahnt der engagierte Lehrer: "Und was können wir in der Zwischenzeit tun? Melden. Melden. Melden!"

(VOL.AT)

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