Gewalt-Proteste in Ferguson nach Jury-Entscheidung

Keine Anklage gegen Polizisten nach Todesschüssen: Proteste in Ferguson.
Keine Anklage gegen Polizisten nach Todesschüssen: Proteste in Ferguson. ©EPA
Der weiße Polizist Darren Wilson wird nicht für seine Todesschüsse auf den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown in der US-Kleinstadt Ferguson (Missouri) angeklagt. Eine Grand Jury (Geschworenenjury) habe keine hinreichenden Beweise für eine Straftat gesehen, gab Staatsanwalt Robert McCulloch am Montag in Clayton bekannt. Proteste gegen diese Entscheidung schlugen bald in Gewalt um.
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US-Präsident Barack Obama verteidigte das Urteil, rief zur Besonnenheit und Zurückhaltung auf. Die Entscheidung sorgte jedoch für Unmut in der Bevölkerung.

Geschworene befragten 60 Zeugen

Die drei schwarzen und neun weißen Geschworenen hätten sich in 25 Sitzungen mit dem Fall beschäftigt und 60 Zeugen vernommen. “Es ist keine Frage, dass Darren Wilson den Tod von Michael Brown verursacht hat, indem er ihn erschoss”, erläuterte McCulloch. “Aber die Pflicht der Grand Jury ist, die Fakten von Erfundenem zu trennen. Es existiert kein hinreichender Verdacht für irgendwelche Anklagepunkte.”

Gewaltausbrüche nach Urteil

Unmittelbar nach der Verkündung der Entscheidung kam es in Ferguson bei Protestkundgebungen zu ersten Gewaltausbrüchen. Demonstranten warfen mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge, wie die Sender CNN und MSNBC berichteten. CNN zeigte Bilder von Plünderungen und einem brennenden Haus.

Livestream aus Ferguson

Mehrere Schüsse waren zu hören

Über dem Vorort der Großstadt St. Louis im Bundesstaat Missouri kreisten Polizeihubschrauber. Nach Angaben örtlicher Fernsehsender ging ein Polizeiauto in Flammen auf. Außerdem seien mehrere Schaufensterscheiben von Geschäften und Autoscheiben zerschmettert worden. Nach CNN-Angaben setzte die Polizei Tränengas ein. MSNBC sprach dagegen von Rauchbomben. Im US-Fernsehen waren auch Bilder von Feuern zu sehen. Mehrere Schüsse seien zu hören gewesen, hieß es weiter.

Über den Tag hatten sich nach Schätzungen Hunderte zu einer Protestkundgebung versammelt. Einige trugen Schilder, mit denen sie eine Anklage des Polizisten forderten. Andere erklärten: “Keine Gerechtigkeit, kein Frieden”. Auch zahlreiche Polizisten und viele Medienvertreter brachten sich in Stellung.

Obama ruft zu Besonnenheit auf

Obama wandte sich umgehend an die Presse, um das Urteil der Geschworenenkammer zu verteidigen. “Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet”, sagte er in Washington. “Wir müssen diese Entscheidung akzeptieren, die von der Jury zu treffen war.” Zugleich rief Obama auf, nicht mit gewaltsamen Protesten zu reagieren. “Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt”, sagte er. Die Polizei forderte er auf, friedliche Proteste mit Vorsicht und Zurückhaltung zu begleiten.

Proteste eskalieren in Ferguson

“Schwarze Gemeinden erfinden Probleme nicht”

Die Situation sei aber auch exemplarisch für gesellschaftliche Herausforderungen in den USA, sagte der Präsident. Es bestünden immer noch tiefes Misstrauen zwischen Bevölkerungsgruppen und der Polizei. “Es gibt immer noch Probleme und die schwarzen Gemeinden erfinden die nicht einfach nur.”

Wilson hatte Brown am 9. August nach einer Auseinandersetzung erschossen. Der Tod des 18-Jährigen hatte in der 20.000-Einwohner-Stadt schwere Unruhen ausgelöst. Die Demonstranten forderten eine umfassende juristische Aufklärung. Der Polizist beruft sich auf Notwehr.

Proteste auch in New York

Familie von Michael Brown gegen Gewalt

Die Familie des Jugendlichen kritisierte die Entscheidung. “Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird”, ließen seine Eltern über ihren Anwalt mitteilen. Gleichzeitig riefen sie Demonstranten gegen das Urteil auf, friedlich zu bleiben. “Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion.”

(APA)

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