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"Haben keine Pläne gesehen"

Lech - Der Bürgermeister ist der Einzige, der derzeit über seinen gewissen Einblick in die Planungen am Schlegelkopf spricht. Russischer Oligarch Oleg Deripaska soll vor Übernahme von Lecher Hotel stehen.

Wie die „VN“ in der Dienstagsausgabe ausführlich offenlegten, steht der russische Oligarch Oleg Deripaska vor der Übernahme des Lecher Hotels Aurelio samt Nachbargrundstücken. Geplant sei ein „absolutes Fünf-Sterne-Hotel“, so Muxel im nebenstehenden „VN“-Interview, Baubeginn soll noch heuer sein. Doch Hotelpläne hat er noch keine gesehen.

Bei BH nichts bekannt

„Bisher ist noch kein Bauantrag eingelangt“, sagt der Bludenzer Bezirkshauptmann Leo Walser, auch habe es keine Gespräche mit dem derzeitigen Eigentümer Thomas Jagschitz (33) gegeben. Jagschitz war auch am Dienstag für die „VN“ nicht zu sprechen. „Wir wissen nicht mehr, als in der Zeitung steht“, erklärt der Bezirkshauptmann. Dass derzeit bereits Baumaschinen aufgefahren sind, fuße auf einer alten Baubewilligung. „Die hat noch der frühere Besitzer Martin Zumtobel für das Nachbargrundstück erwirkt.“

Landesrat Manfred Rein hat beim russischen Investment wenig Bedenken: „Wenn das Geschäft beim Grundverkehr okay ist, stellt sich vom Raumplanerischen noch die Frage, wie groß ist das Hotel, wie passt’s zum Ortsbild – aber da hat Lech einen strengen Bebauungsplan. Dieses Prozedere muss jeder hier durchmachen, egal ob Ami oder Russe.“

Deripaska, nach Roman Abramowitsch zweitreichster Russe, war am 23. Mai selbst in Lech. Das wird von der Sicherheitsdirektion offiziell bestätigt. Seine Geschäftspartner dagegen sind sehr diskret. Deripaskas Gattin, Paulina Jumaschewa, ist eine Enkeltochter von Boris Jelzin. Dem Russen werden sehr gute Beziehungen zu Präsident Wladimir Putin nachgesagt. Der aus Südrussland stammende Deripaska entstammt einfachen Verhältnissen. Er ist Eigentümer des russischen Aluminiumkonzerns Rusal, mittlerweile der größte Aluminiumkonzern der Welt.

Deripaska war in den “wilden” 90er-Jahren der russischen Wirtschaft zu einem der mächtigen sogenannten Oligarchen geworden. Dabei brachte er in einem Konkurrenzkampf, der mehrere Todesopfer forderte, die sibirische Aluminiumbranche unter seine Kontrolle.

Für Deripaskas Imperium sind inzwischen rund 240.000 Mitarbeiter tätig.

ZUR PERSON:

Oleg Wladimirowitsch Deripaska

Mit einem geschätzten Vermögen von 16 Milliarden US-Doller einer der reichsten Männer Russlands.

Geboren: 2. Jänner 1968 in Dserschinsk
Ausbildung: BWL-Studium in Moskau, Physik-Studium an der Lomonossow-Universität.
Österreich-Investments: Mit seiner Holding Basic Element übernahm er im April 30 Prozent der STRABAG, im Mai folgten 16 Prozent am Autozulieferer Magna.

“VN”-Interview:

“Ein absolutes Fünf-Sterne-Hotel

Der Lecher Bürgermeister Ludwig Muxel spricht mit den „VN“ über den Neubau des Hotels Aurelio mit russischem Geld.

VN: Welche Erwartungen haben Sie?
Muxel: Ich erwarte mir, dass das ein sehr gutes Hotelprojekt wird – allerdings habe ich noch keine Pläne gesehen. Aus Gesprächen ist mir bekannt, dass das Dreisternehaus Aurelio abgerissen und ein absolutes Fünf-Sterne-Hotel entstehen soll. Wir erwarten in den nächsten Tagen konkrete Pläne.

VN: Noch gibt es keinen Bauantrag.
Muxel: 2007 geht sich das Projekt auch nicht mehr aus. Wir hoffen, dass es heuer noch so weit gebaut werden kann, dass die Baustelle vom Erscheinungsbild den Wintertourismus nicht stört – dass also Rohbau und Fassade stehen.

VN: Welche Reaktionen erhalten Sie bezüglich des russischen Engagements aus der Bevölkerung?
Muxel: Es ist ein sehr sensibles Thema, weil man speziell hier auch Negatives damit in Verbindung bringt. Wir haben in Lech mit russischen Gästen durchwegs positive Erfahrungen. Die Reaktion unter den Lechern ist ambivalent. Nicht alle schreien „Hurra“ – es sind Befürchtungen da und man sieht das mit einer gewissen Sorge.

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